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Auf der Suche nach verlorenen Gesichtern
6 October 2011 - UNI-FREIBURG

Auf der Suche nach verlorenen Gesichtern
Seit dem 2. Oktober 2011 zeigt das Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museum die Ausstellung „Schädelkult“. Sie spannt einen Bogen vom Auftauchen des Neanderthalers bis in die heutige Zeit. Anhand von mehr als 300 Schädelfunden und Kopfpräparaten können sich Besucherinnen und Besucher mit dem Kopf des Menschen unter r egionalen, historischen, kulturellen, religiösen, kultischen und wissenschaftlichen Aspekten auseinandersetzen.
Die Freiburger Anthropologin, Ursula Wittwer-Backofen, hat mit den Ergebnissen ihrer wissenschaftlichen Forschung gemeinsam mit ihren Kollegen des Museumsteams unter anderem dazu beigetragen, dass die Besucher erstmals dem aus einem Schädel rekonstruierten Gesicht eines Kelten gegenüber stehen.
Im Vorfeld der Ausstellung haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zwei der am besten erhaltenen keltischen Schädelfunde mit modernen Methoden der Hightechmedizin untersucht. Bei den Kelten waren die Schädel Teil der Ahnenverehrung, wurden aber auch als Trophäen zur Schau gestellt. Wie ist es möglich, einem Schädel aus der Eisenzeit der Menschheitsgeschichte ein Antlitz zu verleihen? Eine wichtige Rolle spielen die Aufnahmen eines Computertomographen, der ohne Spuren der Zerstörung genaue Bilder des Schädels liefert. An der Universität Freiburg führte Wittwer-Backofen eine digitale Gesichtsrekonstruktion durch und bediente sich zudem der neuartigen 3D-Drucktechnik, mit der die detailgetreuen Daten des Computerscans dreidimensional ausgedruckt werden. „So können wir eine täuschend echte Replik des Originals in Echtfarbe herstellen“, sagt die Anthropologin. Die Besucher erleben im Museum die Präsentation eines männlichen Erwachsenen aus der Keltenzeit, der wahrscheinlich Teil einer Zeremonie eines Ahnenkultes war, bevor er bestattet wurde.
Die Freiburger Anthropologie unter der Leitung von Wittwer-Backofen war zudem bei der Identifizierung des so genannten Schillerschädels federführend. Dank der Erfahrung und der weit entwickelten Forschungsmethoden eines interdisziplinären Wissenschaftlerteams stand bald fest, dass der Schiller zugewiesene Schädel nicht dem großen Dichter gehörte, auch wenn vieles dafür sprach. Sein Schädel wurde vermutlich von Sammlern entwendet und bleibt unwiederbringlich verloren. Auch dieser historische Kriminalfall wird gezeigt und kann in einem Begleitvortrag zur Ausstellung, den Ursula Wittwer-Backofen am 13. Oktober 2011 im Reiss-Engelhorn-Museum hält, verfolgt werden. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.
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