Ungarischer Forscher als Humboldt-Forschungsstipendiat an der Universität Leipzig zu Gast

Der ungarische Wissenschaftler Oldamur Hollóczki ist seit kurzem für zwei Jahre als Humboldt-Forschungsstipendiat an der Fakultät für Chemie und Mineralogie der Universität Leipzig zu Gast. Der gebürtige Budapester forscht seit Anfang Juli in der Arbeitsgruppe von Barbara Kirchner vom Wilhelm-Ostwald-Institut für Physikalische und Theoretische Chemie. Zuvor hatte er sich in einem zweimonatigen Deutschkurs auf den Aufenthalt in Leipzig vorbereitet.

"Mein Forschungsthema in der Gruppe Kirchner ist die theoretische Untersuchung der Reaktionen in ionischen Flüssigkeiten. Diese Materialen sind organische Salze, die bei Temperaturen unter hundert Grad Celsius flüssig sind", erklärt der 29-Jährige. Wegen ihrer Diversität und regulierbaren physikalischen Eigenschaften würden ionische Flüssigkeiten in der industriellen und akademischen Forschung auf vielen Gebieten - etwa in Akkumulator-, Sonnenbatterie-, Bioverfahrens- und Reaktionstechnik sowie in der Hydraulik - angewandt. Ionische Flüssigkeiten würden auch häufig als mögliche Alternative zu den klassischen organischen Lösungsmitteln bei chemischen Reaktionen eingesetzt.

Allerdings seien die Wechselwirkungen zwischen den Lösungsmittelmolekülen und denen des gelösten Materials ganz anders als die Wechselwirkungen innerhalb der molekularen Lösungsmittel. Deshalb könne die Reaktion dann auch ganz anders ablaufen. "über dieses Thema gibt es jedoch noch nur wenig Information in der Literatur. Deshalb ist das Ziel meiner Arbeit, diese Unterschiede mit Hilfe von theoretischen Methoden zu verstehen", sagt Hollóczki, der zuvor an der Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität in Budapest wissenschaftlich tätig war.

Die Ergebnisse können ihm zufolge maßgeblich zu der Entwicklung auf diesem Gebiet beitragen, weil die Experimentatoren durch das Verstehen dieser Effekte das optimale Lösungsmittel für eine Reaktion einfacher und effektiver wählen können. "Diese spezifischen Themen unserer Forschung sind bunt und divers, und die zu erwartenden Ergebnisse haben zudem die Aussicht, als Vorhersagen für praktische Einsätze zu dienen", erklärt er. Schon in seiner Doktorarbeit habe er einige theoretische Aussagen getroffen, die erst danach experimentell bestätigt wurden, berichtet Hollóczki. Es handelte sich dabei beispielsweise um ein neues Molekül, das er mit theoretischen Methoden als stabile Spezies vorhergesagt hatte, und das in Experimenten dann synthetisiert worden ist.