Mußekenner, wissenschaftliche Verführer, Roboterforscher

Mußekenner, wissenschaftliche Verführer, Roboterforscher
Die neue Ausgabe der Universitätszeitung uni’leben ist erschienen

Alles kann, nichts muss
Sie entspricht nicht der Faulheit, ist nicht mit Freizeit gleichzusetzen, und Langeweile trifft es schon gar nicht: Was, bitte schön, ist denn eigentlich „Muße“’ Freiburger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Philosophie, Literaturwissenschaft, Theologie, Kunstgeschichte, Soziologie, Psychologie und Ethnologie arbeiteten von 2013 bis 2016 an einer Art Kulturgeschichte des Phänomens. Das Ergebnis sind Erkenntnisse zu unterschiedlichen Formen der Muße aus acht Jahrhunderten – doch ein Muster haben die Wissenschaftler durchweg gefunden: Muße kann eine Minute oder eine Stunde dauern und überall eintreffen – im Beauty-Spa genauso wie am Schreibtisch oder auf einem belebten Bahnhof. Sie dient keinem Zweck, lässt sich weder erzwingen noch herbeimeditieren, ist heiß begehrt und gleichzeitig gefürchtet.
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Zum Guten verführen
Da gibt es diese Geschichte mit der Fliege im Urinal auf dem Flughafen von Amsterdam/Niederlande. Bettina Kalmbach erzählt sie gern: Das Facility-Management kam dort vor Jahren auf die Idee, naturgetreue Abbildungen einer Fliege in die Becken zu kleben und die Nutzer so zum besseren Zielen anzuspornen. Mit Erfolg: Die Reinigungskosten in den Herrentoiletten sanken um 80 Prozent, und die Idee wird inzwischen weltweit kopiert. Für Kalmbach ist das ein gutes Beispiel für „Nudging“. Das englische Wort bedeutet so viel wie „anstupsen“: Man gibt Menschen einen freundlichen Schubs in Richtung Wunschverhalten, ohne Verbote zu erlassen oder mit Strafen zu drohen. Kalmbach schreibt zu diesem Thema derzeit ihre Dissertation in einem fächerübergreifenden Forschungsprojekt, das Verbraucherinnen und Verbraucher dazu bewegen will, umweltfreundliche LED-Lampen zu kaufen – ohne sie zu bevormunden.
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Obelix, Marvin und Nao
Auf dem Gelände der Technischen Fakultät hat Mitte Februar 2017 ein neues Forschungszentrum seine Arbeit aufgenommen: das Integrated Robotics Center. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Medizin, Philosophie, Biologie, Informatik, Mikrosystemtechnik und den Rechtswissenschaften werden dort in Zukunft gemeinsam arbeiten. Im Fokus stehen die technische Weiterentwicklung von Robotern, aber genauso ethische und rechtliche Fragen, die sich ergeben, wenn Mensch und Maschine miteinander in Kontakt kommen. Etwa zwei Millionen Euro hat die Universität in den Bau investiert, das Land Baden-Württemberg bezuschusste ihn darüber hinaus mit einer halben Million Euro. Mit eingezogen sind auch die drei Roboter Obelix, Nao und Marvin. Die Wissenschaftler wollen sie soweit entwickeln, dass sie eines Tages Menschen im Alltag unterstützen.
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