Gewässerökologen schlagen Alarm: Der Klimawandel schädigt unsere Gewässer

Stark veralgter Gewässergrund (Nister im Westerwald, April 2020) Foto: Carola Wi

Stark veralgter Gewässergrund (Nister im Westerwald, April 2020) Foto: Carola Winkelmann

In einer Erklärung von mehr als 100 Fachgesellschaften weltweit fordern Gewässerökologen zum sofortigen Handeln zur Eindämmung des Klimawandels auf. Auch in Rheinland-Pfalz müssen Strategien zum Umgang mit klimawandelbedingten zusätzlichen Gewässerbelastungen entwickelt werden. Hier leisten die Wissenschaftler des neuen Wasser-Schwerpunktes an der Universität Koblenz-Landau bereits wichtige Arbeit.

In ihrer gemeinsamen Erklärung kommen die Gewässerexperten weltweit zu dem Schluss, dass es Zeit sei anzuerkennen, dass Maßnahmen gegen den Klimawandel dringend notwendig seien. ,,Ein Aufschub der Maßnahmen zur Kontrolle der Treibhausgasemissionen ist keine Option, wenn die Menschheit die Wasser-Ressourcen und eine sichere Umwelt auf der Erde erhalten möchte", so die Forscher in ihrem Statement.

In seiner jährlichen Studie zur Bewertung globaler Risiken stufte das Weltwirtschaftsforum in diesem Jahr erstmals die Auswirkungen des ,,Versagens im Kampf gegen den Klimawandel", sowie die Folgen des ,,Verlusts der Biodiversität" und der ,,Wasserkrise" unter die Top 5-Risiken des nächsten Jahrzehnts ein. Flüsse und Seen gehören somit zu den am stärksten bedrohten Ökosystemen auf der Welt und sind vom Klimawandel in besonderer Schärfe betroffen. Nur durch ein entschiedenes Handeln kann die zunehmende Schädigung der Gewässer und der Gewässerorganismen eingedämmt und damit auch in Zukunft die Nutzung der sogenannten Ökosystemdienstleistungen der Gewässer für uns Menschen sichergestellt werden, so die Wissenschaftler in ihrer Erklärung.  

Eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien zeigt deutlich, dass sich extreme Hochund Niedrigwasserereignisse in Zukunft häufen werden. Auch eine Zunahme schädlicher Algenblüten ist zu erwarten und die zeitliche Verschiebung bestimmter Ereignisse wie zum Beispiel Frühjahrshochwässern kann die Vermehrung verschiedener Fische stark einschränken. ,,Im nördlichen Rheinland-Pfalz können solche Ereignisse bereits beobachtet werden." sagt Carola Winkelmann, eine Wissenschaftlerin des gerade im Aufbau befindlichen Wasser-Schwerpunktes an der Universität Koblenz-Landau. ,,Wir sehen zum Beispiel verstärkte Blaualgenblüten in der unteren Mosel, zuletzt in diesem Spätsommer, und eine starke Veralgung der Gewässerbetten in den Flüssen des Westerwaldes." Außerdem können extrem niedrige Wasserstände zu Fischsterben führen, da die Einleitungen aus den Kläranlagen nicht mehr ausreichend verdünnt werden, erklärt sie weiter.

Was ist also zu tun? Die Experten sehen in ihrer Erklärung neben einer drastischen und schnellen globalen Reduktion der Treibhausgasemissionen auch einen lokalen Handlungsspielraum. Mit einem besseren Verständnis potenzieller Auswirkungen des Klimawandels können robuste Anpassungsmaßnahmen entwickelt und die Gewässer von anderen Umweltstressoren, wie zum Beispiel Nährstoffeinträgen entlastet werden. ,,In diesen Bereichen wird in Zukunft an der Universität Koblenz-Landau verstärkt geforscht werden," erklärt Wolfgang Imhof, Dekan des Fachbereiches Mathematik und Naturwissenschaften. ,,Momentan planen wir verschiedene interdisziplinäre Forschungsprojekte, die vor Ort die Situation bewerten und Handlungsoptionen aufzeigen sollen".

Die Erklärung der über 100 Fachgesellschaften für Wasserforschung weltweit zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Gewässer findet sich auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Limnologie e.V. unter www.dgl-ev.de.
well well-sm" abgelegt unter: Meldung FB 3 , IFIN Meldung , Pressemeldung Öffentlichkeitsarbeit , Meldung Campus Koblenz , Biologie Meldung

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