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Strom schaltet überaktive Nerven aus - Neuartige Methode senkt Bluthochdruck langfristig
24 November 2011 - UNI-BONN

Uni-Radiologe Claas Philip Nähle (links) und Wilhelm (rechts) demonstrieren die Lage des Kathetersystems am anatomischen Model. Der Katheter kann während des Eingriffs durch einen Handgriff exakt positioniert werden; (c) Rolf Müller / Medienzentrum UKB
Durch einen zu hohen Blutdruck war Annina L. ständig müde und ihr war übel: ,,Oft war mir richtig schwarz vor den Augen." Die 44-Jährige hatte bereits zwei Schlaganfälle. Sie blieben ohne Folgen, sind aber ein eindeutiges Warnsignal. Doch die verschiedenen Medikamente, die Annina L. täglich schluckte, senkten ihren Blutdruck nicht. Sie ist die erste Patientin, der die Radiologen am Bonner Universitätsklinikum mit der neuen Methode helfen konnten.
Etwa jeder dritte Erwachsene in Deutschland leidet an Bluthochdruck (Hypertonie), ein Risikofaktor für Schlaganfall, Herzinfarkt und Nierenversagen. Wie Annina L. sprechen etwa fünf Prozent der Betroffenen auch auf eine Mehrfachkombination von blutdrucksenkenden Medikamenten nicht ausreichend an. ,,Wir freuen uns, gerade diesen Patienten mit der renalen Denervation eine sichere und langfristige Therapieoption anbieten zu können", sagen Hans Schild, Direktor der Radiologischen Klinik am Bonner Universitätsklinikum, und Georg Nickenig, Direktor der Medizinischen Klinik II am Bonner Universitätsklinikum.
Fehlalarm führt zu Bluthochdruck
Die Nerven der Nierenarterie sind an der Regulation des Blutdrucks beteiligt. Senden diese zu viele Signale und melden dem Gehirn so fälschlicherweise, dass eine zu geringe Menge Blut bei der Niere ankommt, bilden sich verstärkt Hormone, die den Blutdruck zu stark steigern.
Hier setzt die Renale Denervation mit dem Ziel an, die viel zu hohen Blutdruckwerte der Patienten zu senken. Dazu wird das dichte Nervengeflecht, das sich um die Nierenarterie windet, gezielt durch das Blutgefäss mittels Strom verödet. ,,Da das Nervengewebe sich nicht regeneriert, wird somit der Einfluss dieser Nervenfasern auf den Blutdruck langfristig verringert", sagt Kai Wilhelm, Leitender Oberarzt an der Bonner Universitäts-Radiologie.
Zirkulär gesetzte Verödungspunkte
Die Bonner Radiologen und Kardiologen führen einen Katheter unter Röntgenkontrolle über die Leistenschlagader in Richtung Niere. Am Ziel angekommen drücken sie die bewegliche Katheterspitze an die Arterienwand und erwärmen das Gewebe mit einem kurzen Stromimpuls. Dabei müssen sie genau darauf achten, nur so viel Wärme zu erzeugen, dass ausschließlich die unmittelbar an der Gefäßwand verlaufenden Nervenfasern zerstört werden. Dann drehen die Bonner Ärzte den Katheter, ziehen ihn leicht zurück und erwärmen die nächste stelle. ,,Das senkt insgesamt die Impulsrate, und bis zu sechs Verödungspunkte reichen aus, um das dichte Nervengeflecht komplett auszuschalten. Wir gehen so vorsichtig vor, damit die Arterienwand ohne dauerhafte Schäden bleibt und auch die Nierenfunktion nicht negativ beeinflusst wird", sagt Kardiologe Nikos Werner.
Weltweit wurden bisher etwa 400 Patienten im Rahmen von Studien mit diesem minimal-invasiven Verfahren erfolgreich behandelt. Bei weit mehr als 80 Prozent der Patienten war auch sechs Monate später der Blutdruck deutlich gesenkt. Auch die bisherigen Erfahrungen am Bonner Universitätsklinikum sind durchweg positiv. So hat Annina L. - obwohl sie bereits jetzt viel weniger Medikamente einnimmt - etwa drei Monate nach dem Eingriff sehr gute Blutdruckwerte: ,,Die Müdigkeit ist komplett weg und ich stehe morgens sogar endlich fit auf."
Zwei Tage Krankenhaus statt lebenslang Medikamente
Wichtig ist, dass der einstündige, beidseitig durchgeführte Eingriff in enger Zusammenarbeit mit Bluthochdruck-Spezialisten erfolgt - am Universitätsklinikum Bonn sind dies die Hypertonieambulanz unter der Leitung von Rainer Düsing und die kardiologische Ambulanz der Medizinschen Klinik II unter der Leitung von Georg Nickenig: ,,Bei einer schweren Hypertonie steht die Wirksamkeit der Denervation außer Zweifel." Ein interessanter Aspekt sei vor allem auch, dass bei praktisch allen Patienten die medikamentöse Therapie zurückgenommen werden kann. ,,Die Zahl der Tabletten reduziert sich wie bei unserer Patientin zum Teil enorm", sagt Düsing. So könnten in Zukunft möglicherweise auch Patienten, die die Medikamente nicht vertragen oder unter unerwünschten Nebenwirkungen leiden, von dieser Behandlung profitieren.
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