Dr. Benjamin Bomfleur über den Fund eines Saurier-Abdrucks in der Antarktis

Das Fundstück: ein 200 Millionen Jahre alter Saurier-Fußabdruck ©   Benjamin Bom

Das Fundstück: ein 200 Millionen Jahre alter Saurier-Fußabdruck © Benjamin Bomfleur

Forscher einer Antarktis-Expedition, darunter der WWU-Paläobontaniker Dr. Benjamin Bomfleur , machten vor rund drei Jahren eine unglaubliche Entdeckung im nördlichen Viktorialand: Sie fanden einen 200 Millionen Jahre alten Saurier-Fußabdruck. Die Wissenschaftler haben ihre Erkenntnisse aus der handgroßen Spur jetzt im Fachmagazin „Polar Research“ veröffentlicht. Norbert Robers sprach mit dem Wissenschaftler vom Institut für Geologie und Paläontologie der WWU über den Fund.

Haben Sie 2015/16 gezielt nach derartigen Spuren gesucht, weil Sie einen entsprechenden Verdacht hatten - oder war es ein buchstäblich unerwarteter Fund?

Auf der damaligen Expedition der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) waren Dr. Thomas Mörs aus Stockholm und ich als "Zwei-Mann-Paläontologie-Team" dabei. Die Zusammensetzung und das Alter der Gesteinsabfolgen in der entlegenen Region, in der sich unser Camp und Arbeitsgebiet befanden, waren praktisch unbekannt. Insofern hatten wir nur eine vage Vorstellung davon, was uns erwarten würde. Aber natürlich sind wir mit einem Quäntchen Hoffnung ins Gelände aufgebrochen, auch Saurierfossilien in diesem Gebiet des transantarktischen Gebirges zu entdecken. Als der Fußabdruck zu Tage kam, war die überraschung dennoch groß. Ironischerweise hat die italienische Tektonikerin Dr. Laura Crispini aus Genova den Fund gemacht - diejenige aus dem Geologie-Team, die mit Fossilien am wenigsten zu tun hat.

Es handelt sich um einen rund 200 Millionen Jahre alten versteinerten Saurier-Fußabdruck. Wie schätzen Sie diese Entdeckung wissenschaftlich ein?

Der Fund ist in mehrerlei Hinsicht ausgesprochen spannend. Funde von Saurierfossilien sind aus der Ostantarktis schon lange bekannt, aber sie stammen fast ausnahmslos von Orten, die mehr als 1000 Kilometer weiter Richtung Südpol liegen. Aus dem gesamten nördlichen Viktorialand hingegen ist bisher kein einziger Fund von Wirbeltierfossilien bekannt. Außerdem stammt unsere Entdeckung aus Gesteinsschichten, die deutlich jünger sind als alle anderen triassischen Funde aus der Antarktis. Somit schließt der neue Fund eine große Lücke - sowohl zeitlich als auch geographisch - in der Fossilüberlieferung von Wirbeltieren aus der Antarktis.

Werden in dieser Region nunmehr weitere Exkursionen folgen, da man vermutet, weitere Funde zu machen?

Hoffentlich ja, und die Chancen stehen gut. Unabhängig von der Paläontologie im Besonderen werden Expeditionen in diese Gegend des transantarktischen Gebirges von der BGR seit 1979 mehr oder minder regelmäßig in Form der "GANOVEX" (German Antarctic North Victoria Land Expedition)-Reihe durchgeführt, um ein breites Spektrum an geologischen und geophysikalischen Forschungsarbeiten zu ermöglichen. Mein Doktorand Jan Unverfärth ist gerade in der vorigen Geländekampagne im Laufe der 13. GANOVEX unter anderem mit Andreas Läufer und Thomas Mörs dort unten gewesen...

...mit ebenfalls solch spektakulären Ergebnissen?

Sie haben jedenfalls an zuvor unbekannten Fundorten reichhaltige Fossilvorkommen gefunden! Meist handelt es sich dabei um Pflanzenfossilien, die uns wichtige Informationen über das Alter der Gesteine und die Umweltbedingungen zu jener Zeit liefern können. Wirbeltierknochen sind leider immer noch nicht dabei gewesen, aber das ist kein Grund, die Hoffnung aufzugeben. Wer weiß - vielleicht finden wir ja eines Tages auch endlich die fossilen überreste der Tiere selbst, die uns den kuriosen Fußabdruck hinterlassen haben.

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