An zwei Topuniversitäten promovieren

Dmitrii Usynin forscht an der TUM und am Imperial College London. Bild: Andreas

Dmitrii Usynin forscht an der TUM und am Imperial College London. Bild: Andreas Heddergott / TUM

Interview mit Dmitrii Usynin zu ,,Artificial Intelligence, Healthcare and Robotics"

Der Informatiker Dmitrii Usynin promoviert an der TUM und am renommierten Imperial College London. Er gehört zum ersten Jahrgang der Joint Academy for Doctoral Studies (JADS) der beiden Universitäten, der zu Fragestellungen rund um das Thema ,,Artificial Intelligence, Healthcare and Robotics" forscht. Im Interview spricht Dmitrii Usynin über seine Arbeit in zwei unterschiedlichen Wissenschaftskulturen und Städten.

Was motiviert Sie, im Bereich Datenschutz im Gesundheitswesen zu forschen?

Schon in der Schulzeit wollte ich ein Studium mit den Schwerpunkten Informationssicherheit und Datenschutz beginnen. Nach einer ersten Orientierung über die verschiedenen Studiengänge, die die britischen Universitäten dazu anbieten, hatte ich den Eindruck, dass das Imperial am besten für mich geeignet ist. Im Rahmen meines dortigen Studiums machte ich dann ein Unternehmenspraktikum bei einer internationalen Investmentbank. Während dieser Zeit wurde mir klar, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens das Konzept des Datenschutzes und seine Bedeutung nicht wirklich verstanden haben. Sie haben Datenschutz oft mit Sicherheit und Vertraulichkeit verwechselt. Manchmal wurden diese Begriffe sogar synonym verwendet. Wenn schon bei Institutionen wie Banken keine Vorstellung davon vorhanden ist, was Datenschutz wirklich bedeutet, so dachte ich, könnte das Bewusstsein in der Gesellschaft für dieses Thema ein noch größeres Problem sein. Und deshalb braucht es Personen, die die Gesellschaft über den Datenschutz aufklären und den Menschen erklären können, welche Rolle der Datenschutz in Alltagssituationen und in komplexen Geschäftsprozessen spielt, in denen sensible Daten involviert sind. Ich entdeckte diese Aufgabe dann für mich persönlich und das hat mich motiviert, mich auf das Studium des Datenschutzes in realen, praxisnahen Kontexten zu konzentrieren und mich datenabhängigen Problemen wie dem maschinellen Lernen zu widmen.

Was hat Sie bewogen, sich für ein bilaterales Programm für Ihre Promotion zu bewerben, konkret für die JADS?

So sehr ich mein Leben in London auch liebe, schätze ich doch die Chance, während meines Studiums noch woanders hingehen zu können. Aus akademischer Sicht trägt die Tatsache, dass sich diese beiden Universitäten in zwei sehr unterschiedlichen Ländern befinden - und damit in sehr unterschiedlichen Lernumgebungen - auch dazu bei, meine Forschungsarbeit zu diversifizieren. Das Imperial ist auf seine Weise einzigartig: Hier wird beispielsweise mehr Wert auf die Unabhängigkeit der Forschungsarbeit gelegt und man wird ermutigt, in seinem eigenen Tempo zu arbeiten, und oft dazu angeregt, selbstbestimmt zu forschen. An der TUM hingegen dreht sich alles um die Zusammenarbeit mit anderen und das Zusammenwirken verschiedener Disziplinen. Einen Zugang zu beiden Umgebungen zu haben und zwischen ihnen zu wechseln, ist wahrscheinlich der größte Vorteil, den man aus der Joint Academy ziehen kann - unabhängig vom Promotionsthema. Der zweite offensichtliche Vorteil ist der, dass man Teil zweier einzigartiger Forschungsgruppen ist. Während ich mich an beiden Hochschulen mit dem Thema Datenschutz beschäftige, konzentriere ich mich am Imperial mehr auf den schädlichen Einfluss beim maschinellen Lernen, an der TUM liegt mein Schwerpunkt eher auf Risikominderungstechniken, etwa beim Konzept der Differential Privacy.

Welchen Rat würden Sie künftigen JADS-Bewerberinnen und Bewerbern geben?

Versuche so offen wie möglich zu sein. Dann wirst du enorm davon profitieren, dass du Zugang zu zwei einzigartigen Institutionen hast, die in zwei großen Forschungsgemeinschaften integriert sind. Pflege den Kontakt zu den Betreuerinnen und Betreuern beider Universitäten, um das Beste aus der Situation herauszuholen. Deine Forschungsaktivitäten können von der Unterschiedlichkeit zweier Institutionen profitieren - beide sind sehr gut etabliert und zeichnen sich durch diverse Kompetenzfelder aus.

Welche Erwartungen haben Sie an Ihren Umzug nach München?

Ich freue mich auf den Umzug nach München, wo es in gewisser Weise viel ruhiger und fokussierter zugeht als in London. Nach dem ersten Promotionsjahr in London - das ich aufgrund von Covid-19 größtenteils im Homeoffice absolviert habe - freue ich mich nun darauf, meine Gruppe in München persönlich kennenzulernen und im Labor mit Leuten zusammenzuarbeiten, die das Gleiche tun wie ich.


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