Auszeichnung für soziales Design-Projekt

    -     English
Die Produkt-Palette des Online-Shops ’Haftsache’ wurde von Studieren

Die Produkt-Palette des Online-Shops ’Haftsache’ wurde von Studierenden der TUM entworfen. U. Benz / TUM

Von der Laptop-Tasche bis zur Gartenbank - über den Online-Shop ,,Haftsache.de" kann eine breite Palette an Design-Produkten mit besonderer Herkunft bestellt werden. Das gemeinsame Projekt ,,Haftsache" des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz und der TUM soll Inhaftierte bei ihrer Wiedereingliederung unterstützen - und gleichzeitig Studierenden die Möglichkeit geben, unter realen Bedingungen zu lernen.

Mit der Herstellung der Produkte können Strafgefangene sich etwas dazu verdienen. Außerdem erfahren sie durch die handwerkliche Arbeit Wertschätzung und können die Zeit ihrer Haft sinnvoll nutzen. Besonders wichtig sei ihm aber, dass diese Arbeit es den Inhaftierten ermögliche, eine Ausbildung abzuschließen, die nach der Haftstrafe eine gute Grundlage für eine neue Existenz sein könne, sagt Fritz Frenkler. Wer im Online-Shop eine ,,Haftsache" kauft, leistet also einen Beitrag zur erfolgreichen Wiedereingliederung von Strafgefangenen.

,,Haftsache" sei aber auch ein großer Zugewinn für seine Studierenden, sagt Frenkler. Ihre Entwürfe mussten sie auf die Produktionsbedingungen in den Gefängniswerkstätten zuschneiden - und dabei eng mit den Inhaftierten zusammenarbeiten. So kamen sie bereits im Studium in Kontakt mit Themen von gesellschaftlicher Relevanz und konnten unter realen Bedingungen üben, was für das Design von Produkten wichtig ist. Darüber hinaus eigneten sich die Studierenden wichtiges Grundwissen über Wirtschaft und Recht an, welches sie später im Beruf dringend benötigen: Da ihre Produkte produziert und im Online-Shop vertrieben werden, mussten sie sich beispielsweise mit dem Abschluss von Lizenzverträgen beschäftigen.

Gestalterisch hatten die Studierenden viel Freiheit, die einzigen Vorgaben: Die Produkte müssen sich unter realen Bedingungen verkaufen lassen und aus möglichst natürlichen Materialien bestehen.

Mit dieser Idee setzte ,,Haftsache" sich beim diesjährigen Wettbewerb des Münchner Instituts für Universal Design gegen mehr als 70 Konkurrenten durch: Die eigens geschaffene Marke ,,Haftsache" überzeugte sowohl eine Fachjury als auch eine 90-köpfige Konsumentengruppe. Mit den beiden Awards UNIVERSAL DESIGN EXPERT 2019 und UNIVERSAL DESIGN CONSUMER 2019 werden die generationsübergreifende, breite, einfache und intuitive Nutzbarkeit der Produkte ausgezeichnet. Dass allein 2017 rund 5.000 Design-Objekte über den Online-Shop bestellt wurden, zeigt, dass Frenklers Design auch unter realen Marktbedingungen überzeugen kann. Stellvertretend für die Gestalterinnen und Gestalter und aller weiteren am Projekt Beteiligten nahm der Bayerische Staatsminister der Justiz Georg Eisenreich die Auszeichnung bei einer feierlichen Preisverleihung im Vorhoelzer Forum der TUM entgegen.

Prof. Fritz Frenkler
Technische Universität München
Lehrstuhl für Industrial Design
Tel.: +49 (89) 289 - 28695
fritz.frenkler (at)tum.de

Hannes Gumpp
Technische Universität München
Lehrstuhl für Industrial Design
Tel.: +49 (89) 289 - 28698
hannes.gumpp (at)tum.de


Diese Website verwendet Cookies und Analysetools, um die Benutzerfreundlichkeit der Website zu verbessern. Weitere informationen. |