Ende der Euphorie

Nanotechnologie in den Medien − Studie am Institut für Kommunikationswissenschaft

Die anfängliche Euphorie über eine neue Schlüsseltechnologie nimmt ab: Nanotechnologie wird in den Printmedien nicht mehr als besonders positiv, sondern mittlerweile überwiegend neutral dargestellt. Das ergab eine Langzeitstudie am Institut für Kommunikationswissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU).

Die Projektleiter der Studie, Frank Marcinkowski und Matthias Kohring (Universität Mannheim), haben die Ergebnisse in ihrem Bericht "Das Bild der Nanotechnologie in der deutschen Presse. Eine Langzeitbeobachtung 2000 bis 2011" jetzt vorgestellt. Wie hoch ist die gesellschaftliche Akzeptanz dieses Themas? Was genau interessiert die Bevölkerung an Nanotechnologie? Das wollten die Kommunikationswissenschaftler durch eine standardisierte Inhaltsanalyse der deutschen Printmedien erfahren. Dafür haben die Wissenschaftler 2343 Artikel in der deutschen Tages- und Wochenpresse, in denen das Wort "Nano" vorkommt, unter die Lupe genommen.

Die Kommunikationswissenschaftler haben festgestellt, dass rund um die Jahrtausendwende vor allem über Grundlagenforschung der Nanotechnologie in den Medien berichtet wurde. In den vergangenen zwei Jahren hingegen diskutierten die Journalisten in ihren Artikeln unter anderem über Anwendungsbereiche wie zum Beispiel Oberflächenbeschichtung, Rüstungsmaterialien, Luft- und Raumfahrt, Energiewirtschaft, Bauwesen und chemische Industrie. Der thematische Fokus auf das Feld Nanotechnologie hat sich damit ausgeweitet und wird in gesellschaftliche Kontexte eingebettet. Der in der Öffentlichkeit wahrgenommene Nutzen von Nanotechnologie lag in der ersten Forschungsperiode in den Themenfeldern Ökonomie, Wissenschaft und Medizin. In den vergangenen zwei Jahren dagegen beobachteten die Forscher eine gesteigerte Aufmerksamkeit in einem zusätzlichen Bereich, dem Umwelt- und Naturschutz.

Obwohl die Berichterstattung über Nanotechnologie in den letzten zwei Jahren insgesamt als "unpolitisch" und "spannungsarm" betrachtet wird, fiel auf, dass sich der Ton der Berichterstattung geändert hat: Während bis 2007 mehrheitlich euphorisch über das Thema berichtet wurde, waren die meisten Artikel in 2010 überwiegend neutral geschrieben. Auffällig in diesem Zusammenhang war auch, dass Journalisten offenbar das primäre Themeninteresse der Nutzer aufgriffen und verstärkt über mögliche Gesundheitsschädigungen durch Nanotechnologie berichteten.

Der aktuelle Bericht ist ein Teil der Längsschnittanalyse, die das Institut für Kommunikationswissenschaft seit 2000 bearbeitet und die seit 2007 fortlaufend aktualisiert wird. Erste Ergebnisse wurden bereits in 2008 präsentiert. Die Nanoforschung, bei der kleinste Oberflächenstrukturen (vom Einzelatom bis zu einer Größe von 100 Nanometern; ein Nanometer entspricht einem milliardstel Meter) untersucht werden, wird in vielen Naturwissenschaften wie Physik und Chemie, aber auch im Maschinenbau und in der Lebensmitteltechnologie eingesetzt.


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