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Naturstoffe aus Pflanzen für gesundes Zahnfleisch

Das Forscherteam: Die Professoren Andreas Hensel (3. v. l.) und Thomas Beikler mit den Doktorandinnen Jana Schmuch (l.) und Sabine Beckert. Foto: WWU
Wissenschaftler suchen nach vorbeugenden Wirkstoffen gegen Parodontitis / 300.000 Euro Förderung
Eine der weltweit häufigsten Erkrankungen des Menschen ist die Parodontitis. Es handelt sich dabei um eine Entzündung des Zahnhalteapparates, zu dem das Zahnfleisch gehört. Unbehandelt führt diese Erkrankung zu Zahnverlust. Bislang gibt es jedoch keine vorbeugenden Wirkstoffe. Wissenschaftler der Universitäten Münster und Düsseldorf wollen daher Wirkstoffe aus Pflanzen zur Parodontitisprophylaxe einsetzen. Für dieses Projekt erhalten die Forscher nun über einen Zeitraum von zwei Jahren 300.000 Euro aus Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Gemeinschaft.
"Die Diagnose der Parodontitis erfolgt häufig erst nach den spät eintretenden klinischen Symptomen wie zum Beispiel Zahnlockerung und Abszess-Bildung", erklärt Projektleiter Andreas Hensel vom Institut für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie der Universität Münster. "Die Parodontitis erfordert dann eine aufwendige und damit kostspielige Therapie."
Ein wichtiger Auslösefaktor im Rahmen der komplexen Entstehung der Parodontitis ist das Bakterium Porphyromonas gingivalis. Es ist bei vielen Menschen in der Mundhöhle nachweisbar. Unter bestimmten Voraussetzungen kann es mittels spezifischer Anheftungsproteine an Zellen des Zahnfleisches andocken. Dann kann es zu einer kaum noch rückgängig zu machenden Entzündung des Gewebes und einer damit einhergehenden Zerstörung des Zahnhalteapparates mit nachfolgendem Zahnverlust führen.
Wissenschaftler haben in den vergangenen Jahren erkannt, dass es sich bei dem Andockvorgang um einen hoch spezifischen Erkennungsprozess zwischen Proteinen der Bakterienoberfläche und komplementären Zielstrukturen des menschlichen Wirtsgewebes handelt. Die Forscher aus Münster und Düsseldorf suchen derweil nach maßgeschneiderten Wirkstoffen, die diese Interaktion des Bakteriums mit der Wirtszelle gezielt unterbinden. Dabei haben sie einige interessante Pflanzenextrakte und Stoffe, die aus Pflanzen stammen, identifiziert, die als mögliche Prophylaxe-Wirkstoffe infrage kommen. Auf diesen Ergebnissen baut das neue Projekt nun auf.
"Wir sehen das mögliche Einsatzgebiet dieser Naturstoffe in einer Parodontitisprophylaxe, wobei spezifisch das frühe Andocken der schädlichen Bakterien an das Mundgewebe unterbunden wird. Solche prophylaktischen Wirkstoffe gegen Parodontitis sind bisher nicht bekannt", sagt Andreas Hensel , der das Projekt gemeinsam mit Thomas Beikler von der Klinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Endodontologie der Universität Düsseldorf durchführt.
"Alle Gutachter haben die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Naturstoffchemikern, Biologen und Zahnmedizinern ausdrücklich gelobt", betont Andreas Hensel. "Auch der präventive Ansatz wird als hochgradig förderungswürdig angesehen, da spezifische Vorbeugung im Gesundheitssystem immer mit geringeren Kosten einhergeht als die spätere Therapie."
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