Forschen für jedermann: Reallabor Queichland öffnet mit Experimen-tier-Café erstmals seine Pforten

Beim Pressetermin demonstriert    Björn Risch, wie mit dem kostengünstig aus Sal

Beim Pressetermin demonstriert Björn Risch, wie mit dem kostengünstig aus Salatschale und Schwimmreif hergestellten Messgerät, CO2-Ausgasungen in Gewässern untersucht werden können. Foto: Paul van Schie

Mit dem Start des Experimentier-Cafés hat das Reallabor Queichland im Landauer Stadtgebiet Horst gestern erstmals seine Pforten geöffnet. Das Reallabor ermöglicht gemeinsames Forschen und Lernen von Bürgern und Wissenschaftlern mitten in der Stadt. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Projekt für drei Jahre mit 300.000,- Euro. Neben den Informationsund Mitmachangeboten der Universität können Bürgerinnen und Bürger eigene Ideen im Kontext Nachhaltigkeit umsetzen.

Seit einigen Jahren ist die Fläche an der Schneiderstraße zwischen Eduard-Spranger-Gymnasium (ESG) und Freizeitbad La Ola Modellplatz einer modernen und nachhaltigen Gewässerentwicklung: Im Rahmen der rheinland-pfälzischen Aktion ,,Blau Plus" wurde ein Abschnitt der Queich renaturiert und ökologisch aufgewertet. Ein von Marie Schehl (Universität Koblenz-Landau, ZentrAL) federführend gestalteter Umweltparcours vermittelt interaktiv und spielerisch Wissen rund um das Thema Wasser. Mit dem Reallabor ist die Fläche einmal mehr wegweisend. ,,Das Konzept des Reallabors ist noch jung und steht für ein innovatives Modell der Kooperation zwischen Wissenschaft und Gesellschaft", erklärt Björn Risch, Landauer Professor für Chemiedidaktik und Leiter des Zentrums für Bildung und Forschung an Außerschulischen Lernorten (ZentrAL). Bundesweit gibt es noch nicht so viele Reallabors, zum Thema Bildung ist das Landauer Reallabor sogar das erste. Wissenschaftler, Studierende, Schüler und Bürger sollen an der Queich die Möglichkeit haben, sich gemeinsam mit vielfältigen naturwissenschaftlichen Phänomenen zu den Themen ,,Wasser-Land-Luft" auseinanderzusetzen. Zu den Kooperationspartnern zählen neben der Stadt Landau, lokalen Unternehmen und Instituten auch Kindergärten und Schulen. Das Reallabor Queichland ist ein gemeinsames Projekt von ZentrAL, der AG Chemiedidaktik des Instituts für naturwissenschaftliche Bildung und des Instituts für Mathematik (Mathematische Modellierung) am Campus Landau. 

Ein Ort des Austauschs schwebt Risch vor. ,,Wir können es nicht leisten, das Reallabor täglich zu bespielen". Daher hofft er auf das Engagement der Bürgerinnen und Bürger. Denn das Interesse an dem Projekt ist groß: Das zeigen die vielen Anfragen, die das Team mittlerweile erreichen. ,,Aber noch ist den Anrainern nicht klar, was sie selbst beitragen können", so Risch. Ziel seines Teams für die Anfangsphase sei es daher, Impulse zu setzen und Aktivitäten zu initiieren, damit etwas Gemeinsames entstehen kann. ,,Vielleicht wohnt in der Nachbarschaft zum Reallabor ein Ornithologe, der Vogeltouren anbietet kann oder jemand, der Pflanzentouren durchführen mag", nennt Risch Beispiele für mögliches bürgerliches Engagement im Areal. 

Auch soll im Reallabor Queichland die moderne umweltwissenschaftliche Fachforschung, die in Landau betrieben wird, für Bürgerinnen und Bürger aufbereitet werden. ,,Wir sind vielleicht die letzte Generation, die bezogen auf Umweltprobleme und Klimawandel noch was ändern kann", so Risch. Daher sei es wichtig, Umweltwissen zu vermitteln und Menschen zum Umdenken und zum Handeln zu motivieren. Und wie könnte das besser funktionieren, wenn nicht durch Beteiligung an Forschungsprojekten?

Ein mögliches Thema, zu dem Bürgerinnen und Bürger nun im Reallabor forschen können, ist die CO2-Ausgasung von Gewässern. Das dafür notwendige CO2-Messgerät, bestehend aus Salatschale, Alufolie, CO2-Sensor und Schwimmreif, verleiht die Universität im Freilandmobil am ESG, das Ausgangspunkt der Aktivitäten im Reallabor ist. Mit der Reallabor-App sehen die Bürger-Forscher in Echtzeit ihre Messdaten, die auch zusätzlich in eine Datenbank eingespeist werden. ,,So leisten die Bürger ihren Beitrag zur Forschung", erläutert Risch. Das Reallabor-Team Queichland setzt verstärkt auf Digitalisierung und Visualisierung. So sollen Daten auch zu Hause verarbeitet werden können oder die Zusammenarbeit mit anderen Ländern möglich sein. ,,Wir leben in einer globalisierten Welt. Es wäre toll, wenn Schüler hier Dinge entwickeln, die Kindern anderswo helfen". Derzeit wird in der Arbeitsgruppe von Risch an einer einfachen, kostengünstigen und effektiven Methode zur Wasseraufbereitung mit Moringasamen gearbeitet. Auch die Ausbildung von Schülern zu Forschungsassistenten, die Bürgern beim Experimentieren im Reallabor zur Hand gehen können, nennt Risch als weitere Möglichkeit. Pünktlich zur Gut-Wetter-Saison startet das Experimentier-Café, mit dem das Reallabor Queichland erstmals seine Pforten öffnet. 

Experimentier-Café

Wöchentlich dienstags, von 15 bis 18 Uhr, können Bürger wie Schüler jeden Alters am Freilandmobil am Eduard-Spranger-Gymnasium selbständig umweltbezogene Experimente im Kontext Nachhaltigkeit durchführen. Das Freilandmobil ist einer von 16 außerschulischen Lernorten an der Universität Koblenz-Landau. Der ehemalige Zirkuswagen, der als Plattform zum Experimentieren in der Natur dient, wird nun um die Queichland-Fläche erweitert. ,,Es entsteht sozusagen ein Außerschulischer Lernort XXL", unterstreicht Risch. Im Sommer will das Team mit einem Tag des Reallabors die Aktivitäten und Möglichkeiten einer breiten Öffentlichkeit vorstellen. 

Weitere Infos sowie die Reallabor-App unter http://reallabor-queichland.uni-landau.de


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