’Mehr Gewalt in häuslicher Quarantäne’

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Janina Steinert und Heidi Stöckl haben häusliche Gewalt während der Pandemie unt

Janina Steinert und Heidi Stöckl haben häusliche Gewalt während der Pandemie untersucht. Bild: ediundsepp

Interview mit Janina Steinert zur Covid-19 Lecture am 19. Mai

Vor einem Jahr hat Prof. Janina Steinert die erste große repräsentative Umfrage zu häuslicher Gewalt in Deutschland während der Corona-Pandemie vorgestellt. Welche Risikofaktoren durch die Lockdowns begünstigt werden und welche Entwicklungen sie seitdem beobachten konnte, erklärt die Professorin für Global Health zusammen mit Heidi Stöckl von der London School of Hygiene and Tropical Medicine bei den Covid-19 Lectures am 19. Mai. Im Interview gibt sie einen ersten Einblick.

Ob und wie stark die Zahl der Opfer häuslicher Gewalt während der Pandemie gestiegen ist, lässt sich mangels geeigneter Vergleichszahlen nicht exakt ermitteln. Aber Sie konnten feststellen, dass die Umstände der Pandemie das Risiko erhöht haben.

Wir haben während des ersten Lockdowns im Frühjahr vergangenen Jahres mit einer repräsentativen Befragung mehrere Risikofaktoren untersucht. Die Zahl der Frauen und Kinder, die zu Hause Opfer körperlicher Gewalt wurden, war größer, wenn sich die Frauen in häuslicher Quarantäne befanden. Auch wenn einer der Partner aufgrund der Pandemie in Kurzarbeit war oder den Arbeitsplatz verloren hatte, gab es mehr körperliche Auseinandersetzungen als in anderen Familien im selben Zeitraum. Ein großer Stressund damit Risikofaktor war zudem die Betreuung kleiner Kinder. Dass die Gewalt teilweise extremer ausfiel als vor der Pandemie, haben uns Mitarbeiterinnen von Hilfsangeboten berichtet.

In den folgenden Monaten haben Sie die Zahl der Nutzerinnen solcher Hilfsangebote, also etwa Telefonhotlines und Frauenhäuser, erhoben. Wie war die Entwicklung?

Die Auswertung läuft noch, aber wir können eine vorläufige, grobe Größenordnung nennen: Im Zeitraum von April bis September 2020 gab es pro Monat durchschnittlich rund 30 Prozent mehr Anrufe bei den telefonischen Angeboten, also etwa dem Hilfetelefon -Gewalt gegen Frauen- und der Telefonseelsorge, als im März. Bei den stationären Angeboten, also Frauenhäusern und Beratungsstellen, sank die Zahl der Hilfesuchenden zunächst, um dann nach den ersten Lockerungen der Pandemie-Maßnahmen ebenfalls zu steigen. Das lässt sich damit erklären, dass es im strengen ersten Lockdown für viele Frauen zunächst schwierig war, solche Einrichtungen aufzusuchen.

In Ihrer ersten Studie haben Sie empfohlen, den Zugang zu Hilfsangeboten zu erleichtern. Ist das geschehen?

Ja, in Deutschland und in einigen anderen Ländern wurden die Möglichkeiten ausgebaut, sich online und per Chat an Hilfseinrichtungen zu wenden - denn wer zu Hause in Quarantäne ist, kann womöglich nicht ungehört telefonieren. Auch Codewörter, die Betroffene in Apotheken nennen können, sodass diese dann die Behörden verständigen, wurden bekannter gemacht. In manchen Ländern gilt das sogar für Supermärkte und Pizzaservices. Insgesamt hat die Sichtbarkeit des Themas zugenommen, sodass wir hoffen können, dass häusliche Gewalt ein wenig mehr entstigmatisiert wurde.

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