Säkularisierungsprozesse in verschiedenen Regionen weltweit erforscht
Säkularisierungsprozesse in verschiedenen Regionen weltweit erforscht
In einer vom Freistaat Sachsen mit ?? Euro geförderten Studie untersuchen Leipziger Kulturwissenschaftler (und Soziologen??) die Entwicklung von Säkularisierung in verschiedenen Teilen der Welt. Dabei werden globale Rahmenbedingungen jeweiligen regionalen und lokalen Entwicklungen gegenübergestellt. Im kommenden Oktober werden diese Forschungsergebnisse auf der Internationalen Tagung zum Thema "Multiple Secularities and Global Interconnectedness" an der Universität Leipzig diskutiert. Vom 13. bis zum 16. Oktober 2011 findet an der Universität Leipzig die internationale Tagung in Zusammenarbeit mit dem Centre of Area Studies (CAS) und dem Center fort he Study of Religion statt. Im Anschluss an das 2012 endende zweijährige Forschungsvorhaben soll ein Folgeprojekt in einem noch größeren Forschungsverbund stehen, plant ?? Wohlrab-Sahr, Professorin für Kultursoziologie der Universität Leiüpzig: "Durch aktuell vier länderbezogene Pilotstudien in USA, Indien, Niederlande und Südafrika lassen sich für eine weitere Untersuchung die Felder abstecken, bei denen sich genaueres Hinschauen lohnt. Säkularität ist kein alleiniges Phänomen westlicher Gesellschaften, und auch dort nicht einheitlich. Dies ruft nach systematischen Vergleichen."
Das Projekt "Multiple Secularities" untersucht anhand aktueller und historischer Konflikte die Dynamiken und Motive der Auseinandersetzungen um Religion und Säkularität. "Im Anschluss an klassische Theorien der Modernisierung ging die Forschung lange Zeit davon aus, dass sich im Laufe der Wohlstands- und Technologieentwicklung gesellschaftliche Verhältnisse angleichen, und dass damit auch eine Tendenz der Säkularisierung verbunden ist. Diese These wurde in den letzten beiden Jahrzehnten aber zunehmend angezweifelt." Das Projekt geht von der Annahme aus, dass es nicht nur rechtliche und politisch-institutionelle Rahmenbedingungen sind, die für die Untersuchung relevant sind. Säkulare Entwicklungen seien auch durch ganz andere Aspekte beeinflusst, zum Beispiel dadurch, welche kulturellen Traditionen und darauf basierenden gesellschaftlichen Leitideen sich vor dem Hintergrund spezifischer historischer Erfahrungen, in einem Land bzw. in einer Region herausgebildet hätten. Zu diesen Erfahrungen gehören die Geschichten der Nationenbildung, Erfahrungen mit Kolonialismus oder Mission, aber auch die Formen des Umgangs mit Minderheiten im eigenen Land. "Kultur" meint daher keine essentialistisch verstandene Eigenschaft, sondern tief verwurzelte Selbstverständlichkeiten, Grundannahmen und Abgrenzungen, die selber historisch generiert sind. Die Dynamik gegenwärtiger Konflikte - so die Annahme - resultiere daraus, dass es dabei auch um die Verteidigung oder Infragestellung solcher kulturellen Konstellationen gehe. Bereits die westliche Welt ist in sich uneinheitlicher als es das Schlagwort von der "europäischen Moderne" glauben macht: Die Konfliktlinien zwischen Staat und Kirche oder Religion und Wissenschaft, die in der europäischen Geschichte eine wichtige Rolle spielten, stellen sich in den USA bereits anders dar. Zudem verbindet sich dort die Trennung von Staat und Kirche weit weniger als in Westeuropa mit einer Säkularisierung der Bevölkerung. Daraus wird bisweilen ein "europäischer Sonderweg" des Säkularisierungsprozesses abgeleitet. Wie aber aktuelle Auseinandersetzungen um den Kreationismus an amerikanischen Schulen zeigen, ist die Säkularität von Bildung und Wissenschaft auch dort ein umkämpftes Feld. Darüber hinaus ist Säkularität kein alleiniges Phänomen der westlichen Welt. "In Indien wird eine ganz eigene Debatte über ‚secularism' geführt und die Frage gestellt, ob es neben den kolonialen Ursprüngen des säkularen Staates und der säkularen Verfassung auch indigene Wurzeln der Säkularität gibt." Daher rührt die Grundidee des Projektes, Entwicklungen und Grundverständnisse von Säkularität in sehr unterschiedlichen Ländern auszuleuchten. Debatten um Religion und Wissenschaft, aber auch Rechtskonflikte um die Rolle der Religion in anderen gesellschaftlichen Teilbereichen finden sich in all diesen Ländern, so dass hier vergleichende Analysen möglich sind. "Es geht uns nicht allein um weltanschaulichen Säkularismus, sondern um darunterliegende, alltägliche Unterscheidungen von Religiösem und Nicht-Religiösem", so die Kultursoziologin. Die Ergebnisse der vom Freistaat Sachsen geförderten Studie sollen die Grundlage liefern, um in einem größeren Verbundprojekt aktuelle und historische Auseinandersetzungen um die Verhältnisbestimmung und Wechselbeziehung von Religion und Säkularität in unterschiedlichen sozialen Feldern vergleichend zu untersuchen und typologisch zu verdichten. Empirisch stützen sich die fünf beteiligten Sozial- und Kulturwissenschaftler derzeit vor allem auf Expertengespräche mit Wissenschaftlern, Rechtsanwälten, Journalisten sowie politischen und religiösen Aktivisten. Die Analyse von Rechtsfällen und den damit verbundenen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen wird wein weiterer Schritt sein. Das soziologisch ausgerichtete Forschungsprojekt bezieht auch Fachwissen aus Kultur-, Religions-, Politik- und Regionalwissenschaften mit ein.Ansprechpartner: Prof. Dr. Monika Wohlrab-SahrInstitut für Kulturwissenschaften
Beethovenstr. 15
04107 Leipzig
Telefon: 0341/9735678
E-Mail: wohlrab [a] uni-leipzig (p) de
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