Auszeichnung für biomedizinische Forschung vergeben

Auszeichnung für biomedizinische Forschung vergeben

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Zwei herausragende junge Wissenschaftler der Universität Heidelberg - die Neurobiologin Dr. Ana Oliveira und der Biochemiker Dr. Stefan Pfeffer - sind von der Chica und Heinz Schaller Stiftung ausgezeichnet worden: Sie haben den nach den Stiftern benannten Förderpreis für biomedizinische Forschung erhalten. Damit verbunden sind Mittel für ihre Forschung in Höhe von jeweils 100.000 Euro. Dr. Oliveira, die am Interdisziplinären Zentrum für Neurowissenschaften forscht, erhielt die Auszeichnung für ihre grundlegenden Arbeiten zu epigenetischen Mechanismen bei Lernund Gedächtnisprozessen. Dr. Pfeffer ist Mitglied des Zentrums für Molekulare Biologie. Mit der Vergabe des Preises würdigt die Stiftung seine wegweisenden Untersuchungen zur Funktion von Ribosomen und zu Prozessen der Proteinsynthese mittels Kryo-Elektronentomographie. 

Preisträgerin Ana Oliveira befasst sich mit der Kopplung von Umweltreizen und neuronalen Modifikationen, die der Gedächtnisbildung ebenso wie dem altersabhängigen kognitiven Verfall zugrunde liegen. In diesem Zusammenhang geht die Wissenschaftlerin der Frage nach, welche Rolle epigenetische Prozesse spielen - die Faktoren, die die Aktivität eines Gens und damit die Funktion der Zelle, hier der Nervenzelle, zeitweilig festlegen. Ihre Arbeiten liefern grundlegende Erkenntnisse über die Genregulation innerhalb neuronaler Netzwerke und deren Funktion bei der Aufrechterhaltung unterschiedlicher Erinnerungen.

Ana Oliveira studierte Biochemie an der Universität Coimbra (Portugal), an der sie 2008 in Kooperation mit der University of Pennsylvania (USA) auf dem Gebiet der Zellbiologie promoviert wurde. Anschließend forschte sie als Postdoktorandin am Institut für Neurobiologie der Universität Heidelberg. Seit 2014 leitet Dr. Oliveira am Interdisziplinären Zentrum für Neurowissenschaften (IZN) eine im Rahmen des Emmy-Noether-Programms der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Nachwuchsforschergruppe. Für ihre Forschungsarbeiten wurde Dr. Oliveira 2013 mit dem ,,Feature Article Prize" der Portuguese Society for Neuroscience und dem ,,Young Investigator Award" der European Brain and Behavior Society ausgezeichnet.

Dr. Pfeffer nutzt in seinen wissenschaftlichen Arbeiten moderne Methoden der Kryo-Elektronenmikroskopie, um die strukturellen Grundlagen wichtiger molekularer Prozesse mithilfe direkter Abbildungen aufzuklären. Im Fokus stehen hierbei vor allem Ribosomen-assoziierte Vorgänge, die für die Proteinbiosynthese in den Zellen erforderlich sind. Ziel ist es unter anderem zu verstehen, wie molekulare Chaperone - sogenannte Faltungshelfer - und Enzyme die korrekte Faltung und Reifung von Proteinen während ihrer Synthese fördern und auf welche Weise diese Prozesse auf der Oberfläche des Ribosoms koordiniert werden. Dr. Pfeffers Forschung liefert Daten, die zu einem besseren Verständnis pathologischer zellulärer Prozesse führen können, beispielsweise der Proteinaggregation, wie sie im Rahmen neurodegenerativer Erkrankungen auftritt. 

Nach seinem Studium der Biochemie an der Universität Tübingen wechselte Stefan Pfeffer an das Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried, an dem er für seine Dissertation forschte und 2013 mit dem Nachwuchsförderpreis des Instituts ausgezeichnet wurde. 2015 folgte die Promotion an der Technischen Universität München auf dem Gebiet der Chemie. Nach einer Postdoktorandenphase in Martinsried wechselte der Wissenschaftler 2018 an das Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg (ZMBH), an dem er eine Nachwuchsforschergruppe leitet. In diesem Jahr erhielt Dr. Pfeffer den ,,Life Sciences Bridge Award", den die gemeinnützige Aventis Foundation für innovative Forschungsansätze im Bereich Lebenswissenschaften vergibt.

Die von den Wissenschaftlern Chica Schaller und Heinz Schaller gegründete Stiftung fördert seit 2000 die biomedizinische Grundlagenforschung in Heidelberg. Dazu gehört insbesondere die Einrichtung und Finanzierung der ,,Schaller Forschergruppen", die an der Universität Heidelberg und dem Deutschen Krebsforschungszentrum arbeiten. Zu den wesentlichen Förderinstrumenten zählt auch der nach den beiden Stiftern benannte Forschungspreis, der seit 2005 jährlich an herausragende junge Heidelberger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben wird. 

Die Preisverleihung fand 4. Dezember 2020 aufgrund der Corona-Bestimmungen als Online-Veranstaltung statt. Zwei Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats der Chica und Heinz Schaller Stiftung würdigten die Arbeit der beiden Preisträger. Klaus-Armin Nave, Direktor am Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin in Göttingen, hielt die Laudatio auf Dr. Oliveira. Laudatorin für Dr. Pfeffer war Frauke Melchior, Mitglied des ZMBH-Direktoriums. 


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