Gestresste Mutter, gefährdetes Kind

Gestresste Mutter, gefährdetes Kind
Die Entwicklung von Neugeborenen und jungen Erwachsenen kann von einer Reihe früher Umweltfaktoren abhängen, die bereits vor der Geburt auf den Embryo einwirken. Aktuelle Studien haben bereits nachgewiesen, dass zum Beispiel Stress in der Schwangerschaft langfristig die Entwicklung des Menschen beeinflussen kann. Dies kann das Risiko für Kinder erhöhen, später von einer der so genannten Zivilisationskrankheiten wie Typ II Diabetes oder Herz- und Gefäßkrankheiten betroffen zu sein.
Ein internationales Forschungsteam, an dem der Freiburger Psychologe Robert Kumsta beteiligt war, hat in einer im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) erschienenen Studie einen neuen Aspekt aufgezeigt: Die Wissenschaftler haben dargelegt, dass junge Erwachsene, deren Mütter während der Schwangerschaft etwa durch den Tod des Partners erheblichem Stress ausgesetzt waren, bedeutend kürzere Telomere haben als Gleichaltrige. Telomere sind DNA-Proteinkomplexe, die die Enden der Chromosome bilden und das Altern der Zellen anzeigen. Bei den jungen Erwachsenen, deren Mütter in der Schwangerschaft unter Stress gelitten haben, waren die Zellen um dreieinhalb Jahre früher gealtert als bei einer ungestressten Vergleichsgruppe.
Das Ergebnis der Studie trägt dazu bei, ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, wie frühe Umweltfaktoren biologisch festgeschrieben werden und lebenslang wirken können. Vor allem um stressbezogene Erkrankungen, die zu einem späteren Zeitpunkt auftreten, zu behandeln und ihnen vorzubeugen, sind die Forschungsergebnisse von Bedeutung.
Darüber hinaus untersuchen Psychologen, Mediziner und Biologen am Lehrstuhl für Biologische und Differentielle Psychologie der Universität Freiburg in einem aktuellen Projekt, wie frühkindliche Missbrauchserfahrungen die psychische und hormonelle Reaktion auf Stress verändern.
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