Fälschern auf der Spur – Ausstellung im Antikenmuseum

Form und Bemalung der schwarzfigurigen Amphora lehnen sich eng an antike Vorbild

Form und Bemalung der schwarzfigurigen Amphora lehnen sich eng an antike Vorbilder an. Dass sie gefälscht ist, erkennt man u.a. an der viel zu akribischen Malweise. Außerdem hat sich bei dem rechten der beiden Krieger ein Fehler eingeschlichen: Er ist Linkshänder und hält im rechten Waffenarm den Schild und in der Linken die Lanze. Die Ablagerungsspuren am Henkel hat der Fälscher künstlich aufgetragen, damit das Gefäß wie frisch ausgegraben wirkt. Bonn, Akademisches Museum der Universität. Foto: Marion Wenzel/Uni Leipzig.

"Teuer und nichts wert? Fälschern griechischer Keramik auf der Spur" heißt eine Sonderausstellung, die vom 22. Oktober an im Antikenmuseum der Universität Leipzig zu sehen ist. Die Schau zeigt neben Exponaten aus dem eigenen Haus zum Thema verfälschende Restaurierungen des 19. Jahrhunderts auch 42 Fälschungen griechischer Vasen aus dem Fundus des Akademischen Kunstmuseums in Bonn. Die Sonderausstellung in der Alten Nikolaischule ist bis zum 22. Januar 2012 geöffnet.

Mit der Gegenüberstellung von Fälschungen und Originalen wird thematisiert, dass in der Museums- und Sammlerpraxis das Erkennen von Verfälschungen und Fälschungen eine sehr gute, dem jeweils aktuellen Stand der archäologischen Forschung entsprechende Kenntnis der antiken Keramik voraussetzt. "Dem Aspekt der Fälschung griechischer Vasen wurde bisher in der klassischen Archäologie nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt", sagte der Kustos des Antikenmuseums, Hans-Peter Müller. In der Ausstellung werden ihm zufolge unter anderem gefälschte Vasen aus dem Besitz des Akademischen Kunstmuseums der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn gezeigt. Dort waren sie 2009/2010 unter dem Titel "Echt antik oder falsch - Vasen auf dem Prüfstand" erstmals zu sehen. Für die Archäologen gehören Fälschungen nach den Worten Müllers seit jeher zur alltäglichen Arbeit. Bevor ein Gegenstand als Hilfe zur Rekonstruktion der antiken Welt herangezogen werden kann, müsse immer entschieden werden, ob er überhaupt in der Antike entstanden ist oder nicht in nachantiker Zeit verändert und damit verfälscht wurde. Erst auf dieser Basis könnten weiterführende kulturgeschichtliche überlegungen zum Stellenwert eines Objektes innerhalb der Antike erfolgen.

"Bei der Gegenüberstellung von Fälschungen mit Originalen aus dem Antikenmuseum der Universität Leipzig geht es nicht nur darum, gefälschte antike Keramik als Machwerke krimineller Energie vorzuführen", erklärte Jörn Lang, der an Ausstellung und Begleitheft mitwirkte. Vor dem Hintergrund ihrer Entstehungsbedingungen werde versucht, sie als kulturgeschichtliche Zeugnisse eines bewussten Umganges mit der Antike wahrzunehmen.

Der erste Teil der Ausstellung ist Verfälschungen antiker Keramik gewidmet, die während des 19. Jahrhunderts entstanden. Sie sind auf die Praxis zurückzuführen, beschädigte Amphoren, Trinkschalen oder Salbgefäße nach ihrer Ausgrabung zu vollständigen Gefäßen zu ergänzen. Die Arbeit der Restauratoren ist nach den Worten Müllers bisweilen so perfekt, dass sie selbst für den Archäologen erst auf den zweiten Blick erkennbar ist. Daran anschließend werden Gefäße präsentiert, die in einem bewussten Akt der Täuschung angefertigt wurden. Sie dokumentieren das handwerkliche Geschick der Fälscher ebenso wie die Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert waren. Dazu gehören die richtige Herstellungstechnik wie auch ein Verständnis für die Bilderwelt der Antike. Hinweise auf die moderne Entstehung sollten durch künstliche Alterungsspuren geschickt verborgen werden. "Häufig sind es nur kleine Abweichungen von den antiken Vorbildern, die den Archäologen dennoch auf die Spur der Fälscher bringen", sagte er.

Presseeinladung

Sehr geehrte Medienvertreter,

wir laden Sie herzlich zum Pressegespräch anlässlich der Eröffnung der Ausstellung "Teuer und nichts wert?" in das Antikenmuseum der Universität Leipzig ein.

Zeit: 20.10.2011, 11:00 Uhr
Ort: Antikenmuseum der Universität
Nikolaikirchhof
04109 Leipzig

Ihre Gesprächspartner sind:

Jörn Lang und Hans-Peter Müller vom Antikenmuseum.

über eine vorherige Anmeldung zu dem Pressegespräch per Mail freuen wir uns.

Presse:
Pressestelle der Universität, Frau Manuela Rutsatz

 
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