Der Trockenheit trotzen

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Im Querschnitt durch die Nadel einer Kiefer sind zwei Poren an der Oberfläche erkennbar. Die so genannten Stomata regulieren die Wasserverdunstung und die CO2-Aufnahme. Illustration: Miriam Isaac-Renton

Warum Wälder in Kanada nicht in der Lage sind, dem künftig häufiger auftretenden Wassermangel standzuhalten

Ein internationales Team aus Kanada, Deutschland und der Schweiz, dem auch Heinrich Spiecker von der Professur für Waldwachstum der Universität Freiburg angehört, hat gezeigt, warum die Toleranz gegenüber Trockenheit bei Bäumen aus dem borealen Nordwesten Kanadas gering ist. Dazu hat es Informationen genutzt, die in Jahrringen von Kiefern gespeichert sind. Ihre Ergebnisse haben die Forschenden in der Fachzeitschrift ,,Nature Communications" veröffentlicht.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellten fest, dass Wassermangel die Zellen der Kiefern aus dieser Region beschädigt. Sie verfügen nur über dünne Zellwände, die bei Wassermangel zu Luftembolien führen können: Luft dringt in den Baum ein und stört den Wasserfluss in seinem Inneren. Außerdem wiesen die Wissenschaftler nach, dass die Bäume bei Trockenheit ihre Stomata nicht schließen. Dabei handelt es sich um Poren, die als winzige Ventile in den Nadeln Wasserverluste regulieren. Die Wälder dieser Region sind daher nicht in der Lage, dem in Zukunft erwarteten häufigeren Auftreten von Trockenheit standzuhalten.

Die Ergebnisse des Teams zeigen aber auch eine mögliche Lösung des Problems: Kiefern aus südlicheren Breiten sind widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit. Die Toleranz der Wälder kann daher erhöht werden, wenn diese Bäume auch etwas weiter nördlich gepflanzt werden.


Originalpublikation: Miriam Isaac-Renton, David Montwé, Andreas Hamann, Heinrich Spiecker, Paolo Cherubini, Kerstin Treydte: Northern forest tree populations are physiologically maladapted to drought, Nature Communications, 9:5254. doi.org/10.1038/s414­67-018-07701-0