Schutz der Privatheit beim Distanzunterricht

Universität Göttingen entwickelt Lösungen für mobile Avatare für kranke Schulkinder

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Wenn akut oder chronisch kranke Kinder die Schule nicht besuchen können, kann ein mobiler Avatar helfen: Der Roboter sitzt quasi in Vertretung im Unterricht und Überträgt die Inhalte per Livestream zum Kind nach Hause. Ein neues Forschungsprojekt der Universitäten Göttingen, Duisburg-Essen und Bonn sowie der chilli mind GmbH in Kassel entwickelt nun Privatheitsmechanismen für solche Avatare, um den Datenschutz und die Privatheit aller Beteiligten zu gewährleisten. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert das Projekt drei Jahre lang mit insgesamt rund 1,6 Millionen Euro.

Erkrankten Schulkindern per Livestream die Teilnahme am Schulalltag zu ermöglichen ist gerade über einen längeren Zeitraum hinweg entscheidend für ihre soziale Entwicklung. Roboter als Avatare bieten hier vielversprechende Möglichkeiten, allerdings stehen ihrem Potenzial Fragen zur Privatheit entgegen - der Mitschülerinnen und -schüler, der Lehrkräfte oder der erkrankten Kinder selbst. Ob alle Beteiligten den Einsatz eines solchen Avatars akzeptieren, hängt daher maßgeblich von der frühzeitigen Klärung dieser Fragen ab.

Die Forschenden im Projekt PRIVATAR haben sich zum Ziel gesetzt, benutzerfreundliche Lösungen zu entwickeln, um die Privatheit von Schulkindern, Lehrkräften und Eltern beim Einsatz mobiler Roboter zu schützen. -Wir berücksichtigen unterschiedliche Anforderungen an Privatheit und streben eine souveräne Informationskontrolle für alle Beteiligten an-, sagt die Projektleiterin Delphine Reinhardt vom Institut für Informatik der Universität Göttingen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie die Funktion der Roboter mit weniger Daten gewährleistet werden kann, beispielsweise durch eine verringerte Anzahl der verwendeten Sensoren. Im Rahmen des Projekts werden Anforderungen an eine datensparsame Roboter-vermittelte Beteiligung von kranken Kindern am Schulleben erarbeitet und evaluiert.

-Durch die Ausrichtung der Roboter auf Datensparsamkeit ergeben sich weitreichende Anwendungsmöglichkeiten, die über den schulischen Kontext hinausgehen-, so Reinhardt. -Unsere Ergebnisse tragen somit entscheidend zur Entwicklung datensparsamer Roboter für verschiedene Bereiche des Lebens bei.- Das BMBF fördert das Projekt -Privatheitsfreundlicher mobiler Avatar für kranke Schulkinder- (PRIVATAR) über seine Plattform -Privatheit-. Ziel der Plattform ist es, die durch die Digitalisierung verursachten gesellschaftlichen Probleme zu analysieren und zu verstehen, um alternative Entwicklungsansätze aufzuzeigen, die die Privatheit und sichere Datennutzung sicherstellen und die Grundrechte von Bürgerinnen und Bürgern schützen. Weitere Informationen über das Projekt sind unter https://uni-goettingen.de/de/6­80911.html zu finden.