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Wundts wissenschaftlicher Briefwechsel erstmals online einsehbar
7 September 2011 - UNI-LEIPZIG
Wissenschaftler des Instituts für Psychologie der Universität Leipzig haben erstmals eine Edition des wissenschaftlichen Briefwechsels von Wilhelm Maximilian Wundt (1832 bis 1920) erstellt. Wundt, der 1879 in Leipzig das weltweit erste Institut für experimentelle Psychologie gegründet hat, zählt zu den großen Gelehrten seiner Epoche. Die Edition seines wissenschaftlichen Briefwechsels wurde von einer Arbeitsgruppe unter der wissenschaftlichen Leitung von Maximilian Wontorra in einem dreijährigen Forschungsprojekt umgesetzt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert wurde. Ab sofort ist sie im Internet unter unter der Adresse http://www.uni-leipzig.de/~wundtbriefe/ einsehbar.
Die Hauptwerke Wundts sind unter anderem deshalb mittlerweile gut zugänglich, weil sie von Forschern des Instituts für Psychologie in mehrfacher Auflage zunächst auf CD-ROM, dann online neben vielem anderen Material zur Leipziger Psychologiegeschichte zur Verfügung gestellt wurden (siehe http://www.uni-leipzig.de/~psycho/wundt/). Was für eine umfassende Würdigung aber noch ausstand und als ein wissenschaftsgeschichtliches Desiderat immer wieder eingefordert wurde, war eine Edition des Briefwechsels.
Der wissenschaftliche Nachlass Wundts, der dem Institut für Psychologie und der Universität von seinen Erben als Schenkung zur Verfügung gestellt wurde, steht ab sofort für die psychologiehistorische Forschung und für die interessierte öffentlichkeit in großen Teilen online zur Verfügung. Diese erste Edition soll in den kommenden Jahren noch komplettiert werden. Bislang sind etwas mehr als 1200 Briefe seines wissenschaftlichen Nachlasses digitalisiert, etwa 300 davon transkribiert, sowie chronologisch und exemplarisch nach Adressaten und strukturell nach angesprochenen Themen klassifiziert. "Wundts Handschrift ist schwer lesbar", erklärte Erich Schröger vom Institut für Psychologie eine Schwierigkeit bei der Forschungsarbeit an dem Projekt. "Wir konnten auf sehr guten Vorarbeiten des Instituts und des Universitätsarchivs aufbauen", sagte Wontorra. Einen großen Teil der Transkriptionen und der Erstellung der Regesten habe Wontorra jedoch auch selbst übernommen.
Die Edition enthält unter anderem einen Brief an den Wiener Philosophen und Pädagogen Wilhelm Jerusalem (1854 bis 1923) vom 16. Februar 1892, in dem Wundt die Entwicklungsgeschichte des Leipziger Instituts in knappen Worten und damit eher atypisch für seinen ansonsten meist wortreichen Stil wiedergibt. Dennoch zeigt der Brief den rapiden Aufstieg des Leipziger Instituts unter Wundts ägide. Der Gelehrte betreute in seiner Leipziger Zeit mehr als 160 Dissertationen erstgutachterlich. Viele seiner zahlreichen ausländischen Promovenden und Mitarbeiter gründeten in ihren Heimatländern eigene psychologische Institute.
In einem weiteren Brief unterbreitete Wundts erster Volontärassistent und Promovend James McKeen Cattell (1860 bis 1944; erster Professor für Psychologie in den USA an der University of Pennsylvania in Philadelphia) ihm das Angebot, im nächsten akademischen Jahr sechs bis acht Vorlesungen an der Columbia University zu halten. Der Psychologe Cattell war unter anderem Herausgeber des renommierten Wissenschaftsjournals "Science".
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