Benin-Bronze in Göttingen

Benin-Bronze: Gedenkkopf einer Königinmutter (Iyoba), Ethnologische Sammlung der

Benin-Bronze: Gedenkkopf einer Königinmutter (Iyoba), Ethnologische Sammlung der Universität Göttingen (Af 932). Foto: Harry Haase

Gedenkkopf wird in bundesweite Datenbank für Objekte aus kolonialen Kontexten aufgenommen

Ein mit Korallennetz und Halsschmuck kunstvoll verzierter Frauenkopf, einen halben Meter hoch: die Darstellung einer Königinmutter aus dem alten, im heutigen Nigeria gelegenen Königreich von Benin. Seit 1933 gehört die Plastik zum Bestand der Ethnologischen Sammlung an der Universität Göttingen. Nun wurde sie in die Datenbank der ,,Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland" aufgenommen - ein formaler Akt, der zugleich grundlegend ist für eine mögliche Rückgabe.

,,Der in Göttingen aufbewahrte Kopf gehört nach unserem Kenntnisstand zu den rund 4.000 Gegenständen­­­­, die britische Truppen 1897 aus dem Königspalast in Benin-City entwendet haben", so Dr. Michael Kraus, Kustos der Ethnologischen Sammlung. Die Plastik stellt eine Königinmutter (Iyoba) dar. Sie gelangte über das Museum für Völkerkunde in Berlin in den Kunsthandel und von dort an die Ethnologische Sammlung in Göttingen. ,,Wir haben den Gedenkkopf bereits auf dem Sammlungsportal der Universität Göttingen veröffentlicht," erklärt Kraus. Mit der Aufnahme des Objektes in die bundesweite Datenbank unterstreicht die Universität ihre Bereitschaft zur Rückgabe.

Darauf hatten sich im April 2021 die Staatsministerin für Kultur und Medien mit Mitgliedern der ,,Benin Dialogue Group" sowie den Zuständigen von Bund und Ländern geeinigt. Mit ihrer gemeinsamen Erklärung - die von der Universität Göttingen unterstützt wird - verfolgen sie das Ziel, die Benin-Bronzen in deutschen Museen zu erfassen und öffentlich zugänglich zu machen. Auf dieser Grundlage werden weitere Gespräche mit der nigerianischen Seite über Rückführungen und künftige Kooperationen geführt. Sie werden letztlich darüber entscheiden, ob die Göttinger Bronze im zukünftigen ,,Edo Museum of West African Art" in Benin-City oder als historisches Erinnerungszeugnis im neuen Ethnologischen Museum der Universität Göttingen zu sehen sein wird.

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