Ein neuer Blick auf die Bodengesundheit: Wie gesund ist unser Boden?

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Internationales Wissenschaftsteam mit Beteiligung der Freien Universität Berlin wertet den Stand der Forschung zur ,,Bodengesundheit" aus

Bodenkundlerinnen und Ökologen, darunter der Biologe Matthias Rillig von der Freien Universität Berlin, haben die bisherige Forschung zum Begriff ,Bodengesundheit’ analysiert. Das Thema erscheint nicht nur wissenschaftlich bedeutsam, sondern ist auch von konkreter Relevanz für die Politik. Landwirtschaft, Industrie sowie das Baugewerbe brauchen Gesetze und Richtlinien zur nachhaltigen Bodennutzung. Der Studie zufolge muss dabei sichergestellt werden, dass der Zustand des Bodens als komplexes Ökosystem mehr Berücksichtigung finde. Die Quantifizierung der Bodengesundheit werde immer noch von chemischen Indikatoren dominiert, obwohl das Wissen um die Bedeutung der Biodiversität des Bodens deutlich zugenommen habe. Die Autorinnen und Autoren empfehlen deshalb die Einführung neuer, aussagekräftiger Bodengesundheitsindizes, also die Verwendung verschiedener Indikatoren und Kennzahlen, welche die Bodenfunktionalität zuverlässig messen. Dabei sollen ökologische Faktoren stärker gewichtet werden. Die Studie erschien im renommierten Fachjournal Nature Reviews Earth & Environment (DOI: 10.1038/s43017-020-0080-8 ).

Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten im Rahmen ihrer Forschungsarbeit die Fachliteratur zur ,,Bodengesundheit". Sie verglichen Begriffsdefinitionen, Messverfahren und alternative Konzepte, insbesondere das der ,,Bodenqualität". In ihrer Studie stellen sie heraus, dass der Begriff ,,Bodengesundheit" erst seit etwa zwei Jahrzehnten häufiger Verwendung findet. Die Verknüpfung der beiden Wortbestandteile - ,,Boden" und ,,Gesundheit" - mache dabei deutlich, dass das Erdreich nicht als leblose Materie zu betrachten sei, erklärt Mitautor Matthias Rillig. Es sei vielmehr ein lebendiges System und die Lebensgrundlage für mannigfaltige Organismen. Dieses Ökosystem - dessen Gesundheit - müsse besser geschützt werden.

Die Autorinnen und Autoren konstatieren, dass Böden in der Vergangenheit vor allem in Hinblick auf die Pflanzenproduktion beurteilt wurden, gekennzeichnet durch den Begriff der ,,Bodenqualität". ,,Mittlerweile umfasst das deutlich breitere Konzept der Bodengesundheit auch die Rolle des Bodens für die Wasserqualität, den Klimawandel und die menschliche Gesundheit", ergänzt Rillig.

Im Fachgebiet der Bodenkunde sei das Konzept der Bodengesundheit allerdings relativ umstritten, heißt es in der Studie, da es, auch im Vergleich zu anderen Konzepten wie der ,,Bodenfruchtbarkeit", derzeit nicht klar quantifizierbar sei. Außerhalb des Wissenschaftsdiskurses habe sich der Begriff allerdings bereits etabliert, etwa in der Politik und Landwirtschaft. Die neue Studie könne hier eine Brücke schlagen: ,,Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten die Bodengesundheit als ein übergreifendes Prinzip betrachten, das zu Nachhaltigkeitszielen beiträgt, und nicht nur als eine zu messende Eigenschaft", unterstreicht Rillig. Die Verfasserinnen und Verfasser schlagen deshalb vor, Bodengesundheit, aufgrund seiner großen und wachsenden Bedeutung, als Gemeingut anzuerkennen, und dass die Entwicklung von Standards für die Bodengesundheitsquantifizierung von internationalen Organisationen vorangetrieben werden sollte.


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