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Vogelbestände erneut von Rückgang bedroht
Münstersche Landschaftsökologen untersuchen die Folgen des Wandels der Landwirtschaft in den Steppen Kasachstans
Den landwirtschaftlich einst intensiv genutzten Weiten der Federgrassteppe Kasachstans droht nach einer positiven Entwicklung der Artenvielfalt in den beiden vergangenen Jahrzehnten ein erneuter Rückgang der dort vorkommenden Vogelgemeinschaften. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler um Norbert Hölzel und Johannes Kamp vom Institut für Landschaftsökologie der Universität Münster. Die Wissenschaftler haben erstmalig großflächig die Populationsdichten verschiedener Steppenvögel in Abhängigkeit von der Nutzung der Landflächen und der Vegetation im Norden Kasachstans untersucht. Aus den Daten haben sie Voraussagen für die zukünftige Entwicklung getroffen.
Während der Chruschtschow-Ära wurden zwischen 1954 und 1960 in Nordkasachstan rund 25 Millionen Hektar Steppe in Weizenfelder verwandelt. Seit dem Zerfall der Sowjetunion hat sich dieser Prozess, der mit einer starken Bodenzerstörung und einem massiven Verlust an Artenvielfalt einherging, teilweise wieder umgekehrt. Nach dem Zusammenbruch der staatlich subventionierten Großbetriebe Anfang der 1990er Jahre fielen zwischenzeitlich über 10 Millionen Hektar Ackerland brach. Parallel hierzu kam es zu einer drastischen Verringerung der Viehbestände.
"Die ausgedehnten Brachflächen sind nicht nur eine faszinierende Landschaft. Sie haben auch eine herausragende Bedeutung für zahlreiche seltene und gefährdete Arten der Steppen. Dazu zählen Jungfernkranich, Steppenweihe und Mohrenlerche", erläutert Johannes Kamp. Durch die weltweit steigende Nachfrage nach Agrarflächen zur Produktion von Getreide und Energiepflanzen ist seit einigen Jahren jedoch wieder eine zunehmende Nutzung brachliegender Flächen zu verzeichnen. Dadurch kommen viele seltene und gefährdete Arten erneut in Bedrängnis. "Setzt sich die derzeitige Entwicklung fort, werden die Bestände vieler Vogelarten abnehmen. Für den Bestand des Buschspötters prognostizieren wir beispielsweise einen Rückgang der Population um fast 40 Prozent in den nächsten zehn Jahren, für die Mohrenlerche einen Rückgang von immerhin 10 Prozent. Aus unserer Sicht sollte man daher bei Maßnahmen zum Artenschutz darüber nachdenken, die Nutzung der derzeit bewirtschafteten Flächen zu intensivieren, statt Brachen zu reaktivieren. Damit könnte man dem Bestandsrückgang entgegenwirken."
Johannes Kamp, Doktorand am Institut für Landschaftsökologie, untersucht die Folgen der Landschaftsveränderungen in Kasachstan bereits seit zwei Jahren im Auftrag der größten Naturschutzorganisation in Europa, der britischen "Royal Society for the Protection of Birds" und der kasachischen Partnerorganisation "Association for the Conservation of Biodiversity in Kazakhstan". Die Arbeiten werden von der Darwin-Initiative der britischen Regierung finanziell gefördert. Das gemeinsam realisierte Projekt zielt auf die Schaffung von großräumigen Schutzgebieten zur Erhaltung der letzten Steppenökosysteme im westlichen Eurasien und deren charakteristischer Tierarten ab.
Durch die Einbeziehung kasachischer Studierender bei den Forschungsarbeiten im Gelände und die enge Kooperation mit kasachischen Nichtregierungsorganisationen sollen Forschung und Umweltschutzmaßnahmen vor Ort gestärkt werden.
Ergebnisse der Forschungsarbeiten wurden nun in der Fachzeitschrift "Biological Conservation" online vorab veröffentlicht.
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