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Echt gefälscht
15 September 2011 - UNI-FREIBURG

Echt gefälscht
Bisherige Ansätze bemühten sich vor allem, Kriterien und Methoden zur Aufdeckung von Fälschungen zu entwickeln. Die vom Freiburger Klassischen Philologen Wolfgang Kofler und seiner Mitarbeiterin Anna Novokhatko veranstaltete Tagung wählt einen anderen Zugang: Die internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betrachten ihre Forschungsobjekte von der Rezeptionsgeschichte aus, einer jungen altertumswissenschaftlichen Disziplin, die das Nachwirken der griechischen und römischen Antike bis in die Gegenwart verfolgt. In diesem Sinne fragt die Veranstaltung nach den Rahmenbedingungen, die zur Fälschung von antiken Texten führten, und legt dabei ein besonderes Augenmerk auf die vielfältigen Funktionen, welche die „Fakes“ unter verschiedenen zeitlichen und regionalen Voraussetzungen erfüllen sollten. Ebenfalls durchleuchtet wird die Rolle des Publikums, das mit seinen Erwartungshaltungen einen Markt für Fälschungen schafft, oder die hohe Emotionalität, mit der gerade über die Echtheit antiker Texte diskutiert wird.
Bei der von der Thyssen-Stiftung finanzierten Tagung werden Texte verschiedener Herkunft und unterschiedlicher Gattungen behandelt, die von der Inschrift über Briefsammlungen bis zur Dichtung reichen. Ein Highlight ist der so genannte Artemidor-Papyrus, der als Teil einer Mumienkartonage Fragmente eines geographischen Texts aus dem 1. vorchristlichen Jahrhundert neben der ältesten bekannten Karte Spaniens bietet. Die Echtheit des 1994 gefundenen Fragments, das von einer Stiftung in Turin/Italien für 2,75 Millionen Euro erworben wurde, wird jedoch angezweifelt: Die verbissen geführte Debatte, in deren Verlauf sich auch Vertreter der italienischen Polizia scientifica zu Wort meldeten, strahlte bis in die Feuilletons der größten europäischen Zeitschriften aus. Einige ihrer Protagonisten wie Luciano Canfora, nicht nur Klassischer Philologe, sondern einer der führenden Intellektuellen Italiens, werden in Freiburg sprechen.
Auf dem Programm stehen außerdem andere Fälschungen wie die berühmt-berüchtigte Konstantinische Schenkung. Das Dokument wurde im
8. Jahrhundert unter Berufung auf den gleichnamigen Kaiser fabriziert und legitimierte den Anspruch des Papstes auf eine territoriale und religiöse Führungsposition. Erst im Frühhumanismus wurde es als Fälschung entlarvt.
Auf dem Programm stehen außerdem andere Fälschungen wie die berühmt-berüchtigte Konstantinische Schenkung. Das Dokument wurde im
8. Jahrhundert unter Berufung auf den gleichnamigen Kaiser fabriziert und legitimierte den Anspruch des Papstes auf eine territoriale und religiöse Führungsposition. Erst im Frühhumanismus wurde es als Fälschung entlarvt.
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