Risikogene für Neurodermitis identifiziert

                 Drei neue Risikogene für Neurodermitis identifiziert WissenschaftlerInnen der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, des Exzellenzclusters Entzündungsforschung und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ist es in Zusammenarbeit mit ForscherInnen aus Europa, Nordamerika und Australien gelungen, drei Genvarianten zu identifizieren, die das Risiko für Neurodermitis erhöhen. Die Ergebnisse dieser bislang größten Genetik-Studie zu Neurodermitis, in der mehr als 10.000 Patienten und 40.000 Gesunde aus 26 Kohorten untersucht wurden, wurden jetzt auf der Website von Nature Genetics veröffentlicht: www.nature.com/ng/journal/vaop/ncurrent/full/ng.1017.html Kiel, 3. Januar 2012 Mit einer geschätzten Häufigkeit von ca. 20 Prozent bei Kindern und ca. fünf Prozent bei Erwachsenen ist die Neurodermitis in westlichen Industrienationen eine der häufigsten chronischen Hauterkrankungen. Sie geht oft der Entwicklung von Heuschnupfen und Asthma voraus und ist mit einer Reihe anderer Erkrankungen assoziiert. Ein großer Teil des Risikos, Neurodermitis und Allergien zu entwickeln, wird vererbt. In Kombination mit Umwelteinflüssen kommt es zur Krankheitsentstehung. Als Auslöser gilt eine Kombination aus genetischen und umweltbedingten Faktoren. Bislang größte internationale Genetik-Studie für Neurodermitis Unter Leitung von Professor Stephan Weidinger, Exzellenzcluster Entzündungsforschung (Hautklinik des UKSH, Campus Kiel, und Medizinische Fakultät, CAU), David Evans von der Universität Bristol und Joachim Heinrich vom Helmholtz-Zentrum München, wurde jetzt im Rahmen des ,,EAGLE"-Konsortium (EArly Genetics and Lifecourse Epidemiology) die bisher weltweit größte Genetik-Studie zu Neurodermitis durchgeführt. Forscherinnen und Forscher aus zwölf Ländern, darunter Australien, Kanada, USA sowie neun europäischen Staaten, haben in Kooperation innerhalb von zwei Jahren das gesamte Erbgut bei mehr als 10.000 Patienten und 40.000 Gesunden untersucht. Dabei zeigten drei bislang nicht mit Neurodermitis in Zusammenhang gebrachte Genvarianten deutliche Effekte auf das Krankheitsrisiko. Zwei dieser Genvarianten spielen eine Rolle für die Aufrechterhaltung der natürlichen Hautbarriere, während die dritte Genvariante Auswirkungen auf die Immunregulation hat und in der Vergangenheit schon mit Asthma- und

                 Allergieentstehung in Verbindung gebracht wurde. Professor Stephan Weidinger kommentiert: ,,Unsere Ergebnisse zeigen, dass bei der Entstehung von Neurodermitis mehr Gene mit verschiedenen Funktionen beteiligt sind, als bisher angenommen. Sie helfen uns, die Ursachen der Krankheit besser zu verstehen und sie können zur Entwicklung neuer Tests zur Risikoabschätzung und neuen Behandlungsmethoden beitragen. Bisher kannten wir zwei gut untersuchte Risikogene, die wir nun auch erneut bestätigen konnten, dazu kommen drei neue Risikogene, die wir identifiziert haben. Wir wenden uns jetzt den Fragen zu, wie wir mit dem neu erworbenen Wissen die Prävention und Diagnostik verbessern können, um so neue Therapieansätze zu entwickeln."

Über die Ergebnisse der Studie berichtet das Fachmagazin Nature Genetics aktuell auf
seiner Website: Link zum Abstract ,,Meta-analysis of genome-wide association studies
on atopic dermatitis identifies three novel risk loci"
auf der Website von Nature
Genetics:
.1017.html

Ein Foto steht zum Download bereit: www.uni-kiel.de/download/pm/2012/2012-002-1.jpg Bildunterschrift: Professor Stephan Weidinger stellt mit seinem Team neue Erkenntnisse zur
Entstehung von Neurodermitis vor.
Foto: Privat

Der Exzellenzcluster Entzündungsforschung Der Exzellenzcluster Entzündungsforschung, angesiedelt an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel,
verfolgt einen einzigartigen interdisziplinären Forschungsansatz, um die Ursachen der chronischen
Entzündung zu entschlüsseln und Therapien zur Heilung zu entwickeln. Der Forschungsverbund
bündelt die Kompetenzen von rund 200 GenetikerInnen,
BiologInnen, ErnährungswissenschaftlerInnen und ÄrztInnen der Universitäten zu Kiel und Lübeck, des Forschungszentrums Borstel und des MaxPlanck-Instituts Plön. Mehrere Millionen Menschen leiden allein in Deutschland an chronischer
Entzündung der Lunge (Asthma), der Haut (Schuppenflechte), des Darms (Morbus Crohn) und des
Gehirns (Morbus Parkinson). Auslöser ist eine Fehlsteuerung des Immunsystems: Unaufhörlich aktiviert
es entzündliche Botenstoffe und Abwehrzellen und zerstört dadurch gesundes Gewebe. Dieses
Phänomen der modernen Zivilisation ist zur Herausforderung für die Medizin des 21. Jahrhunderts
geworden. 2007 erklärten deshalb die Bundesregierung und die Deutsche Forschungsgemeinschaft die
Entschlüsselung des komplexen Entzündungsmechanismus zu einem nationalen wissenschaftlichen
Schwerpunkt.
Geschäftsstelle Exzellenzcluster Entzündungsforschung: Helga Andree, Leiterin der Geschäftsstelle, T: 0431.880-5536, E: info@inflammation-at- interfaces.de Presse: Susanne Weller, M: +49.172.308 41 36, E: s.weller [a] weller-media (p) com

 
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