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Dominiak und Fouquet

Herausgegeben von den Präsidien
der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
und der Universität zu Lübeck


Dominiak und Fouquet: ,,Gute Lehre bedarf exzellenter Forschung"


Kiel/Lübeck.

nungshofes (LRH), die Universitäten Kiel und Lübeck sollten sich angesichts der Schuldenbremse
des Landes und weiter steigender Studierendenzahlen stärker auf die Lehre konzentrieren und Forschungsvorhaben zurückstellen (s. heutige Ausgabe der Kieler Nachrichten), reagierten die Präsidenten beider Hochschulen am Mittwoch, 12. Oktober, mit Sorge. Sie bedauern grundsätzlich die
vorzeitigen Veröffentlichungen aus dem Entwurfsstadium, die der sachgerechten Auseinandersetzung über das wichtige Thema der Hochschulfinanzierung schaden.

Professor Gerhard Fouquet (Kiel) und Professor Peter Dominiak (Lübeck) bezeichneten die Forderungen des LRH in der veröffentlichten Form als ,,in weiten Teilen unrealistisch". In seinen Schlussfolgerungen sei der Rechnungshof über das Ziel hinausgeschossen. Insbesondere kritisieren die
Hochschulleitungen pauschalierte Kürzungsauflagen, die überdies noch über denen im übrigen Landesbereich liegen sollen. ,,Die Hochschulen haben bereits in der Vergangenheit durch Stellenabbau,
Umwidmungen und eine nicht inflationsbereinigte Hochschulfinanzierung einen erheblichen Beitrag
zum Abbau des strukturellen Defizits im Land geleistet. Wir können derzeit nicht erkennen, dass der
LRH diese Beiträge angemessen würdigt", beklagen Fouquet und Dominiak.

Zwar weise das Gutachten nachvollziehbar auf finanzpolitische und organisatorische Schwachstellen
des aktuellen schleswig-holsteinischen Hochschulsystems hin, entschieden widersprechen beide
Hochschulen jedoch der Forderung des LRH, Ausbildung müsse Vorrang vor einer ausgeprägten
Forschungsorientierung haben. Fouquet und Dominiak: ,,Lehre und Forschung sind nach dem Hochschulgesetz gleichrangige Aufgaben. Und nur mit exzellenter Forschung wird es zukünftig möglich
sein, die notwendigen Einnahmen im Drittmittelbereich auf dem aktuell hohen Niveau zu halten."

Gleiches gilt nach Ansicht der Präsidenten für die Ausbildung: Akademische Lehre in einzelnen Fächern ohne Forschungshintergrund koppele diese mittelfristig von der Entwicklung ab. Fouquet und
Dominiak: ,,Lehre und Forschung sind in der Universität kommunizierende Röhren. Die Förderung
einer der beiden Aufgaben darf nie zu Lasten der anderen gehen. Grundlagenforschung heute ist die
Lehre von morgen. Der Ansatz, Lehre und Forschung gegeneinander auszuspielen, widerspricht
somit der Arbeit von und an Universitäten."




Kritisch betrachten die Hochschulen das vom LRH vorgeschlagene neue Finanzierungsmodell. Die
vom LRH als zusätzliche Ausstattung der forschungsstarken Universitäten zugedachten Mittel aus
dem so genannten Exzellenz- und Strukturbudget seien der Höhe nach für die erforderliche finanzielle ,,Nachjustierung" entsprechend dem erreichten Ausdifferenzierungsgrad bereits heute zu knapp
bemessen. Hierbei beziehen sich die Präsidien auf die aktuellen Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Differenzierung der Hochschulen (Köln 2011). ,,Ohne eine weitere Fortsetzung der Diversifizierung der Hochschulen im Sinne einer funktionalen Ausdifferenzierung wird es aber nicht möglich
sein, die Fülle der an das Hochschulsystem herangetragenen Aufgaben und Erwartungen erfüllen zu
können. Deshalb muss der Anteil der für diesen Diversifizierungsprozess zur Verfügung stehenden
Haushaltsmittel im Verhältnis zu den formelhaft zur Verfügung gestellten Mitteln gemäß dem LRHModell deutlich vergrößert werden", fordern Dominiak und Fouquet.

Angesichts steigender Studierendenzahlen und laufender Exzellenzanträge bräuchten die Hochschulen gerade jetzt vielmehr das klare Bekenntnis der Politik zu Forschung und Lehre. ,,Allein exzellente Forschung am jeweiligen Standort sichert langfristig auch eine hervorragende Ausbildung. Beides benötigt Zeit, Verlässlichkeit und vor allem Vertrauen. Zur Erinnerung: Der finanzielle Umfang aller aktuellen Drittmittel-Anträge beträgt über 150 Millionen Euro. Geld für die Forschung. Geld für
Schleswig-Holstein. Wir können bei der Forschung nicht einfach bis 2017 die Pausetaste drücken.
Dann verspielen wir unsere Zukunft."

Zudem würde, so Fouquet und Dominiak, nach außen das Signal gesetzt, dass sich SchleswigHolstein exzellente Forschung nicht leisten könnte, was wiederum gravierende Auswirkungen auf die
künftige Rekrutierung von Professorinnen und Professoren und von Studierenden hätte. Das Land
verlöre gegenüber der nationalen und internationalen Konkurrenz weiter an Innovations- und damit
Wettbewerbsfähigkeit, die nicht zuletzt auch für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes überragendes Gewicht haben.













Presse:
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Boris Pawlowski
Tel. 0431/880-3004, E-Mail:
 
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