20. Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur stellt Riechforschung und Macht der Düfte in den Mittelpunkt  

Med. habil. Hanns Hatt, Inhaber der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur 2019

Med. habil. Hanns Hatt, Inhaber der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur 2019

20. Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur stellt Riechforschung und Macht der Düfte in den Mittelpunkt

Mit seinen zukunftsweisenden Forschungen zum Riechen und zur Duftwahrnehmung und mit seinem hohen Engagement für die deutschen Akademien wirkt er in Wissenschaft und Gesellschaft: Hanns Hatt ist Inhaber der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur im Jahr 2019. Der Biologe und Mediziner lehrt und forscht als Zellphysiologe an der Ruhr-Universität Bochum. Er zählt insbesondere durch seine Arbeiten über die Struktur und Funktion von Riechrezeptorproteinen zu den international anerkanntesten Wissenschaftlern seines Fachs. Der Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeiten liegt in der Erforschung der molekularen und zellulären Sinnesphysiologie und Geruchsforschung, vor allem der menschlichen Duftwahrnehmung. Für seine wissenschaftlichen Leistungen wurde Dr. Dr. med. habil. Hanns Hatt unter anderem mit dem Philip Morris Forschungspreis, dem Erfinderpreis der Ruhr-Universität Bochum und dem Robert Pfleger-Forschungspreis ausgezeichnet.

Seit 2015 ist Hatt Präsident der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, im September 2018 wurde er für eine zweite Amtszeit in dieser Dachorganisation von acht deutschen Wissenschaftsakademien wiedergewählt. Er hat sich nicht nur um die Wissenschaftsorganisation, sondern auch um die Wissenschaftskommunikation sehr verdient gemacht. Der Communicator-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Stifterverbands sowie seine Publikationen über das Riechen, die zu internationalen Bestsellern wurden, sind Zeichen seiner Intention, komplexe wissenschaftliche Sachverhalte auch für die Öffentlichkeit verständlich zu machen.

Im Sommersemester 2019 wird Hanns Hatt das Thema "Die Macht der Düfte: Alles über das Riechen und wie es unser Leben bestimmt" im größten Hörsaal auf dem Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) einem breiten Publikum vermitteln. Er wird nicht nur das "Wunderwerk Nase" erläutern, sondern auch wie Duftinformationen ins Gehirn gelangen und dort verarbeitet werden. Riechrezeptoren kommen aber auch außerhalb der Nase in den Körperzellen des Menschen vor; bei Insekten und Säugetieren kann man verschiedenste Riechsysteme und Riechleistungen beobachten. Pheromone, chemische Botenstoffe mit Signalcharakter zur Informationsübertragung, steuern auch soziale Kontakte und Sexualverhalten des Menschen. Dass man mit Düften verführen kann, wird nicht nur im Marketing gezielt eingesetzt. Ein Blick auf die Kulturgeschichte von Duft und Parfum zeigt vielfältige Verwendungsmöglichkeiten. Riechen und Schmecken beeinflussen unser Essund Trinkverhalten und ein Verlust dieser Fähigkeiten führt zu erheblichen Einschränkungen. Nicht zuletzt fragt Hatt nach Zukunftsvisionen: Kann man Nasen künstlich entwickeln, Duftsensoren zur Personenerkennung einsetzen, Düfte digitalisieren? Die "Macht der Düfte" wird er gemeinsam mit renommierten Gästen in seiner Vorlesungsreihe an zehn Dienstagabenden diskutieren.

Hanns Hatt wurde 1947 in Illertissen geboren. Er studierte zunächst Biologie und Chemie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, schloss sein Studium 1972 mit dem Staatsexamen ab und schrieb anschließend seine Doktorarbeit. 1975 begann er parallel ein Medizinstudium. 1976 wurde Hatt in Zoologie promoviert, 1981 erhielt er die Approbation in Medizin. Zwei Jahre später wurde er auch in Medizin promoviert, 1984 folge die Habilitation in Physiologie. Nach einer Professur an der TU München ist er seit 1992 Professor für Zellphysiologie an der Ruhr-Universität Bochum. Seit 2015 ist er Präsident der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften.

Stiftung "Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur"

Eingerichtet hat die "Vereinigung der Freunde" die Stiftung "Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur" anlässlich des 600. Geburtstags von Johannes Gutenberg im Jahr 2000. Bisherige Inhaber der Stiftungsprofessur waren der Kulturhistoriker und Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels Fritz Stern (2000), der führende Vertreter der Evolutionsbiologie und Pionier der Soziobiologie Bert Hölldobler (2001), der frühere Bundes­außenminister Hans-Dietrich Genscher (2002), der ehemalige Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung Wolfgang Frühwald (2003), der ehemalige Exekutiv-Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) Klaus Töpfer (2004), der Komponist und Dirigent Peter Ruzicka (2005), der Wiener Experimentalphysiker Anton Zeilinger (2006), der Immunologe Fritz Melchers (2007), der Literaturund Sozialwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma (2008), Karl Kardinal Lehmann (2009), die Neuropsychologin und Kognitionswissenschaftlerin Angela D. Friederici (2010), der Kunsthistoriker und Bildwissenschaftler Gottfried Boehm (2011), der Paläoanthropologe Friedemann Schrenk (2012), der Finanzwissenschaftler Gerold Krause-Junk (2013), der Physiker Christof Wetterich (2014), die Kulturwissenschaftler Aleida und Jan Assmann (2015), der Biopsychologe Onur Güntürkün (2016), der Informatiker Wolfgang Wahlster (2017) sowie der Politikwissenschaftler Herfried Münkler (2018).