Hochschulen spüren Wirkungen von Rankings in Politik und Wirtschaft

Studiengang-Rankings sind weit verbreitet. Kommunikationswissenschaftler haben jetzt ermittelt, wer sich am meisten für sie interessiert. Foto: WWU - Peter Grewer
Kommunikationswissenschaftler legen überraschende Ergebnisse zum Einfluss von Rankings vor / Studienleitung an der Universität Münster
Rankings gelten bislang als Entscheidungshilfe für Studieninteressierte und werden von den Medien als "Studienführer" veröffentlicht. Eine aktuelle Untersuchung unter Leitung der Universität Münster zeigt nun, dass die eigentlichen Wirkungen – zumindest aus Sicht der Hochschulleitungen und Senate – im Bereich von Politik und Wirtschaft liegen.
Das Forscherteam um die Kommunikationswissenschaftler Frank Marcinkowski von der Universität Münster und Matthias Kohring, Universität Mannheim, hat mittels einer repräsentativen Befragung herausgefunden, dass Hochschulen die Wirkungen der Rankings deutlich spüren, aber nicht in erster Linie über die Nachfrage nach den Studienplätzen.
Die Befragung von Leitungsgremien und Professoren zeigt vielmehr, dass sie insbesondere vonseiten der Entscheider in Politik und Wirtschaft Interesse an den Ranking-Ergebnissen erleben. "Wir gehen davon aus, dass Unternehmen ihre Forschungsaufträge zunehmend an solche Hochschulen vergeben, die im Ranking gut abgeschnitten haben", erläutert Studienleiter Marcinkowski. Und sein Kollege Kohring ergänzt: "Auch bei Drittmittelgebern aus der Politik und dem öffentlichen Bereich kann man mit einer guten Platzierung punkten." Dies sei bemerkenswert, weil ein gutes Abschneiden in Rankings eigentlich nichts darüber aussage, wie anerkannt die Forschung in dem gerankten Fach oder an der jeweils bewerteten Hochschule ist.
Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Studie zeigt darüber hinaus, dass die Rankings auch Entscheidungen innerhalb der Hochschulen beeinflussen: Bei internen Verhandlungen mit Instituten und Fächern sind die Platzierungen mittlerweile ein wichtiges Argument. Offenbar lassen also Wissenschaftler die Studienrankings regelmäßig als Argument für interne Entscheidungen gelten. Dies war nicht ohne Weiteres zu erwarten, denn wissenschaftsintern sind die methodischen Grundlagen der Rankings in den letzten Jahren zunehmend in die Kritik geraten. Marcinkowski: "Der mutmaßliche Grund für diese Wirkung der Rankings: Publizität schlägt methodische Detailkritik."
Die Studie ist Teil des Projektes "Organisation und Öffentlichkeit von Hochschulen", bei dem das Zusammenspiel von Hochschulen, Politik und Öffentlichkeit untersucht wird. Erforscht wird dabei, wie die Berichterstattung der Medien insgesamt immer mehr auf die Hochschulpolitik einwirkt. Rankings sind dafür nur ein markantes Beispiel.
Befragt wurden bundesweit die Leitungen an öffentlichen und privaten Universitäten und Fachhochschulen. Dazu gehörten Senate, Presseverantwortliche sowie Hochschulräte und Beiratsgremien - insgesamt rund 3500 Personen. Ergänzend zur Befragung der Hochschulen wurden persönliche s in den Wissenschaftsministerien von vier ausgewählten Bundesländern geführt.
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