Internationale Tagung: Nomaden in einer sesshaften Welt

Weidegebiet im Kreis Lhari, Autonomes Gebiet Tibet, VR China. Foto: A. Gruschke/

Weidegebiet im Kreis Lhari, Autonomes Gebiet Tibet, VR China. Foto: A. Gruschke/Universität Leipzig.

Die internationale Tagung From Nomadic Empires to Neoliberal Conquests - „Vom Nomadenreich zur neoliberalen übermacht" findet anlässlich des Abschlusses der Forschungsarbeit des Sonderforschungsbereichs „Differenz und Integration" (SFB 586) der Universität Leipzig und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) vom 17. bis zum 20. November 2011 in Hamburg statt.

Zeit: 17.11.2011 bis 20.11.2011
Ort: Museum für Völkerkunde, Hamburg
Rothenbaumchaussee 64, Hamburg
19.11.20011
Universität Hamburg,
Universitätsgelände, Philosophenturm, Hörsaal C, Von-Melle-Park 6, Hamburg

Sie ist Teil eines fulminanten Wissenschaftsprogramms: Neben der großen Abschlussausstellung „Brisante Begegnungen. Nomaden in einer sesshaften Welt" bietet die Internationale Abschluss-Tagung das entsprechende Wissenschaftsforum.

Laut SFB-Sprecher Jörg Gertel (Uni Leipzig) haben sich über 80 Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern für diese Abschlusstagung in Hamburg angemeldet: "Es geht uns um wichtige und aktuelle Fragen, etwa: Welche Formen der Herrschaft und welche gesellschaftliche Ordnung kennen wir, welche waren historisch erfolgreich und warum sind andere gescheitert? Auch stehen Fragen um Eigentumsrechte im Fokus: Wenn weltweit immer weiter privatisiert wird, wie ist der Umgang mit unserer Umwelt langfristig zu bewerten‘ Wer hat heute die Verfügungsgewalt über das Land, das wir bewirtschaften? Warum gelangt es in immer weniger Hände’"

über die Ziele der Tagung sagt Jürgen Paul von der MLU: "Auf der Konferenz werden wir die Entwicklung der Nomaden im Verhältnis zur sesshaften Gesellschaft nachvollziehen. Wir wollen zeigen, wie sich die Bewegungsfreiheit von Nomaden im Laufe der letzten 1.000 Jahre zunehmend begrenzt hat. Ziel der Konferenz ist es natürlich auch, die Ergebnisse des Sonderforschungsbereichs mit der Nomadenforschung außerhalb des SFB zusammenzubringen und mit einigen der weltweit führenden Nomadenforschern zu diskutieren."

Nomaden und Herrschaft von der Antike bis heute

Im historischen Teil, Nomad Aristocrats in a World of Empires, geht es um Herrschaft: Herrschaft, die Nomaden ausgeübt haben, und Herrschaft, die über sie ausgeübt wurde. Dabei nimmt die Tagung besonders die Frage der internen politischen Verhältnisse bei nomadischen Gruppen in den Blick. Wer sind die Mächtigen unter den Nomaden, welche Rolle spielen sie bei der Begründung nomadischer Reiche und umgekehrt: Wie werden sie von "sesshaften" Staaten in das Gefüge der Macht eingebunden? Archäologen sprechen über nomadische Herrschaft in der Antike, als erstmals reiternomadische Imperien entstanden; Historiker führen die Untersuchungen bis ins 19. Jahrhundert; regional reicht die Spannbreite von der Mongolei bis nach Syrien und Anatolien.

Aktuelle Landnutzungsstrategien und nomadische Lebensweise

Im gegenwartsbezogenen Teil, Appropriating Land and Shifting Social Scapes, steht die nomadische Landnutzung im Blick. Ausgangspunkt sind drei aktuelle Beobachtungen: Weideland, bislang noch oft kollektiv genutzt, wird zunehmend privatisiert oder privat angeeignet. Im Mittelpunkt der Konferenz stehen dementsprechend drei Themen: (1) Landaneignung: Welche Einflüsse haben Prozesse von Privatisierung und privater Aneignung auf pastorale Territorien? (2) Umwelt: Wie strukturieren umweltbezogene globale Diskurse pastorale Territorien und Landnutzung? Wie materialisieren sie sich lokal (etwa in Form von Reservaten und Nationalparks)? (3) Gesellschaft: Was sind die lokalen Konsequenzen und sozialen Kosten dieser Entwicklungen für uns alle?

Die Konferenz bringt neueste Forschungsergebnisse aus den Projekten des SFB mit der Expertise namhafter internationaler Experten zusammen. Unter anderem werden Roy Behnke aus England, Guma Komey aus dem Sudan und Richard Le Heron aus Neuseeland erwartet.

Der Sonderforschungsbereich "Differenz und Integration" (SFB 586) untersucht die Geschichte, Struktur und Dynamiken von Interaktionen zwischen Nomaden und Sesshaften. Gegründet 2001, umfasst der SFB 586 Wissenschaftler aus verschiedensten Fachgebieten der Universitäten Leipzig und Halle-Wittenberg, des Leibniz-Instituts für Länderkunde (Leipzig), des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (Leipzig) sowie des Max-Planck-Instituts für ethnologische Forschung (Halle): Von Geschichte und Archäologie bis hin zu Geographie und Umweltwissenschaften.

Programm zur Konferenz:

http://www.nomadsed.de/veranstaltungen/aktuelles/newsdetails/konferenzbr-from-nomadic-empires-to-neoliberal-conquests/

Weitere Fotos zum Forschungsthema und zur Ausstellung des SFB im Museum für Völkerkunde in Hamburg finden Sie hier:

http://www.uni-leipzig.de/foto/download/sfb586/

 
Logo Careerjet