Investor-Relations-2.0-Studie der Universität Leipzig veröffentlicht

Finanzkommunikation im Social Web: Kulturelle Faktoren spielen in der Kommunikation im globalen Finanzmarkt eine große Rolle. Deutsche Unternehmen liegen international im Mittelfeld.


Die aktuellen Turbulenzen am Kapitalmarkt verunsichern Anleger und Politik. Das Internet und insbesondere Social-Media-Plattformen wirken als Multiplikatoren für Informationen und Gerüchte, die Reputation und Vertrauen im Sekundentakt zerstören und wieder aufbauen - mit erheblichen Auswirkungen auf Aktienkurse und Unternehmenswerte. Börsennotierte Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Facebook, Twitter, Slideshare und andere Plattformen in die Kommunikation mit Anlegern, Analysten und Finanzjournalisten einzubeziehen. Inwieweit dies bereits umgesetzt wird, zeigt die aktuelle Investor-Relations-2.0-Studie der Universität Leipzig auf. In einer internationalen Benchmark-Untersuchung wurden die Social-Media-Aktivitäten von 280 Unternehmen in Deutschland, den USA, Großbritannien, Frankreich und Japan analysiert (Aktienindizes: DAX, DJIA, FTSE, CAC, NIKKEI; zusätzlich MDAX, SDAX, TecDAX). Die Untersuchung identifiziert Defizite, zeigt zugleich aber auch, wie hoch die Latte in einzelnen Indizes und Branchen bereits gehängt wird. Die wichtigsten Ergebnisse stehen unter www.communicationmanagement.de im Internet zur Verfügung.

Die inhaltsanalytische Untersuchung von Unternehmens-Websites und Social-Media-Plattformen macht deutlich, dass die meisten Aktiengesellschaften noch keine konsistenten Strategien für die Online-Kommunikation mit Investoren haben und häufig nur einzelne Anwendungen nutzen. Viele Investor-Relations-Abteilungen bereiten ihre traditionellen Maßnahmen für das Social Web auf und stellen Präsentationen (teilweise mit Bild und Ton) von Analystenkonferenzen, Ergebnisveröffentlichungen und ähnliche Informationen im Internet bereit. Der Vergleich mit früheren Erhebungen zeigt, dass dialogische Plattformen, beispielsweise Blogs, IR-Chats oder Anwendungen mit Feedbackmöglichkeit, die eine neue Qualität der Kommunikation ermöglichen, verstärkt zum Einsatz kommen. Insgesamt sind sie jedoch immer noch unterrepräsentiert. Externe Plattformen wie Facebook und Youtube werden von der Mehrheit der IR-Verantwortlichen noch mit Vorsicht betrachtet.

Vergleicht man die einzelnen Länder miteinander, fällt auf, dass die im Dow Jones Industrial Average in den USA gelisteten Unternehmen in stärkerem Maß die ganze Bandbreite der durch Social Media zur Verfügung stehenden Funktionen nutzen: Informieren, Strukturieren, Interpretieren und Vernetzen. Japanische Unternehmen beschränken sich dagegen vorwiegend auf die Information ihrer Aktionäre. Französische Aktiengesellschaften legen besonderen Wert auf die interpretative Aufbereitung anlegerrelevanter Informationen. Ungeachtet der globalen Reichweite der Finanzmärkte und einheitlicher Social-Media-Technologien spielen kulturelle Faktoren, Unterschiede im Anlegerverhalten und bei der Social-Media-Nutzung offenkundig eine große Rolle.

Siehe nachfolgende Tabellen:
Länderspezifische Ausprägungen von Investor Relations 2.0 sowie Ranking Investor Relations 2.0

 
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