’Eine stabile Allianz ist auch im Interesse der USA’: 75 Jahre NATO

75 Jahre NATO: Podcast mit Politikwissenschaftler Sven Gareis über die Geschichte und Herausforderungen

Sven Bernhard Gareis spricht im Podcast über die NATO, die am 4. April ihren 75.
Sven Bernhard Gareis spricht im Podcast über die NATO, die am 4. April ihren 75. Jahrestag feiert. © privat
Der Politikwissenschaftler Sven Bernhard Gareis von der Universität Münster plädiert mit Blick auf die anhaltenden Diskussionen über die Finanzierung der NATO für ein selbstbewussteres Auftreten der Europäer im Umgang mit dem größte Geldgeber des Bündnisses, den USA. Zuletzt hatte der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump immer wieder darauf hingewiesen, dass es für ihn nicht akzeptabel sei, dass mehrere Mitgliedsstaaten seiner Einschätzung nach nicht ausreichend in die Ausstattunfg der Allianz investierten. Die Mitgliedsstaaten müssten den Vereinigten Staaten deutlich machen, dass ein intaktes Bündnis auch im Interesse der Amerikaner sei - unabhängig von konkreten Investitionssummen und vom Ausgang der US-Präsidentschaftswahl in diesem Jahr. "Die USA sind auf ein starkes Europa angewiesen, um ihre Macht gegenüber dem Rest der Welt zu wahren. Gleichwohl müssen die europäischen Mitgliedsstaaten mehr Geld in ihre eigene Sicherheit investieren", betont Sven Gareis, der viele Jahre im Brüssel NATO-Hauptquartier gearbeitet hat. In der neuen Folge des "Umdenken"-Podcasts der Universität Münster zum 75. Jahrestag der "North Atlantic Treaty Organization" (NATO) bilanziert der Politikwissenschaftler die vergangenen Jahrzehnte des Bündnisses und spricht über dessen Rolle im Russland-Ukraine-Krieg sowie die Herausforderungen in den kommenden Jahren.

Die jüngsten Aufnahmeverhandlungen mit Finnland und Schweden, die lange am Widerstand der Türkei und Ungarns zu scheitern drohten, bewertet Sven Gareis als "deutlich zu aufwendig und langwierig". Fast zwei Jahre dauerte es, bis alle NATO-Staaten dem Beitrittsgesuch zustimmten. Das habe kein gutes Bild abgegeben und sei vor allem deswegen fragwürdig, weil die Mitgliedschaft der beiden skandinavischen Länder mit Blick auf die aggressive Expansionspolitik Russlands von großem strategischem Vorteil für die NATO insgesamt sei.

Obwohl die deutsche Bundeswehr in einigen Berichten als "nicht einsatzfähig" und "heruntergewirtschaftet" bewertet wird, schätzt der Politikwissenschaftler das Ansehen des deutschen Militärs in der NATO als positiv ein. "Die deutschen Soldaten sind in der Allianz hoch anerkannt. Sie haben eine gute Ausbildung und leisten substantielle Beiträge innerhalb des Bündnisses", betont Sven Gareis. Zudem sei Deutschland nach den USA der zweitgrößte Unterstützer der Ukraine.

Umdenken - der Podcast der Universität Münster Im Podcast der Universität Münster kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen zu Wort. Sie berichten über ihre Forschungsschwerpunkte, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und ihre persönliche Motivation. Alle Folgen sind auf Spotify, Deezer, Apple Podcasts und unter folgendem Link zu hören: https://www.uni­-muenster.­de/kommuni­kation/pod­cast/index.html