MRE-Netztwerk Rhein-Nahe geht an den Start

Ziel: Minimierung der Infektionsraten sowie Entwicklung und Anwendung wirksamer Strategien gegen multiresistente Erreger (MRE)

Um Hilfestellung bei Infektionen mit multiresistenten Erregern (MRE) zu leisten, wurde heute das MRE-Netzwerk Rhein-Nahe gegründet. Die Initiative ging von den Gesundheitsämtern der Landkreise Mainz-Bingen, Bad Kreuznach, Alzey-Worms und Rhein-Hunsrück sowie der Universitätsmedizin Mainz aus. In dem Netzwerk arbeiten zzt. die genannten Gesundheitsämter und medizinische Leistungserbringer wie die Universitätsmedizin Mainz, das Katholische Klinikum Mainz, die Diakonie Bad Kreuznach und das Krankenhaus St. Marienwörth aus Bad Kreuznach sowie das Landeskrankenhaus Alzey zusammen. Von den Pflegeinrichtungen sind das Haus St. Joseph aus Bad Kreuznach und das Haus Maria Königin aus Kirn vertreten.

Gemeinsames Ziel des Netzwerkes ist die Minimierung der Infektionsraten sowie die Entwicklung und Anwendung wirksamer Strategien gegen multiresistente Erreger. Daher steht das Netzwerk für alle Einrichtungen des Gesundheitswesens in der Region offen, wobei sich die Einrichtungen mit der Aufnahme in das Netzwerk zur Einhaltung grundlegender hygienischer Standards verpflichteten. Eine wichtige Aufgabe des Netzwerkes wird die schnelle und umfassende Information aller Akteure und der Betroffenen hinsichtlich grundlegender Aspekte und neuer Entwicklungen bei der Bekämpfung von multiresistenten Erregern im Rhein-Nahe Gebiet sein. Der Beginn dazu wurde heute im Rahmen einer Auftaktveranstaltung durch Fachvorträge zu unterschiedlichen Aspekten des Umgangs mit multiresistenten Erregern und den jeweils erforderlichen Hygienemaßnahmen gemacht.

Insbesondere vor dem Hintergrund, dass zzt. die Gesetzgebung hinsichtlich des Infektionsschutzes durch den Bund und die Länder grundlegend überarbeitet wurde und weitreichende Änderungen im Infektionsschutzgesetz erst kürzlich durch den Bundestag verabschiedet wurden, kommt den Ländern eine wichtige Rolle in der Infektionsverhütung zu. So wird die Gründung regionaler Netzwerke und die Auftaktveranstaltung von der Landesregierung unterstützt. Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer hat die Schirmherrschaft der heutigenVeranstaltung übernommen.

Dietmar Hoffmann, Leiter des Gesundheitsamtes der Kreisverwaltung Mainz-Bingen, der die Veranstaltung moderierte, ging in seiner Einführung auf die Entstehung und Aufgaben des Netzwerkes ein. Ein besonderes Problem bestehe derzeit an den Schnittstellen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. Durch unzureichende oder verspätete Informationsweitergabe könne es bei notwendigen Behandlungen oder im Einzelfall erforderlichen, besonderen Infektionsschutzmaßnahmen zu Verzögerungen kommen. Mit einem von der Koordinatorengruppe des Netzwerkes erarbeiteten "Sanierungs- und Übergabeprotokoll" solle künftig eine schnellere Informationsweitergabe erfolgen und die aufnehmende Einrichtung nicht nur über die bisherige Behandlung, sondern auch über weiterführende Maßnahmen unterrichtet werden. Grundsätzliches Ziel sei zunächst die Selbstverpflichtung der Einrichtungen des Gesundheitswesens in der Region zu einem definierten Hygienestandard; dessen Einhaltung solle durch externe Kontrollen überprüft werden.

Martin Exner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene sowie Direktor des Institutes für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn, ging in seinem Vortrag auf die Probleme in der medizinischen Versorgung von Infektionen mit multiresistenten Krankheitserregern ein. Ein Schwerpunkt seiner Ausführungen lag auf den schwerwiegenden Konsequenzen für die medizinische Versorgung, wenn nicht konsequente Gegenstrategien umgesetzt würden. Das Ziel müsse eine "zero tolerance" gegenüber den multiresistenten Krankheitserregern sein.

Ernst-Dieter Lichtenberg, Leiter des Gesundheitsamtes Bad Kreuznach, präsentierte erste Ergebnisse, die durch eigene Untersuchungen des Netzwerks in diesem Jahr erhoben werden konnten. Insbesondere der Umgang mit MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) in den Pflegeheimen des Rhein-Nahe-Gebietes stand im Mittelpunkt. Die Ergebnisse zeigten, dass in Pflegeeinrichtungen ein hoher Informations- und Schulungsbedarf notwendig sei, um Ängste vor MRSA abzubauen und so eine adäquate Versorgung MRSA-besiedelter Bewohner zu erreichen. Dies werde in Zukunft ein zentraler Punkt des MRE-Netzwerkes sein.

Bernd Jansen, Leiter der Krankenhaushygiene der Universitätsmedizin Mainz, schilderte in seinem Vortrag zukünftige Entwicklungen von MRSA. So gebe es innerhalb der Gruppe der MRSA unterschiedliche Typen, die sich in ihrer Ausbreitungsfähigkeit unterscheiden und damit unterschiedliche Risiken für Patienten bergen. Auch gebe esTypen, die außerhalb der Krankenhäuser ein Problem darstellten, sog. "community acquired MRSA"-Stämme, welche auch zunehmend bei der Normalbevölkerung Infektionen verursachen können.

Mathias Herrmann, Direktor des Institutes für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene des Universitätsklinikums des Saarlandes, stellte seine Ergebnisse zu einer weitreichenden Erfassung von MRSA im Saarland dar. In dieser Studie wurden über 2 Monate saarlandweit alle stationären Aufnahmepatienten auf das Vorkommen des MRSA-Keims untersucht. Ziel war, Ausbreitungswege zu erfahren und insbesondere die Risikofaktoren eines Menschen für eine Besiedelung mit MRSA zu erforschen.

In ganz Europa sind Infektionen, die sich Patientinnen und Patienten im Zusammenhang mit einer stationären oder ambulanten medizinischen Behandlung zuziehen (sog. nosokomiale Infektionen), ein ernst zu nehmendes Problem. Viele dieser Infektionen werden durch Krankheitserreger verursacht, die gegen Arzneimittel resistent geworden und daher immer schwieriger zu bekämpfen sind. Daher sind eine gute Infektionshygiene und eine Vermeidung der Ausbreitung von resistenten Krankenhauserregern von zunehmender Bedeutung. Bisher wurden diese Aufgaben in Deutschland v.a. von Einrichtungen geleistet, die geeignete Strukturen in der Krankenhaushygiene hatten. Es sich aber gezeigt, dass diese vereinzelten Anstrengungen nicht ausreichen, da mit multiresistenten Erregern (MRE) besiedelte Patienten nicht nur in Krankenhäusern, sondern auch in Altenheimen, Rehabilitationseinrichtungen oder in ihrer häuslichen Umgebung betreut werden müssen.

 
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