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50 neue genetische Ursachen für geistige Behinderung entdeckt
Genetische Defekte, bei denen nur ein Gen betroffen ist, führen zu geistigen Behinderungen und verwandten Störungen
Seit mehr als 15 Jahren konzentriert sich die Genomforschung auf die Suche nach häufigen genetischen Risikofaktoren von Volkskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Schizophrenie und Krebs, weitgehend ohne Erfolg. Eine der Ursachen dafür ist, dass sich hinter diesen Krankheitsbildern viele verschiedene genetische Störungen verbergen können, und nicht selten handelt es sich dabei um Defekte einzelner Gene. Die meisten dieser Gendefekte sind jedoch noch nicht aufgeklärt. Forschern des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik in Berlin und ihren Kollegen aus dem Iran ist es jetzt gelungen, 50 bisher unbekannte genetische Ursachen für geistige Behinderung zu identifizieren. Es gibt gute Gründe für die Annahme, dass mehrere dieser neuen Gendefekte auch für verwandte Störungen wie Autismus, Schizophrenie oder Epilepsie verantwortlich sind.
Bis heute sind annähernd 7000 ‚monogene’ Krankheiten bekannt, und für etwa die Hälfte ist der betreffende Gendefekt bereits identifiziert. Sie finden sich bei etwa 17 Prozent aller Kinder, die in Krankenhäuser eingewiesen werden. Ihr Anteil an den Gesamtkosten der Krankenversorgung liegt noch deutlich höher. Viele monogene Krankheiten sind jedoch noch unbekannt. Sie werden oft nicht diagnostiziert, weil es sich um Fälle ohne erkennbare familiäre Häufung oder um Patienten mit vermeintlich komplexen Volkskrankheiten handelt.
Ein internationales Konsortium unter maßgeblicher Beteiligung des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik hat jetzt 50 bisher unbekannte genetische Ursachen für geistige Behinderung bei Kindern entdeckt. Diese Störung tritt nur auf, wenn die – in der Regel gesunden – Eltern eine Anlage für einen bestimmten Gendefekt tragen und wenn beide eine mutierte Kopie desselben Gens an ihre Kinder vererben. Über solche ‚rezessiven’ Gendefekte ist bisher besonders wenig bekannt, denn für ihre Aufklärung benötigten die Wissenschaftler Familien mit mehreren Betroffenen – also möglichst Großfamilien.
In Deutschland und anderen westlichen Ländern sind solche Familien selten, jedoch nicht in Bevölkerungen des Nahen und Mittleren Ostens. Zudem sind viele Eltern in diesen Ländern verwandt, was die Ursache dafür sein könnte, daß dort geistige Behinderung etwa drei Mal häufiger ist als bei uns. Daher arbeiteten die Max-Planck-Forscher eng mit einem Forschungszentrum im Iran zusammen. Wir alle tragen Gendefekte in uns. Doch für Blutsverwandte ist das Risiko viel größer, dass es sich dabei um dieselben Gendefekte handelt“, sagt Hilger Ropers. Kranke Kinder blutsverwandter Eltern tragen zwei identische Kopien des verantwortlichen Gendefekts, aber auch die umgebenden Chromosomenabschnitte sind völlig gleich. Das erleichterte es den Forschern, das defekte Gen zu finden.
Seit Beginn der Kooperation 2003 wurden mehr als tausend überwiegend iranische Familien mit behinderten Kindern für Untersuchungen herangezogen. Bei 136 dieser Familien konnten die Forscher den Defekt im Genom hinreichend genau lokalisieren und bei 78 mithilfe neuer Sequenziertechniken identifizieren.
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