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Ein Erfolgsrezept für Klimakonferenzen?

Sturmschäden wie hier in den USA könnten aufgrund des Klimawandels häufiger auftreten und größere Ausmaße annehmen, und zwar schon in 10 bis 20 Jahren. Wenn sich diese mittelfristige Bedrohung wissenschaftlich gut belegen ließe, könnten vor allem die reichen Industrienationen bereit sein, mehr in den Klimaschutz zu investieren.
Die Aussicht auf mittelfristige Schäden durch den Klimawandel könnten arme und reiche Länder dazu bringen, die Emissionen an Kohlendioxid wirksam zu reduzieren
Eine weltweite Vereinbarung über wirksamen Klimaschutz könnte jetzt wahrscheinlicher werden - wenn in die Verhandlungen Erkenntnisse von Max-Planck-Forschern einfließen. Demnach würden Klimakonferenzen eher zum Erfolg führen, wenn sie stärker in den Blick nähmen, welche ökonomischen Schäden der Klimawandel mittelfristig, also etwa in 20 Jahren, verursachen dürfte und mit welchen Maßnahmen sich diese abwenden ließen. Das könnte reiche Industrienationen dazu bewegen, ihre Treibhausgas-Emissionen so weit zu senken, dass sie mangelnde Beiträge von Entwicklungs- und Schwellenländern kompensieren. Das haben Wissenschaftler der Max-Planck-Institute für Evolutionsbiologie und Meteorologie in einer spieltheoretischen Studie festgestellt. Mit dieser Untersuchung reagieren sie darauf, dass reiche und arme Länder sich auf den jüngsten Klimakonferenzen wie etwa in Kopenhagen im Jahr 2009 vor allem nicht über ihre jeweiligen Beiträge einigen konnten.
Verzicht zahlt sich aus, aber erst in der Zukunft. Wenn Energieversorgung, Mobilität und Konsumverhalten an die Maßgaben des Klimaschutzes angepasst werden, kostet das erst einmal. Doch nur wenn der weltweite Ausstoß an Treibhausgasen bis zur Mitte des Jahrhunderts um rund 50 Prozent Maß reduziert wird, lassen sich die möglicherweise gefährlichen Schäden eines irreversiblen Klimawandels abwenden, die dann zu erwarten sind. Die drohenden langfristigen Verluste bewegen die Staaten aber offenbar nicht, sich schon jetzt auf verbindliche Beiträge zu einigen, den Ausstoß von Treibhausgasen um das nötige Maß zu reduzieren.
„Den größten Konflikt gibt es derzeit darüber, wie die Lasten zwischen den reichen Industrienationen und den ärmeren Entwicklungs- und Schwellenländern zu verteilen sind“, sagt Jochem Marotzke, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Gemeinsam mit Kollegen des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie in Plön weist er nun einen Ausweg aus der verfahrenen Situation.
Die Industrienationen wären nämlich möglicherweise bereit, schon jetzt mehr in den Klimaschutz zu investieren, wenn klarer wäre, wie sie wirtschaftlichen Verluste verhindern könnten, die ihnen der Klimawandel schon in 10 oder 20 Jahren bringen könnte. Die Aussicht auf mittelfristige Schäden könnte sie sogar anspornen, unzureichende Beiträge der ärmeren Länder zu kompensieren. Das schließen die Max-Planck-Forscher aus den Ergebnissen, die sie mit einem abgewandelten Public Goods Game, zu deutsch öffentliche Güter Spiel, gewonnen haben.
Klimaschutz lohnt nur, wenn sich die meisten Staaten engagieren
„Mit diesem Spiel simulieren wir das soziale Dilemma, in dem die Staaten bei den Klimaverhandlungen stecken“, erklärt Manfred Milinski, Direktor am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön und einer der Autoren der Studie. Bei ihrem Engagement für den Klimaschutz wägen die Staaten nämlich ab: Sich für den Klimaschutz einzuschränken lohnt nur, wenn die Weltgemeinschaft insgesamt das Reduktionsziel von rund 50 Prozent bis etwa 2050 erreicht. „Schafft sie es, ist das gut für alle Länder, auch für jene, die nichts beigetragen haben“, sagt Manfred Milinski. Verfehlt die Staatengemeinschaft das Reduktionsziel drastisch, zahlen die Volkswirtschaften, die frühzeitig in Klimaschutz investiert haben, doppelt: für den Klimaschutz und die gefährlichen Folgen seines Scheiterns.
Tatsächlich steigen die weltweiten Kohlendioxid-Emissionen weiter stark an. Offenbar setzen die meisten Staaten darauf, dass andere Länder den Beitrag zum Klimaschutz mittragen, den sie selbst nicht leisten. Oder sie hoffen immer noch, dass auch eine Erderwärmung um mehr als zwei Grad Celsius ökonomisch zu verkraften ist – auch wenn Forscher für dieses Szenario mit mehr als 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit drastische Auswirkungen vorhersagen. Zumindest treffen sie aktuelle Entscheidungen vor einem Zeithorizont, der Schäden in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts offensichtlich nicht mehr umfasst, seien die auch noch so gravierend.
„Uns bewegt die Frage, wie wir das Reduktionsziel erreichen, das einen gefährlichen und irreversiblen Klimawandel zu verhindert“, sagt Jochem Marotzke. Also erdachten er und die Plöner Evolutionsbiologen, die unter anderem die Bedingungen für kooperatives Verhaltens erforschen, ein Experiment, um die Verhandlungen der Klimakonferenzen zu simulieren.
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