Johanna Stachel für wissenschaftliches Lebenswerk geehrt

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In Anerkennung ihrer besonderen Verdienste um die deutsche Wissenschaft ist die

In Anerkennung ihrer besonderen Verdienste um die deutsche Wissenschaft ist die Heidelberger Physikerin Johanna Stachel (rechts) mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Die Überreichung erfolgte am 3. Dezember 2021 durch die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (links). | © Rothe

Heidelberger Physikerin erhält Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

In Anerkennung ihrer besonderen Verdienste um die deutsche Wissenschaft ist Johanna Stachel, Physikern an der Ruperto Carola, mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Auf Vorschlag des baden-württembergischen Ministerpräsidenten würdigt der Bundespräsident damit das Lebenswerk der Kernund Teilchenphysikerin. Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, Überreichte den Orden am 3. Dezember 2021 im Rahmen des Physikalischen Kolloquiums an der Universität Heidelberg. Mit dem Verdienstkreuz am Bande war Prof. Stachel bereits 1999 geehrt worden.

,,In einer Situation, in der faktenbasierte, wissenschaftliche Erkenntnisse wichtiger denn je sind für die Bewältigung der anstehenden Aufgaben, bedürfen wir ganz besonders des gesellschaftlichen Engagements von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern", sagte Theresia Bauer anlässlich der Überreichung des Ordens. Mit mehr als 600 Publikationen und vielen weiteren fachlichen Beiträgen habe Johanna Stachel die Sichtbarkeit der großen Fakultät für Physik und Astronomie der Universität Heidelberg gemehrt, so die Ministerin, die Prof. Stachel zugleich als ,,inspirierende wissenschaftliche Lehrerin" würdigte. Johanna Stachel lebe auch vor, was Frauen in den Naturwissenschaften auf Spitzenniveau leisten, und baue mit ihrer Arbeit ,,dauerhafte Brücken für internationale Kooperationen, auch jenseits projektbezogener wissenschaftlicher Zusammenarbeit", sagte Theresia Bauer.

Als eine international ausgewiesene Expertin auf dem Gebiet der Kernund Teilchenphysik ist Prof. Stachel am europäischen Forschungszentrum CERN in Genf (Schweiz) maßgeblich an den Experimenten mit dem Large Hadron Collider (LHC) im Rahmen der ALICE-Kollaboration beteiligt. Ihr spezielles Interesse gilt dem sogenannten Quark-Gluon Plasma, einem Urzustand von Materie, der heute nur mithilfe von Teilchenbeschleunigern wie dem LHC erzeugt werden kann. Als Leiterin des Projektes ,,ALICE Transition Radiation Detector" untersucht sie, wie sich der Materiezustand aus freien Quarks und Gluonen verhält. Insbesondere haben ihre phänomenologischen Arbeiten entscheidend dazu beigetragen, die Phasengrenze zwischen normaler Materie und dem Quark-Gluon Plasma anhand experimenteller Daten zu bestimmen. Hier arbeitet sie eng mit Peter Braun-Munzinger vom GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt sowie zwei Kollegen an den Universitäten Münster und Breslau (Polen) zusammen.

Johanna Stachel studierte Physik und Chemie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (Schweiz) und an der Universität Mainz, an der sie 1982 auch promoviert wurde. Im Anschluss daran war sie dreizehn Jahre als Professorin in den USA an der State University of New York at Stony Brook tätig, ehe sie 1996 auf eine Professur für Experimentalphysik an die Universität Heidelberg berufen wurde. Seit 1996 forscht Prof. Stachel am CERN, seit 2000 als Projektleiterin und Mitglied im Management Board des ALICE-Projekts.

Die Physikerin ist Mitglied in verschiedenen hochrangigen wissenschaftlichen Akademien und Gesellschaften und engagiert sich auch in vielfältiger Weise in Einrichtungen der Wissenschaftsförderung. Als Gutachterin und Beraterin war Prof. Stachel unter anderem für das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie für verschiedene nationale und internationale wissenschaftliche Gesellschaften und Forschungseinrichtungen tätig. Von 2012 bis 2014 stand sie - als erste Frau im Präsidentenamt - an der Spitze der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG), gefolgt von einer zweijährigen Amtszeit als Vizepräsidentin.

Johanna Stachels wissenschaftliche Arbeiten wurden unter anderem mit dem Lise-Meitner-Preis der Europäischen Physikalischen Gesellschaft und zuletzt mit der Stern-Gerlach-Medaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft gewürdigt - der höchsten Auszeichnung, die die DPG auf dem Gebiet der experimentellen Physik vergibt. Zudem erhielt sie 2001 den zum ersten Mal vergebenen Lautenschläger-Forschungspreis, mit dem besondere Leistungen in der Spitzenforschung ausgezeichnet werden.


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