Gefährdete Geparden - Große genetische Unterschiede erschweren Artenschutz

Geparden aus dem Nordwesten Afrikas, dem Süden Afrikas und aus Asien unterscheiden sich genetisch viel stärker voneinander als bisher angenommen, dies konnte nun eine internationale Kooperation unter der Leitung von Pauline Charruau und Pamela Burger vom Institut für Populationsgenetik der Vetmeduni Vienna zeigen. Ebenfalls an der Studie beteiligt war Professor Joris Peters vom Institut für Paläoanatomie und Geschichte der Tiermedizin der LMU. Nach Überprüfung und Dokumentation ihrer Artzugehörigkeit konnte er extrem seltene Gepardenknochen aus dem Mittelalter, die in der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie München lagern, zur genetischen Analyse beisteuern. Diese Untersuchung bestätigte letztlich die Ergebnisse zur großen genetischen Diversität bei Geparden. Für Artenschützer ist dies besonders alarmierend: Die Aufstockung stark reduzierter Populationen mit Tieren aus einer entfernten Region könnte damit problematisch sein, da genetische Besonderheiten verschwinden könnten, wenn sich die Tiere untereinander kreuzen. ‘Diese Besonderheiten sind aber vermutlich Anpassungen an den jeweiligen Lebensraum und das Nahrungsangebot dort’, sagt Burger. (Molecular Ecology online, 8. Januar 2011)

Noch Ende des 19. Jahrhunderts waren Geparden in Afrika und Asien weit verbreitet, sind nun aber stark reduziert. Bisher ging die Forschung davon aus, dass sich die weltweit verbliebenen Bestände genetisch stark ähneln. ‘Man vermutete, dass es vor gut zehntausend Jahren bei Geparden einen demografischen Engpass gab, bei dem sich aus einer kleinen Population der heutige weltweite Bestand entwickelte’, erklärt Burger. Diese Annahme konnte das Team, dem Forscher aus Europa, den USA, aber auch aus dem Iran, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Südafrika angehörten, nun widerlegen. Genetische Untersuchungen zeigten, dass sich die Gepardenbestände im nordöstlichen Afrika, im südlichen Teil Afrikas und in Asien in drei klar abgrenzbare Gruppen unterteilen lassen, die sich in ihrer genetischen Ausstattung signifikant voneinander unterscheiden. ‘Wir vermuten, dass sich die Populationen schon vor 30.000 bis 70.000 Jahren voneinander getrennt haben’, so Burger.

In der Studie wurde die sogenannte mitochondriale DNA sowie Mikrosatelliten-DNA analysiert. Das Erbmaterial stammte aus Proben von heute lebenden Tieren, aber auch von mittelalterlichen Geparden aus dem Nordwesten des Iran, wo sie vermutlich als Jagdhelfer gehalten wurden, eine Tradition, die sich in dieser Region bis ins 19. Jh. nachweisen lässt. Peters leitet die Abteilung Paläoanatomie der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie München, wo die extrem seltenen Überreste dieser Tiere heute lagern. .Die makroskopische Untersuchung und Dokumentation dieser Funde wurde am ArchaeoBioCenter der LMU durchgeführt und im Rahmen der Initiative LMUInnovativ gefördert. Anschließend wurden die etwa 1000 Jahre alten Knochen zur genetischen Analyse der DNA an französische Kollegen, Équipe Épigénome et Paléogénome, Institut Jacques Monod, CNRS, Paris, weitergeleitet. Dabei zeigte sich, dass die überraschend gut erhaltenen alten Sequenzen stark mit denjenigen von modernen asiatischen Geparden übereinstimmen.

‘Einer der Knochen unterscheidet sich genetisch von den anderen’, sagt Peters. ‘Vermutlich ist also die genetische Variabilität in der iranischen Gepardenpopulation seit dem Mittelalter weiter zurückgegangen.’ Die iranischen Geparden sind die letzten Vertreter der asiatischen Unterart und unterscheiden sich deutlich von ihren afrikanischen Verwandten. Der Erhalt der akut gefährdeten Population von maximal 100 Tieren hat damit Priorität. Gemeinsam mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen hat das Iranische Department für die Umwelt deshalb ein umfassendes Arterhaltungsprogramm für die asiatischen Geparden (CACP) ins Leben gerufen. ‘Dennoch läuft uns die Zeit davon’, sagt Alireza Jourabchian, Leiter des CACP im Iran. ’Wir konnten die Zahl der Geparden im Iran zwar stabilisieren, haben aber immer noch einen langen Weg vor uns, bis wir den Bestand als abgesichert bezeichnen können. Wir sind zuversichtlich, dass die neuen Forschungsergebnisse die Aufmerksamkeit noch stärker auf dieses Problem lenken werden.’ (Vetmeduni Vienna/LMU)

Publikation:
Phylogeography, genetic structure and population divergence time of cheetahs in Africa and Asia: evidence for long-term geographic isolates ,
P Charruau, C Fernandes, P Orozco-terWengel, J Peters, L Hunter, H Ziaie, A Jourabchian, H Jowkar, G Schaller, S Ostrowski, P Vercammen, T Grange, C Schlötterer, A Kotze, E-M Geigl, C Walzer and PA Burger ,
Molecular Ecology online, 8. Januar 2011 ,
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1365-294X.2010.04986.x/full

Prof. Dr. Joris Peters
Institut für Paläoanatomie, Domestikationsforschung und Geschichte der Tiermedizin der LMU
Tel.: 089 / 2180 - 5711
Fax: 089 / 2180 - 6278
E-Mail: joris.peters [a] palaeo.vetmed.uni-muenchen (p) de

 

 
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