Neue Studie wird präsentiert:
Schülerschaft mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
Im Sommer 2011 wurde der Gesetzentwurf zur Inklusion in Bayern endgültig verabschiedet. Demnach entscheiden Eltern künftig, an welcher Schule ihr Kind unterrichtet werden soll - Experten erwarten daher, dass die Zahl integrativ beziehungsweise inklusiv beschulter Kinder steigen wird. Vor diesem Hintergrund ist es dringend notwendig, verlässliche Daten zur Schülerschaft an Förderschulen zu erhalten. Nur so können Pädagogik und Didaktik auf diese Schüler abgestimmt werden, und auch für die Weiterentwicklung der Förderschulen ist eine gesicherte Bestandsaufnahme wichtig. Mit der Studie ,,Schülerschaft mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung" wurden nun erstmals aktuelle und repräsentative Daten über bayerische Schüler mit dem Förderschwerpunkt Entwicklung erhoben. Herausgeber der Studie sind Wolfgang Dworschak und Sybille Kannewischer vom Department Pädagogik und Rehabilitation der LMU sowie Christoph Ratz (Universität Würzburg, Institut für Sonderpädagogik) und Professor Michael Wagner (Universität Koblenz-Landau, Institut für Sonderpädagogik).
Der Abschlussbericht der Studie liegt jetzt vor und wird am Freitag, 9. Dezember, um 14.30 Uhr in der Fakultät für Psychologie und Pädagogik (Leopoldstr. 13, Raum 2U01) der Öffentlichkeit präsentiert.
Um Anmeldung zu der Veranstaltung wird gebeten unter kannewischer [a] lmu (p) de
Die Förderzentren mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung (FsgE) sind die jüngste Schulart im deutschen Bildungssystem und haben sich seit den 1970er-Jahren intensiv entwickelt. In der Entstehungsphase dieser Schulart standen die Alltags- und Lebensbewältigung im Vordergrund. Heute werden gleichberechtigt auch die Vermittlung komplexer Bildungsinhalte und - angesichts der Diskussion um eine inklusive Schule - die Anschlussfähigkeit an den Unterricht der Regelschule diskutiert. Daher ist es wichtig, fundierte Kenntnisse über die Zielgruppe dieser Bildungsbemühungen zu haben. Bisher existierten keine umfassenden Studien darüber, auf wen sich die Pädagogik einstellen muss: Welche Kinder besuchen eine Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, unter welchen Bedingungen leben sie, was und wie lernen sie, und mit welchem Verhalten muss gerechnet werden? Schulleiter, Schulverwaltung und Politik sind hier auf verlässliche Daten angewiesen - die Ergebnisse der neuen Querschnittstudie über die Schüler im FsgE in Bayern könnten diese nun liefern.
Da die Schülerschaft im FsgE extrem heterogen ist, sind vergleichende Bewertungen anhand bestimmter Normen in der Regel weder möglich noch hilfreich. Deshalb verschafften sich die Wissenschaftler mittels einer Lehrerbefragung einen Überblick. Die Untersuchung informiert sowohl über medizinische, soziobiografische und bildungsbiografische Aspekte als auch über unterrichtsrelevante Kompetenzen und Aspekte des Verhaltens und Erlebens. Generell zeigte sich: Der Anteil ausländischer Schüler und der Schüler mit Migrationshintergrund liegt im FsgE höher als an allgemeinbildenden Schulen. Die individuellen Fähigkeiten der Schüler variieren naturgemäß stark, dabei kommt der Sprachförderung eine große Bedeutung zu. Etwa die Hälfte der Schüler zeigt Verhaltensprobleme, wobei der Anteil der Jungen in dieser Gruppe deutlich höher ist als der der Mädchen. Die jetzt vorliegenden Daten können Pädagogen wichtige Informationen für den gemeinsamen Unterricht an die Hand geben. (göd)
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