Kitas: Erziehungswissenschaftler untersuchen soziale Durchmischung

In jedem Jahr Jahr sind Eltern auf der Suche nach der idealen Kindertageseinrichtung für ihre Kinder. In Deutschland hat auch jedes Kind den gleichen Anspruch auf einen Kitaplatz - unabhängig von seiner Herkunft, Religion oder dem Einkommen der Eltern. Ein Blick auf die Zusammensetzungen der meisten Kitas zeigt aber: Häufig bleiben Kinder aus bestimmten Bevölkerungsgruppen unter sich. Warum das so ist, untersucht ein Team von Erziehungswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt ,,Segregation und Trägerschaft" (SET) für drei Jahre mit rund 380.000 Euro.

,,Soziale und kulturelle Durchmischung haben in unserer Gesellschaft einen hohen Wert. Kinder sollten so früh wie möglich ein von Diversität geprägtes Umfeld kennenlernen", sagt MLU-Erziehungswissenschaftlerin Johanna Mierendorff. Allerdings würden dieses Ziel und die Realität mitunter weit auseinanderklaffen. So hat etwa jedes vierte Kind in Deutschland einen Migrationshintergrund, und etwa jedes fünfte Kind bis zum sechsten Lebensjahr lebt in einem von Armut betroffenen Haushalt. In Kitas variiert der Anteil dieser Bevölkerungsgruppen aber zwischen 0 und 100 Prozent. Dies bedeutet auch, dass Kinder aus wohlhabenden Familien selten mit Kindern aus anderen sozialen Schichten in Kontakt kommen.

,,Die Unterschiede in der Verteilung sind nicht allein auf die Nähe einer Kita zum Wohnort zurückzuführen. Das zeigt: Der Zugang zu bestimmten Kitas ist nicht für alle Kinder gleich", unterstreicht Dr. Nina Hogrebe von der WWU. Die soziale Spaltung der Gesellschaft beginne deshalb deutlich früher als bislang angenommen und nicht erst mit der Wahl der weiterführenden Schule am Ende der Grundschulzeit. ,,Viele Eltern stehen unter einem enormen Druck, eine möglichst gute Kita für ihre Kinder auszusuchen. Dabei haben sie trotz ihrer Wahlfreiheit in der Realität fast keine Wahl, welche Kita ihre Kinder besuchen. Denn zum einen ist die Nachfrage nach Kitaplätzen viel größer als das Angebot. Zum anderen können die staatlichen und freien Trägerorganisationen entscheiden, wen sie in ihre Einrichtungen aufnehmen. Und diese haben mitunter sehr genaue Vorstellungen von den Kindern und Eltern, die zu ihnen passen", ergänzt Johanna Mierendorff.

Welche Vorstellungen das sind, welche Folgen diese Praxis hat und welche Strukturen im Hintergrund wirken,- genau das untersuchen die Forscher aus Halle und Münster. Das Team um Nina Hogrebe an der WWU wertet dafür die Daten von zwei repräsentativen Bevölkerungsund Bildungsstudien in Deutschland aus, in denen die Teilnehmer in regelmäßigen Abständen Auskunft über ihre Lebensumstände geben. Dazu gehören auch Angaben darüber, welche Kitas ihre Kinder besuchen. Anhand dieser Daten lassen sich deutschlandweit mehr als 1.000 Kitas betrachten.

In einem zweiten Schritt will man die Auswahlverfahren einzelner Trägerorganisationen sowie die Rolle der Jugendämter und weiterer kommunaler Akteure bei den Auswahlprozessen analysieren. Dazu führen die Forscher Interviews mit Vertretern einzelner Einrichtungen und Organisationen. Mit Hilfe dieser Erkenntnisse wolle man zudem Beratungsangebote und Handlungsempfehlungen für Träger und Einrichtungen erarbeiten.

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