Biete Klarinette, suche Mischpult: Neues Lehramtshauptfach vermittelt Kreativität und modernes Musikwissen

Christopher Knittel und Lars Temme (v.l.): Das gemeinsame Arbeiten im Studio bed

Christopher Knittel und Lars Temme (v.l.): Das gemeinsame Arbeiten im Studio bedeutet auch, sich gegenseitig die selbst erstellten Sounds vorzuspielen und Feedback zu geben. © WWU- Brigitte Heeke

Draußen begrüßt die Fachschaft Musikpädagogik die Bewerber fürs nächste Semester, die sich im Institut an der Philippistraße auf ihre Aufnahmeprüfung vorbereiten. Drinnen sind aus den Übezimmern neben Tonleitern und klassischen Werken auch ganz andere Klänge zu hören - zumindest im Studio unterm Dach. Wummernde Bässe, eingängige Melodien, sparsame Beats: Heute steht zunächst Westcoast-Hip-Hop auf dem Lehrplan. "Producing und digitale Musikpraxis" heißt das neue Hauptfach im Studiengang Musikpädagogik. Es ist bundesweit einzigartig und bereitet angehende Lehrer darauf vor, dass auch ihre Schüler später eigene Songs produzieren können.

Tobias Rotsch möchte seinen Studierenden im zweiten Semester die große stilistische Breite ihres Fachs vermitteln. Deshalb gibt er ihnen im Stylegroove-Projekt verschiedene Genres zu hören. Deren Bauplan analysieren die Studierenden zunächst, bevor sie sich selbst an ähnlichem Material versuchen und einige Takte im gleichen Stil einspielen. Von Grund auf. Dass es dafür technisches Know-how braucht, ist offensichtlich: Auf Außenstehende machen die unzähligen Knöpfe am Mischpult und die Kabelmenge ordentlich Eindruck. 20 verschiedene Tonspuren, auf dem Bildschirm in verschiedenfarbigen Balken dargestellt, behalten die Studierenden aktuell im Blick.

Die Technik zu verstehen, ist jedoch nur eine Voraussetzung. Außerdem brauche es Neugierde und ein gutes Gehör, sagt Student Lukas Pettrup. "In erster Linie geht es uns um die künstlerische Entwicklung", unterstreicht Tobias Rotsch. Wer beispielsweise Klarinette oder Geige lernt, kann auf reichlich Literatur zurückgreifen. "Bei uns liegen eben nicht Noten bereits komponierter Werke auf dem Pult, die wir abspielen könnten." Was die Studierenden mitnehmen, sei eher eine Art Coaching für ihr eigenes, kreatives Tun. "Man muss umsetzen, was man im Kopf hat, das ist schon sehr künstlerisch", bestätigt Lars Temme. Er ist sicher, dass seine Schüler später mit leicht zu erlernenden Apps auf ihren Tablets Musik machen werden. "Viele nutzen das bereits in ihrer Freizeit." Für die Schulen ist diese Entwicklung gut, meint auch Dozent Tobias Rotsch. "Wir sind die ersten, die diesen Aspekt in die Lehrerbildung aufnehmen." Er zählt zu den ersten Absolventen des Fachs "Keyboards & Music Production" an der Musikhochschule Münster und unterrichtet nun selbst die ersten Jahrgänge angehender Lehrer. Hinter der Glasscheibe des Studios machen sich seine Kursteilnehmer mittlerweile auf die Suche nach den richtigen Samples und Effekten für "Oldschool" und einen sogenannten "Autotune Trap". Mal ehrlich: Können die drei am Wochenende Überhaupt noch feiern gehen, ohne jeweils genauestens auf die Musik aus den Lautsprechern zu achten? "Man analysiert innerlich immer mit", meint Lars Temme, "das lässt sich nicht abstellen".

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