Leipziger Forscher untersuchen Wolken in der Karibik
Leipziger Forscher untersuchen Wolken in der Karibik
Wissenschaftler aus Deutschland starten im April eine Messkampagne, um Passatwolken in der Karibik zu untersuchen. Die Forscher wollen so herausfinden, wie die Bildung von tiefen Cumuluswolken im Detail funktioniert und wie diese durch unterschiedliche Aerosole beeinflusst wird. Das Verstehen dieser Prozesse ist von großer Bedeutung für mögliche Auswirkungen auf das Klima. Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Bund und Land fördern die Kampagne daher mit insgesamt 250.000 Euro. Im November 2010 hatte das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (IfT) zusammen mit dem Meteorologischen Institut der Universität Leipzig (LIM) bereits eine erste Messkampagne auf der Karibikinsel Barbados durchgeführt, die nun drei Wochen lang fortgesetzt wird. 2010 gelang mit Hilfe eines neu entwickelten Partikelzählers und der direkten Kombination mit Strahlungsmessungen die bisher genaueste Untersuchung von einzelnen Wolken weltweit. Das Experiment ist eingebettet in eine Langzeitstudie des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg, das dort eine Beobachtungsstation aufgebaut hat.
Weil tiefe Cumuluswolken in der Region der Passatwinde weit verbreitet sind, spielen sie eine wichtige Rolle beim Transport von Wasser in die freie Atmosphäre und beim Strahlungshaushalt der Erde.Außerdem beeinflussen diese Wolken die Dynamik der gesamten atmosphärischen Grenzschicht, indem sie den vertikalen Transport von Feuchtigkeit und Wärme zwischen der Oberfläche der Ozeane und der freien Atmosphäre verstärken. In den Modellen der globalen Kreisläufe sind diese Wolken bisher nicht ausreichend berücksichtigt, obwohl ihr Einfluss auf das Klima von Bedeutung ist und der letzte IPCC-Report kritisch anmerkte, dass "niedrige Wolken den größten Anteil an den Unsicherheiten der Klimamodelle haben". Typisch für die Region der wolkenreichen Passatwinde ist eine 300 bis 800 Meter hohe feuchte und gut durchmischte Luftschicht über dem Ozean. Darüber befindet sich eine instabile Wolkenschicht von bis zu zwei Kilometern Höhe. Durch die vertikale Begrenzung existieren diese Passatwolken nur wenige Stunden, was größtenteils Regen verhindert. Kommt es trotzdem zu Niederschlägen, dann kann es zu überraschenden Starkniederschlägen führen. Barbados am Rand der Karibik wurde für die Untersuchungen ausgewählt, weil die Bedingungen optimal für diese Experimente sind. Bereits seit den 1960er Jahren laufen dort Langzeitstudien der University of Miami zusammen mit dem Caribbean Institute for Meteorology and Hydrology. Charakteristisch für Barbados sind die gleichmäßigen Passatwinde aus östlicher Richtung. Weil die Insel die östlichste der Karibischen Inseln ist und die Luft vom Atlantik kommt, gibt es hier - abgesehen von Schiffen und Flugzeugen - über Tausende von Kilometern praktisch keine von Menschen verursachte Luftverunreinigungen und damit auch keine anthropogenen Aerosolpartikel. Das größte Potenzial als Kondensationskeime die Eigenschaften von Wolken zu verändern haben hier neben Seesalz vor allem Staubteilchen aus der Sahara, die mit den Winden aus Afrika über den Atlantik gelangen.
Eine erste Messkampagne wurde im November durchgeführt, da in diesem Monat das Risiko von Hurrikans und starken Niederschlägen geringer als im Sommer, die Passatbewölkung aber schon wieder ausreichend vorhanden ist.
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