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Leben in Bagdad, Selbstbestimmung von Patienten und Missionare in Afrika
6 September 2011 - UNI-GOETTINGEN

Prof. Dr. Karin Rührdanz Prof. Dr. Jutta Limbach Prof. Dr. Patrick Harries
(pug) Das Lichtenberg-Kolleg der Universität Göttingen lädt im September 2011 zu drei öffentlichen Vorträgen ein. Karin Rührdanz gibt am Montag, 12. September 2011, Einblicke in das Lebensumfeld der Bewohner des mittelalterlichen Bagdad. Am Donnerstag, 29. September, ist Jutta Limbach zu Gast. Sie spricht über „Die Selbstbestimmung von Patienten in der demokratischen Gesellschaft“. Am darauffolgenden Abend (30. September) wird der Historiker Patrick Harries darlegen, wie sich Missionare und einheimische Intellektuelle in Afrika gegenseitig beeinflussten.
Im goldenen Zeitalter des Islam fungierte Bagdad als Zentrum für Religion, Kunst und Wissenschaft. Hier fanden zahlreiche Gelehrte unterschiedlicher Konfessionen ihre Heimat und verfassten Werke, deren Wirkung bis in die heutige Zeit in der islamischen Welt spürbar ist. Rührdanz wird in ihrem Vortrag mit dem Titel „Kunst und Kultur im frühabbasidischen Bagdad: Eine Rekonstruktion nach materiellen Zeugnissen“ die besondere Topographie der Stadt vorstellen und sich der Buchkultur widmen, in der die geistige Entwicklung am Hof der abbasidischen Kalifen ihren Niederschlag fand. Sie ist Kuratorin für Islamische Kunst am Royal Ontario Museum und Professorin für Islamische Kunst an der Universität Toronto. Ihr Vortrag am 12. September in der Historischen Sternwarte, Geismar Landstraße 11, Roter Saal, beginnt um 18 Uhr. Er ist Teil der internationalen Tagung „Contexts of Learning in Baghdad from the 8th-10th Centuries“, die von Juniorprofessor Jens Scheiner, Courant Forschungszentrum „Bildung und Religion (EDRIS)“, organisiert wird. Bei der Tagung vom 12. bis 14. September diskutieren Islamwissenschaftler, Arabisten, Theologen und Judaisten interreligiöse Bildungskontexte unter islamischen Vorzeichen.
Auf Einladung des Lichtenberg-Kollegs und der Abteilung Ethik und Geschichte der Medizin der Universitätsmedizin Göttingen spricht die Rechtswissenschaftlerin Limbach, ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts und ehemalige Präsidentin des Goethe-Instituts, am 29. September über strittige Fragen der Auslegung der Würde des Menschen und des Selbstbestimmungsrechts von Patienten. Welche Rolle beispielsweise kommt der sozialen Eingebundenheit und Verantwortlichkeit des Menschen bei der Bestimmung der Tragweite der Patientenautonomie zu‘ Welche Instrumente und Verfahren kann die Politik anwenden, um den Menschen Orientierung zu bieten’ Der Vortrag „Die Selbstbestimmung des Patienten in der demokratischen Gesellschaft“ in der Aula am Wilhelmsplatz beginnt um 18 Uhr. Er ist Auftakt der Jahrestagung „Die Selbstbestimmung des Patienten und die Medizin der Zukunft – Perspektiven einer Medizinethik des 21. Jahrhunderts“ der Akademie für Ethik in der Medizin anlässlich ihres 25. Gründungsjubiläums.
Patrick Harries ist Professor für Afrikanische Geschichte an der Universität Basel. In seinem öffentlichen Vortrag am 30. September beleuchtet er die lange Auseinandersetzung zwischen Missionaren und einheimischen Intellektuellen in Afrika. Harries wird untersuchen, welchen Beitrag deren Erlebnisse zu jenen Wissenssystemen lieferten, die heute als „universell“ oder einfach „westlich“ gelten. Zwar zogen Missionare häufig mit einem vorgefertigten Verständnis von der Natur und den menschlichen Lebensweisen in Afrika aus. Nach jahrelanger Zusammenarbeit mit Einheimischen und dem Austausch mit Intellektuellen vor Ort änderten sie jedoch vielfach ihre Einschätzungen. Zugleich verbreiteten viele Missionare weltweit afrikanische Sichtweisen über den Aufbau und die Ordnung menschlicher Gesellschaften und der natürlichen Umwelt. Der englischsprachige Vortrag „The Secular and the Spiritual: Missionary Intellectuals and New Knowledge“ in der Historischen Sternwarte, Geismar Landstraße 11, Roter Saal, beginnt um 18 Uhr. Er ist Teil des dreitägigen Workshops „Missionarinnen und Missionare als Akteure der Transformation und des Transfers: Außereuropäische zonen und ihre europäischen Resonanzräume (1860 bis 1940)“, zu dem das Lichtenberg-Kolleg und das Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte der Universität Göttingen einladen.
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