Auf dem Weg zur Intensivstation ohne ,,elternfreie Zone"

Angehörigenfreundliche Intensivpflegestation (NIPS) in der Neonatologie am Unive

Angehörigenfreundliche Intensivpflegestation (NIPS) in der Neonatologie am Universitätsklinikum Bonn: Andreas Kremer (2. v. re), Pflegerischer Leiter der NIPS, und Antonella Millitrano (2. v. li), Pflegefachkraft für die Kinderintensivpflege, bei einer pflegerischen Übergabe mit Eltern; © Katharina Krenz / NIPS UK Bonn

Konzept der angehörigenfreundlichen Intensivstation in der Neonatologie am Universitätsklinikum Bonn



Eltern, deren Kind zu früh oder krank auf die Welt gekommen ist, sind auf der neonatologischen Intensivpflegestation des Universitätsklinikums Bonn rund um die Uhr willkommen. Sie sind hier nicht Besucher, sondern in die Pflege und Behandlung ihres Kindes integriert. Besonders ist, dass dies auch eine Teilnahme der Eltern an Visiten sowie an pflegerischen Übergaben einschließt. Für die Gestaltung einer angehörigenfreundlichen Kinderintensivstation gab es jetzt auf der diesjährigen Tagung der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (GNPI) in Leipzig, den Posterpreis für Pflege für das Pflegeteam der Neonatologischen Intensivpflegestation (NIPS) am Universitätsklinikum Bonn.


,,Der Preis bestärkt uns auf dem Weg zu einer Intensivstation, auf der es keine elternfreien Zonen mehr gibt und Eltern als Teil des Behandlungsteams bei der ärztlichen Visite und auch bei den pflegerischen Übergaben willkommen sind", sagt Knut Roeber, Pflegebereichsleitung Kinderintensivstationen am Universitätsklinikum Bonn.

Früher Elternkontakt fördert die Entwicklung

Frühgeborene oder krank auf die Welt gekommene Kinder müssen direkt am Anfang ihres Lebens für eine längere Zeit im Krankenhaus liegen. Transparenz hilft den emotional stark belasteten Eltern. Daher erhalten sie in der Neonatologie am Universitätsklinikum Bonn alle Informationen und sind in alle Entscheidungen eingebunden. Zudem können sie dank offener Besuchszeiten rund um die Uhr bei ihrem Kind sein und werden in die Pflege ihres Kindes trotz Schläuche und Kabeln aktiv mit einbezogen. Dazu sind Verpflegungsund Übernachtungsmöglichkeiten beziehungsweise Beratungsund Schulungsangebote unterstützend vorhanden.

,,Es ist für die Eltern beruhigend, sich nicht als Störfaktor zu empfinden. Es minimiert ihre Ängste und Sorgen. Auch fühlen sie sich nicht hilflos und ohnmächtig, sondern werden darin bestärkt, dass sie etwas für ihr Kind tun können", sagt Andreas Müller, Direktor des Bereiches Neonatologie und Pädiatrischen Intensivmedizin am Zentrum für Kinderheilkunde des Universitätsklinikums Bonn.

Eltern hören, denn sie sind Teil der Genesung ihres Kindes

Besonders herausfordernd gestaltete sich die Umsetzung einer offenen Besuchszeitregelung. Denn Angehörige können am Universitätsklinikum Bonn neuerdings nicht nur zu den Zeiten der ärztlichen Visite, Chefarztvisite und der pflegerischen Übergaben auf der Neonatologische Intensivpflegestation bleiben, sondern sie werden auch eingeladen, aktiv daran teilzunehmen. ,,Hier muss keine Mutter und kein Vater das ,Kuscheln’ mit dem Kind unterbrechen. Die wichtige Eltern-Kind-Bindung wird gestärkt und Vertrauen gefördert. Eltern können ihre Fragen und wichtigen Beobachtungen mit einbringen", sagt Andreas Kremer, Pflegerischer Leiter der neonatologischen Intensivpflegestation am Universitätsklinikum Bonn. Andreas Kocks, Pflegewissenschaftler an der Pflegedirektion des Universitätsklinikums Bonn, ergänzt: ,,Anders als vielfach erwartet kann dies auch das Pflegeund Ärzteteam entlasten, wenn beispielsweise Fragen direkt in der Visite oder der Übergabe geklärt werden."

Knut Roeber
Pflegebereichsleitung der Kinderintensivstationen
Zentrum für Kinderheilkunde am Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-33293
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