Erfolgreiche Nachwuchsarbeit

13 January 2012
Viktoria Däschlein-Gessner sucht nach stabilen Systemen. (Foto: Gunnar Bartsch)

Viktoria Däschlein-Gessner sucht nach stabilen Systemen. (Foto: Gunnar Bartsch)

Zuletzt hat Viktoria Däschlein-Gessner in Kalifornien geforscht. Dann hat sie sich für die Universität Würzburg entschieden. Mit einem Emmy-Noether-Stipendium ausgestattet, baut sie am Institut für Anorganische Chemie ihre eigene Nachwuchsgruppe auf und sucht nach neuen interessanten Substanzen.

Ihr Lehrer am Gymnasium hatte ihr ja vom Chemiestudium abgeraten. Das sei nichts für Frauen. Wenn’s aber doch sein müsse, dann wenigstens fürs Lehramt. Das hat Viktoria Däschlein-Gessner allerdings nicht davon abgehalten, sich an der Universität Marburg für Chemie einzuschreiben. Auf Diplom.

Jetzt lehrt und forscht die 29-Jährige am Institut für Anorganische Chemie der Universität Würzburg. Am Lehrstuhl von Professor Holger Braunschweig baut sie gerade ihre eigene Nachwuchsgruppe auf und arbeitet an ihrer Habilitation. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG unterstützt sie dabei im Rahmen des Emmy-Noether-Programms in den kommenden fünf Jahren mit rund einer Million Euro. Das Programm soll „jungen Nachwuchswissenschaftlern einen Weg zu früher wissenschaftlicher Selbständigkeit eröffnen“; durch die Leitung einer eigenen Nachwuchsgruppe sollen promovierte Forscher „die Befähigung zum Hochschullehrer erwerben“, wie es in der Beschreibung der DFG heißt.

Viktoria Däschlein-Gessner arbeitet mit Molekülen, in deren Zentrum in der Regel ein reaktives Kohlenstoff-Atom sitzt, das eine hohe negative Ladung aufweist. Dies kombiniert sie mit sogenannten „Elektronen ziehenden Gruppen“ unterschiedlicher Art, die eine Stabilisierung und anschließend die Erforschung der Eigenschaften der Produkte ermöglichen.

Auf der Suche nach stabilen Systemen

„Wir betreiben Grundlagenchemie“, sagt sie. „Uns geht es darum, reaktive Substanzen handhabbar zu machen, um damit weiterarbeiten zu können.“ Das ist mitunter nicht ganz einfach, eben weil diese Substanzen so schnell mit Stoffen aus ihrer Umgebung reagieren und dabei unter Umständen Richtungen einschlagen, die für neue Überraschungen sorgen. In solchen Fällen muss die Chemikerin schon mal in die Trickkiste greifen. Dann laufen die Experimente in einer speziellen Glovebox, abgeschottet von der normalen Umgebungsluft in einer reinen Schutzgas-Atmosphäre, oder bei extremen Minusgraden.

„Unser Ziel ist es dabei, Systeme zu entwickeln, die stabil sind“, sagt Viktoria Däschlein-Gessner. Ist das gelungen, fängt die Suche nach den Reaktionen an, die dort stattfinden – verbunden mit der Frage: „Wohin kann man diese Reaktionen steuern? War die Arbeit erfolgreich, könnte beispielsweise ein Metallkomplex das Ergebnis sein, der als Katalysator dient und deshalb in die Anwendung wandert. Prinzipiell geht es der Forscherin jedoch um das „Verständnis der Reaktivität“. Die Anwendung ist im Idealfall eine Folge der gewonnen Erkenntnisse.

Zur Person

Viktoria Däschlein-Gessner ist in der Nähe von Würzburg aufgewachsen; die Schule hat sie in Lauda-Königshofen besucht. 2002 hat sie das Chemiestudium in Marburg begonnen; 2004 ist sie für das Hauptstudium an die Universität Würzburg gewechselt. An der TU Dortmund promovierte sie mit einer Arbeit über lithiumorganische Verbindungen; ein Postdoc-Aufenthalt führte sie an die University of California in Berkeley (USA). Und nun also wieder Würzburg.

„Die Würzburger Chemie genießt auch international einen guten Ruf“, sagt sie. Und in ganz Deutschland gebe es keinen Lehrstuhl für Anorganische Chemie, der so groß sei wie der von Holger Braunschweig. Außerdem sei die Ausstattung des Instituts hervorragend, vor allem was die Großgeräte betrifft. Eine Spektralanalyse mit Hilfe der Kernspinresonanz-Spektroskopie, eine Röntgenstrukturanalyse – kein Problem am Institut für Anorganische Chemie.

Allzu viel Zeit für die Arbeit im Labor bleibt Viktoria Däschlein-Gessner momentan allerdings nicht. Der Aufbau der eigenen Forschergruppe fordert seinen Tribut. Jede Menge Besprechungen, Papierkram und Verwaltungsarbeit führen dazu, dass die Chemikerin bisweilen ein Experiment in der Abzugshaube zwar vorbereitet, dann aber nicht zu Ende führen kann, weil sie wegen dringender anderer Angelegenheiten weggerufen wird. Das wird sich bald wieder geben, hofft sie. Wenn das Team sich erst einmal etabliert hat und die „Gründungsphase“ abgeschlossen ist. Immerhin muss sie ja auch für ihre Habilitation forschen.

Warum hat sie sich eigentlich für Chemie entschieden? „Ich habe schon immer gerne Fragen gestellt. Und in der Chemie erhält man am meisten Antworten“, sagt Viktoria Däschlein-Gessner. Und auch heute noch, nach gut zehn Jahren Studium und Forschung, findet sie die Welt der Atome und Moleküle faszinierend. „Man stößt in der Chemie immer wieder auf neue Überraschungen“, sagt sie.

 
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