Funkchips im Abfall

Funkchips im Abfall

Immer öfter werden Waren in Läden anstelle eines simplen Strichcodes mit Hightech-Chips, den sogenannten RFID-Tags, ausgestattet. Was praktisch ist für die Abkassierung und die Diebstahlsicherung, stellt ein Problem dar bei der Entsorgung. EMPA-Forschende sind diesen Problemen auf den Grund gegangen.

Bisher sind «intelligente Etiketten» im Einzelhandel fast nur auf den Verpackungen hochwertiger Rasierklingen und teurer Parfums zu finden, wo sie den Strichcode ergänzen. In Zukunft könnten diese Hightech-Chips mit Metallantenne – die RFID-Tags (Radio Frequency Identification) – möglicherweise auf allen Einzelhandelswaren aufgebracht werden und dadurch den Barcode völlig ersetzen. Das Besondere an den RFID-Tags ist, dass sie sich berührungslos per Funk durch spezielle Lesegeräte auslesen lassen; das verändert in den Läden die Diebstahlsicherung, das Abkassieren und das System der Nachbestellungen.

Doch was passiert mit den «getagten» Verpackungen oder Weinflaschen, wenn diese anschliessend zu Hause von den Käufern in den Mülleimer oder den Altglascontainer geworfen werden? Wissenschaftler/innen des Berliner Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) und der Empa erstellten im Auftrag des deutschen Umweltbundesamts Szenarien mit dem Zeithorizont 2022 zur Entsorgung der RFID-Tags. Laut Studienleiter Lorenz Erdmann vom IZT bergen RFID-Tags im Abfall ohne durchdachtes Vorsorgekonzept die Gefahr, die Recyclinggüter Glas und Plastik zu verunreinigen.

Probleme lassen sich durch einfache Massnahmen vermeiden
Die Studie bezieht sich auf den «normalen» Haushaltsabfall, also auf Altpapier, Altglas, Kunststoffverpackungen und Restmüll, die in Deutschland jeweils separat entsorgt werden. Um die bestehenden Entsorgungssysteme vor schädlichen Einflüssen durch den Eintrag von RFID-Tags zu schützen, haben die Wissenschaftler sowohl RFID-Hersteller als auch Entsorger in ihre Abschätzungen einbezogen. Dazu Empa-Forscher Lorenz Hilty: «Wenn es gelingt, die Probleme rechtzeitig gemeinsam mit den Herstellern der «Smart Labels» und den Entsorgern anzugehen, lassen sich einfache Lösungsstrategien finden. Beispielsweise wird Schaden beim Glasrecycling schon dadurch vermieden, wenn die Tags nur in die Banderolen der Bierflaschen und Gurkengläser integriert und nicht auf den Glaskörper selbst geklebt werden.» Ähnliches gilt laut Hilty für Kunststoffverpackungen wie PET-Flaschen. Wird hier nur die Banderole «getagt» und im Entsorgungsprozess rechtzeitig von der Flasche abgetrennt, dann werde das Plastikrecycling nicht beeinflusst.

Die Forschenden empfehlen daher, potentielle Probleme vorausschauend in einem Dialog zwischen RFID-Herstellern, Anwendern und Entsorgern zu entschärfen, beispielsweise mit der Vereinigung der deutschen Glasindustrie, Branchenverbänden oder mit den entsprechenden amtlichen Stellen. «Aufgrund der konstruktiven Beteiligung zahlreicher Verbände an der Forschungsarbeit schätzen wir die Chancen für einen solchen Dialog als sehr gut ein», so Studienleiter Erdmann.

Auch Branchenverbände begrüssen, dass das Thema sehr frühzeitig untersucht wurde. So können die RFID-Anbieter sensibilisiert werden, Recyclinganforderungen bereits in der Entwicklung zu berücksichtigen. RFID-Tags können zudem potentiell auch positive Effekte bei der Separation von Stoffströmen haben.

Ähnliche Situation in der Schweiz

In der Schweiz wurde die Frage des Einflusses von RFID-Etiketten auf das Abfallsystem im Zusammenhang mit Gesundheitsfragen vom Bundesamt für Gesundheit BAG untersucht. Bezüglich der stofflichen Auswirkungen zeigte sich ein ganz ähnliches Ergebnis wie in der von der EMPA durchgeführten Studie, die allerdings laut Lorenz Hilty deutlich umfassender ist. Sollte der Schweizer Einzelhandel RFID-Etiketten flächendeckend einführen, so müsste der Dialog zwischen Herstellern und Entsorgern hierzulande erst noch angestossen werden, so Hilty.

Kontakt

Lorenz Hilty, lorenz.hilty [at] empa.ch

 

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