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Zwei neue Humboldt-Stipendiaten forschen an der Universität Leipzig
10 October 2011 - UNI-LEIPZIG
An der Universität Leipzig sind seit kurzem zwei neue Humboldt-Stipendiaten tätig: Bala Venkat Mani aus den USA ist Gast bei Siegfried Lokatis im Bereich Buchwissenschaft am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft. Er forscht zum Thema Weltliteratur in Deutschland. Die chinesische Journalistin Dandan Wang arbeitet bei Stefan Kramer am Ostasiatischen Institut und befasst sich mit deutsch-chinesischen Medienbeziehungen. Beide sind bis Ende August 2012 in Leipzig.
Bala Venkat Mani, Professor für vergleichende Literaturwissenschaft, kam durch ein Humboldt-Forschungsstipendium für erfahrene Wissenschaftler vom Department of German an der University of Wisconsin-Madison, Madison, USA, nach Leipzig. "Diese Stadt ist wirklich ein Zentrum für deutsche Buch- und Verlagsgeschichte. Mich interessiert hier besonders die Geschichte der Deutschen Nationalbibliothek. Wichtig sind für mich auch das Buch- und Schriftmuseum der Nationalbibliothek, verschiedene Sammlungen der Albertina sowie die Bibliotheken der Orientwissenschaft und der Kommunikationswissenschaft", sagt der Experte für deutsche Literatur und Kultur.
Mani schreibt gerade an seinem Buch: "Borrowing Privileges: Bibliomigrancy and the ‘Making' of World Literature in Germany (1800-2010)". Im Mittelpunkt steht dabei die Entstehung und Entwicklung des Goetheschen Begriffes "Weltliteratur". "Mein Buch wird eine Art Kulturgeschichte sein - von physischen Bibliotheken (1800 bis spätes 20. Jahrhundert) zu virtuellen, digitalen Bibliotheken, die in den letzten Jahrzehnten entstanden sind." Außerdem forscht Mani zu den Themen Kosmopolitismus, deutsch-türkischer Literatur, Transnationalismus und Migration.
Sein Gastgeber an der Universität Leipzig ist Siegfried Lokatis im Bereich Buchwissenschaft am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaften. "Insgesamt steht das Thema internationale Kooperation für die Leipziger Buchwissenschaft erst am Anfang. Wir haben in der einstigen Welthauptstadt des Buchhandels für Buchhistoriker und Literaturforscher einmalige Archive, so unter anderem die Deutsche Nationalbibliothek, das Sächsische Staatsarchiv mit über fünfzig Verlagsarchiven, neuerdings in der Albertina das aus Hamburg zurückgekommene Archiv des Felix Meiner-Verlags, auch unser Reclam-Archiv der Buchwissenschaft", sagt Kramer. Durch die Forschungen in seinem Bereich solle das Erbe der Buchstadt wissenschaftlich fruchtbar und auch durch Ausstellungen publik gemacht werden.
Die chinesische Journalistin Dandan Wang ist Gast des Medienwissenschaftlers und Sinologen Stefan Kramer, der eine Professur für Gesellschaft Chinas inne hat. Die Stipendiatin hatte von 2002 bis 2006 an der Pekinger Fremdsprachenuniversität Germanistik studiert. Danach arbeitete sie als Redakteurin im Auslandsressort der Nachrichtenagentur Xinhua in Peking. Im Jahr 2009 kam sie aus beruflichen Gründen nach Deutschland: Im Rahmen des Programms "Medienbotschafter China-Deutschland" der Robert Bosch Stiftung arbeitete sie zwei Monate bei einer Nachrichtenagentur in Hamburg. "Durch meine Arbeit als Journalistin in beiden Ländern habe ich viel über die Medienkontroverse zwischen Deutschland und China erfahren", berichtet Dandan Wang. "Deshalb beschäftige ich mich intensiv mit den deutsch-chinesischen Medienbeziehungen, seit August 2011 auch als Bundeskanzler-Stipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung", erklärt die Humboldt-Stipendiatin weiter. Sie werde mit dem Stipendium ein Projekt realisieren, das sich mit der Berichterstattung deutscher Medien zur Frankfurter Buchmesse mit dem Gastland China beschäftigt.
"Wir bemühen uns, regelmäßig hochkarätige Gäste an unser Institut zu holen", sagt Kramer. "Beispielsweise war neben einer Reihe Doktorandinnen, die mit einem Elitestipendium der Regierung der VR China bei uns in Leipzig sind und nach ihrer Rückkehr ebenfalls in führende Positionen gehen werden, Yu Xiaoyong von der Beijing Normal University bei uns, der zu den führenden Kalligraphie-Spezialisten in China gehört", erklärt er. Zudem veranstalte sein Institut im Oktober im Rahmen eines Partnerschaftsabkommens mit der Fudan Universität Shanghai einen Workshop mit führenden Vertretern der chinesischen ästhetik.
Die Alexander von Humboldt-Stiftung fördert Wissenschaftskooperationen zwischen exzellenten ausländischen und deutschen Forscherinnen und Forschern. Sie vergibt Forschungsstipendien und Forschungspreise, mit denen Wissenschaftler aus dem Ausland nach Deutschland kommen, um ein selbst gewähltes Forschungsprojekt mit einem Gastgeber und Kooperationspartner zu realisieren. Mit den Humboldt-Stipendien werden sechs- bis 18-monatige Forschungsaufenthalte hochqualifizierter Wissenschaftler aus dem Ausland an einer Einrichtung in Deutschland gefördert. Wissenschaftler aus Deutschland können als Stipendiat der Stiftung ein Forschungsprojekt als Gast bei einem von weltweit mehr als 25.000 Humboldtianern, den Alumni der Stiftung, verwirklichen. Dem Netzwerk der Humboldt-Stiftung gehören Wissenschaftler aus über 130 Ländern an - unter ihnen 47 Nobelpreisträger.
Marlis Heinz
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