Thema Rassezucht zum Auftakt des 6. Leipziger Tierärztekongresses diskutiert

Das Thema Rassezucht und deren negative Folgen für die Gesundheit von Hunden und Katzen ist am Donnerstag zum Auftakt des 6. Leipziger Tierärztekongresses von Experten unter verschiedenen Blickwinkeln betrachtet worden. Gerhard Oechtering, der Direktor der Kleintierklinik der Universität Leipzig, schilderte den Kongressteilnehmern die oftmals verheerenden Auswirkungen von Qualzucht, die Lebensqualität und Lebenserwartung der Tiere drastisch mindere.


Einst sei beispielsweise die Bulldogge ein sportlicher Hund gewesen. Heute seien viele Hunde dieser Rasse ebenso wie die häufig auch davon betroffenen Möpse wegen ihrer aus Schönheitsgründen kurz gezüchteten Nasen in ihrer Bewegungsfähigkeit stark eingeschränkt. Oechtering sprach sich daher für eine außenstehende, von Züchtern unabhängige Qualitätskontrolle aus. "Der Gesetzgeber muss hier die Gesetzgebung schlagkräftiger machen", forderte der Veterinärmediziner, der in seiner Klinik regelmäßig sogenannte brachyzephale Hunde und Katzen operiert.

Ruf nach kontrollierter Rassehundezucht

Der Präsident des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH), Peter Friedrich, argumentierte, dass sich ein Großteil der Hundezüchter in Deutschland für die Lebensqualität der Hunde einsetze. "Es gibt aber auch Ausnahmen", schränkte Friedrich ein. Er sei daher für eine "sehr kontrollierte Rassehundezucht". Sein Verband hat nach eigenen Angaben etwa 175 Mitgliedsvereine, unter anderem auch Zuchtvereine. Nach Ansicht von Veterinärmedizinerin Katharina Kluge, der Leiterin des Referats Tierschutz im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, reicht die aktuelle Tierschutz-Gesetzgebung nicht aus, um Qualzucht effektiv zu bekämpfen. Daher sei in ihrem Haus ein Gesetzentwurf ausgearbeitet worden. Dieser sieht Umformulierungen und Ergänzungen im Tierschutzgesetz vor, um wirksamer gegen Qualzucht vorgehen zu können. Aus ethischer Sicht dürfen nach den Worten des Philosophen und Tierethikers Herwig Grimm keine Tiere in die Welt gesetzt werden, wenn klar ist, dass diese leiden müssen. "Nur, weil es gefällt, kann dem Tier kein Leid zugefügt werden", sagte der Experte aus Wien. Züchter dürften diese Tiere nicht züchten, potenzielle Tierhalter diese nicht kaufen, mahnte Grimm.

Tierärztekongress offiziell eröffnet

Zuvor war der 6. Leipziger Tierärztekongress offiziell eröffnet worden. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung sprach von einer "unglaublichen Erfolgsgeschichte des Kongresses", der in diesem Jahr "alle Rekorde schlägt". Mehr als 4.000 Teilnehmer werden zur europaweit größten Fortbildungsveranstaltung für Tierärzte, Tiermedizinische Fachangestellte und Studenten der Veterinärmedizin erwartet, die am Samstag zu Ende geht. Zur vergangenen Veranstaltung im Januar 2010 waren 3.500 Veterinärmediziner nach Leipzig gekommen. Der Kongress bildet nach den Worten der Rektorin der Universität Leipzig, Beate Schücking, die Breite des veterinärmedizinischen Berufes ab. Die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig zeige mit dem Tierärztekongress auf dem Gebiet der Weiterbildung Flagge.

Der Leipziger Tierärztekongress und die Messe vetexpo (20. bis 21. Januar 2012) werden von der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig, den fünf Tierärztekammern der Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie der Leipziger Messe GmbH veranstaltet. Zur vetexpo werden 185 Unternehmen ausstellen. Das Ausstellerspektrum umfasst unter anderem Arzneimittel, Diagnostika, Diätik, Medizintechnik, Praxismanagement und Kommunikationstechnik. Parallel zum Kongress findet vom 19. bis 22. Januar 2012 die PARTNER PFERD statt.

 
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