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Weiterer millionenschwerer ERC-Grant für LMU-Wissenschaftler
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Der LMU-Professor Jonathan Harrington (Institut für Phonetik und Sprachverarbeitung) erhält vom Europäischen Forschungsrat (ERC) einen Advanced Investigator Grant. Nachdem bereits drei LMU-Naturwissenschaftler 2011 erfolgreich einen ERC-Grant einwerben konnten, wird mit Harrington nun auch ein Geisteswissenschaftler ausgezeichnet. ERC Advanced Grants sind mit bis zu 2,5 Millionen Euro dotierte Auszeichnungen für europäische Forscher, die bereits herausragende Leistungen erbracht haben und für neue hoch innovative Forschungsvorhaben die nötigen Freiheiten erhalten sollen.
Zum Projekt von Jonathan Harrington
Sprache ist kein unveränderliches Konstrukt, sondern sie entwickelt sich: Lautwandel, die wahrscheinlich auf Variationen und der Art der Sprachverarbeitung in verschiedenen Kontexten beruhen, sind in allen Sprachen weit verbreitet. Harrington untersucht in seinem Projekt die Ursachen dieses Lautwandels. Dazu verfolgt er einen neuen Ansatz, in dem die Verbindung zwischen der Sprachevolution und dem Spracherwerb bei Kindern hergestellt werden soll. Kinder sind während der relativ langen Phase des Spracherwerbs besonders anfällig für Missverständnisse. Im Mittelpunkt der Studie stehen die Analyse der Sprachlaute und insbesondere die Frage, wie die Übertragung von Sprachlauten zwischen einem Sprecher und einem Hörer längerfristig Lautwandel zur Folge haben kann. Die empirische Basis des Projekts bilden Laboruntersuchungen, bei denen etwa die Bewegung und die Koordination des Sprechapparats per Ultraschall untersucht werden - und zwar bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die so unterschiedliche Sprachen wie Deutsch, Mandarin-Chinesisch und Polnisch sprechen. Ergänzt werden die Messungen durch verschiedene Analysen der Sprachwahrnehmung. Mit diesen Daten soll festgestellt werden, inwiefern die Beziehung zwischen Produktion und Perzeption der Sprache bei Kindern von vorneherein instabiler ist und eher Zweideutigkeiten aufweist als bei Erwachsenen. Hauptziel des Projekts ist es, allgemeine Gesetze zu entwickeln, um die alltägliche sprachliche Kommunikation mit Lautwandel zu verbinden - resultieren könnte ein besseres Modell, wie symbolische und zeitliche Aspekte des Sprechens verknüpft sind. ,,Mit einem Durchbruch auf diesem Gebiet könnten auch technische Entwicklungen wesentlich vorangetrieben werden - etwa um die automatische Spracherkennung durch Computer zu verbessern", sagt Harrington. Gleichzeitig erhofft sich der Sprachforscher Aufschluss darüber, weshalb gewisse Laute und Lautkombinationen in den Sprachen der Welt typologisch selten sind.
Professor Jonathan Harrington studierte Phonetik und Linguistik an der Universität Cambridge (Großbritannien), wo er 1986 im Fach Linguistik auch promovierte. Nach Stationen an der Universität Edinburgh (Großbritannien) und der Macquarie Universität, Sydney (Australien) übernahm Harrington 2002 eine Professur für Phonetik und digitale Sprachverarbeitung an der Universität Kiel. Im Oktober 2006 folgte er einem Ruf an die LMU und übernahm auch hier eine Professor für Phonetik und digitale Sprachverarbeitung. Harrington ist Direktor des Instituts für Phonetik und sprachliche Kommunikation der LMU und beschäftigt sich vor allem mit experimenteller Phonetik und Laborphonologie, der Entwicklung von Sprachdatenbanken und Lautwandel.
Der ERC Advanced Investigator Grant
Der ERC fördert mit dem Advanced Investigator Grant hochinnovative Forschung, die erheblich über den bisherigen Forschungsstand hinausgeht und neue Forschungsgebiete erschließt. Alleinige Auswahlkriterien in der Begutachtung sind einerseits die erwiesene herausragende wissenschaftliche Exzellenz der Antragsteller sowie die Originalität und Stimmigkeit der Projektvorschläge.
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