’Anthropos, Tyrann (Ödipus)’ nominiert für den Nestroy-Preis in der Kategorie beste deutschsprachige Inszenierung der Spielzeit 2020/21

Die Inszenierung ,,Anthropos, Tyrann (Ödipus)" des Regisseurs Alexander Eisenach wurde für den renommierten Wiener Nestroy-Preis in der Kategorie beste deutschsprachige Aufführung der Spielzeit 20/21 nominiert.

Es handelt sich um eine Kooperation des an der Humboldt-Universität zu Berlin beheimateten Theater des Anthropozän und der Volksbühne Berlin. Sie feierte im Februar 2021 ihre Streaming-Premiere.  Das Theater des Anthropozän wurde im November 2019 unter der Schirmherrschaft der Präsidentin der Humboldt-Universität Frau Prof. Sabine Kunst von Frank Raddatz und Antje Boetius gegründet. Die beiden Gründer dieses neuen Theatertypus an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft waren aktiv an dieser Produktion beteiligt. Für die Konzeption zeichnet Dr. Frank Raddatz verantwortlich. Prof. Boetius verkörperte in eigener Person die Phytia, das Orakel von Delphi, und liest in der Inszenierung die anthropozäne Zukunft aus den Eingeweiden der Erde in Form eines Bohrkerns. 

Der Mythos um den gegenüber seinem eigenen Handeln blinden Ödipus wird in der Inszenierung im Zeichen der gegenwärtigen ökologischen Krisen revitalisiert. Die Menschheit, die sich als unangefochtener Herrscher über den Planeten Erde absolut setzte, wird dabei zum tragischen Protagonisten des Theaterabends. Denn was der Anthropos für die Kulisse seines vermeintlich autonomen Handelns hielt, zeigt sich im Anthropozän als das wahre Subjekt seiner Geschichte: der Planet selbst.

Mit der Nominierung für die beste deutschsprachige Inszenierung wurde die vom Theater des Anthropozän modellhaft propagierte und theaterpraktisch demonstrierte Verschränkung von Wissenschaft und Theater von der Jury des Nestroy-Preises autorisiert. Dieser erfolgreiche Modellversuch des Theaters des Anthropozän hat sich für die große Herausforderung der auch Third Mission genannten Wissenschaftsvermittlung, die sämtliche Universitäten und Institute der Wissensproduktion unseres Landes betreffen, als produktiv und zukunftsweisend herausgestellt. Bühne wie Wissenschaft müssen im Zeitalter der ökologischen Verwerfungen und Bedrohungshorizonte des Anthropozäns neue Wege einschlagen. Dass beide Akteure künftige Strecken auch gemeinsam bewältigen können, gehört zu den guten Nachrichten unserer Gegenwart. Für die Singularität der Wissensmetropole Berlin stellt die Kür der Jury des Nestroy-Preises einen wichtigen Meilenstein dar.
Der Nestroy-Theaterpreis wird am 21. November 2021 im Theater an der Wien verliehen.


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