Seltener Nachweis zweier Protoplaneten

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Diese Aufnahmen, die mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte
Diese Aufnahmen, die mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte, ESO, entstanden sind, zeigen ein entstehendes Planetensystem um den jungen Stern Wispit 2. Der Stern ist von einer Scheibe aus Gas und Staub umgeben - dem Rohmaterial, aus dem Planeten entstehen und wachsen. Im Jahr 2025 entdeckte ein Forschungsteam einen jungen Planeten namens Wispit 2b, der eine Lücke in der Scheibe um den Stern herum bildete. Nun hat dasselbe Team die Existenz eines zweiten Planeten, Wispit 2c, bestätigt, der noch näher am Stern kreist, wie in der Einblendung zu sehen ist. © ESO/C. Lawlor, R. F. van Capelleveen et al.
  • In diesem sehr seltenen Fall wurden zwei Protoplaneten im jungen Sternsystem WISPIT 2 nachgewiesen - Planeten, die sich im Prozess ihrer Entstehung befinden. Die Entdeckung zweier Planeten-Embryos um einen Stern gelang unter mehr als 6000 Exoplaneten bisher erst in einem weiteren System: PDS-70.
  • Mit dem verbesserten Gravity+-Instrument am Very Large Telescope Interferometer der Europäischen Südsternwarte gelang der Nachweis eines bisher versteckten Planeten nahe des hellen Muttersterns.
  • Das System bietet neue Einblicke in die parallele Entwicklung von Planeten in frühen Entwicklungsphasen.

Das am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik entwickelte Gravity-Instrument des Very Large Telescope Interferometers der Europäischen Südsternwarte in Chile hat zwei sich gerade bildende Exoplaneten beobachtet, die sich noch im Entstehungsprozess um den jungen Stern Wispit 2 befinden. Dieser außergewöhnliche Fund gewährt einen seltenen Einblick in die frühen Stadien der Planetenentstehung - sozusagen in die Geburtsstunde neuer Welten. Diese neuen Gravity+-Beobachtungen liefern den ersten eindeutigen Beweis für einen zweiten jungen Protoplaneten im kürzlich entdeckten Wispit-2-System.

Ein junger Stern und zwei entstehende Planeten

Der Stern Wispit 2 ist rund fünf Millionen Jahre alt und damit eine junge Version unserer Sonne. Den Stern umgibt eine Gasund Staubscheibe, in der sich neue Planeten formen. Bereits im August 2025 entdeckten Forschende der Universität Galway, des Leiden Observatory und der University of Arizona dort einen massereichen Gasriesen-Protoplaneten mit etwa der fünffachen Masse des Jupiters. Der Planet Wispit 2b ist 57 Astronomische Einheiten von seinem Stern entfernt, was dem Zehnfachen der Entfernung zwischen Sonne und Jupiter entspricht.

Dies führte zu einer Reihe von Folgebeobachtungen unter der Führung der Universität von Galway, welche nun in dieser neuen Studie zu der Entdeckung eines zweiten Protoplaneten gipfelten: Wispit 2c. Dieser junge Planet ist etwa doppelt so schwer wie Wispit 2b und umkreist seinen Mutterstern in einer Entfernung von etwa 14 Astronomischen Einheiten, viermal näher als Wispit 2b. Obwohl Wispit 2c massereicher und grundsätzlich heller als sein bekannter Bruder ist, konnte er bisher wegen seiner Nähe zum Stern nicht direkt beobachtet werden.

Feine Details dank verbesserter Interferometrie

Die Entdeckung des neuen Babyplaneten gelang dank des Gravity+ Projekts, einer internationalen Zusammenarbeit unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik. Durch ein Upgrade des Very Large Telescope Interferometers der Europäischen Südsternwarte und des Gravity-Instruments erreicht Gravity+ eine beispiellose Empfindlichkeit und Auflösung. Nur dadurch konnten die Forschenden das extrem schwache Licht des Planeten nachweisen - trotz des tausendfach helleren Sterns in unmittelbarer Nachbarschaft.

Der Weg des Lichts innerhalb von GRAVITY+, einem Instrument und einer großen und umfangreichen Erweiterung des Very Large Telescope Interferometer (VLTI) der ESO. Während das Licht von einer kosmischen Quelle zu den einzelnen Teleskopen des VLT und dann in die VLTI-Tunnel gelangt, wo es gebündelt wird, werden von jedem Teleskop Laserstrahlen ausgesendet. Die Laser werden jeweils zur Erzeugung eines künstlichen Sterns verwendet, mit dessen Hilfe Astronomen die durch die Erdatmosphäre verursachte Unschärfe messen und anschließend korrigieren können.

-Wispit 2 ist zu einem einzigartigen Labor für die Erforschung der Planetenentstehung geworden-, erklärt Guillaume Bourdarot, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und Mitglied des Gravity+-Konsortiums. -Durch die Kombination von interferometrischer Präzision und neuer adaptiver Optik konnten wir ein Signal messen, das bisher völlig im Sternenlicht verborgen blieb. Dies ist ein schönes Beispiel dafür, wie die Entwicklung von astronomischen Spitzeninstrumenten zu grundlegenden Entdeckungen führt.-

Eine seltene Zwillingsgeburt im Kosmos

Derartige direkte Beobachtungen von Planeten in ihrer Entstehungsphase sind äußerst selten. Unter Tausenden bekannter Exoplaneten, gab es bislang nur einen einzigen Stern, um den mehrere Protoplaneten nachgewiesen wurden: das PDS-70-System. Wispit 2 ist damit eines der wenigen Systeme, in denen zwei Protoplaneten gleichzeitig bestätigt wurden.

-Zwei Planeten gleichzeitig in einem so frühen Stadium zu finden, ist fast wie eine seltene Zwillingsgeburt mitzuerleben-, sagt Frank Eisenhauer, Direktor der Infrarotgruppe am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und Projektleiter von Gravity+. -Dies zeigt, dass sich Planetensysteme nicht nacheinander, sondern parallel entwickeln - ähnlich wie einst unser eigenes Sonnensystem.-

Ein Tor in die Zukunft: das Extremely Large Telescope

In den kommenden Jahren soll Wispit 2 mit dem Gravity+ Instrument und dem MICADO -Instrument am zukünftigen Extremely Large Telescope weiter untersucht werden, welches aktuell am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik entwickelt und gebaut wird. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hoffen, dadurch noch besser zu verstehen, wie sich Gas, Staub und Schwerkraft zu neuen Planeten vereinen.