Forschung an Schädeln aus Namibia abgeschlossen
24 November 2011 - UNI-FREIBURG

Forschung an Schädeln aus Namibia abgeschlossen
Eugen Fischer, ein Anatom mit der Ausrichtung Anthropologie, wurde Kurator dieser Sammlung im Jahre 1900. Er hat nie einen Katalog geführt, und hat auch keine Beschreibung seiner Anschaffungspraktiken hinterlassen. Unter den circa 200 afrikanischen Schädeln sind acht als „Herero“ und fünf als „Hottentotten“ bezeichnet. Sie wurden höchstwahrscheinlich während Fischers Zeit als Lehrstuhlinhaber (1918-1927) in die Sammlung aufgenommen. Fischer hatte im Jahre 1908 eine Forschungsreise nach Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, unternommen und mehrere Schädel mit nach Freiburg genommen. Andere historische Quellen deuten darauf hin, dass menschliche Überreste während des Deutsch-Herero-Kriegs zu Forschungszwecken nach Deutschland geschickt und dort in anthropologische Sammlungen aufgenommen wurden. Damals waren menschliche Variabilität und Anthropometrie populäre Forschungsgebiete, und ideologisch gefärbte Rassentypologien sowie Eugenik wurden zu verbreiteten Denkschulen unter Wissenschaftlern. Überreste von Herero und Nama aus verschiedenen Perioden hätten also auf unterschiedliche Weise und innerhalb von verschiedenen Kontexten in die Sammlung gelangen können.
Während der beiden Weltkriege wurden Teile der Sammlung beschädigt und die ursprüngliche Dokumentation ging größtenteils verloren. Zusätzlich erschwert wurde die Identifizierung der Herkunft der Überreste durch mehrere Standortwechsel. In Zusammenhang mit dem letzten Standortwechsel der Alexander-Ecker-Sammlung zum Universitätsarchiv wurde deutlich, dass die Sammlung Schädel mit ethisch problematischer Herkunft enthalten könnte. Deswegen hat das Rektorat der renommierten Freiburger Anthropologin Ursula Wittwer-Backofen einen Forschungsauftrag erteilt und in enger Abstimmung mit der Namibischen Botschaft eine Rückführung der identifizierten und zugeordneten Schädel beschlossen.
19 Schädel wurden als relevant für die Erforschung namibischer Abstammung erachtet. Sie wurden ausgewählt, weil sie einen Bezug zu den Herero, Nama sowie allgemein zu Südwest- oder Südafrika haben. Bezugspunkt war der Schädel selbst beziehungsweise die Beschriftungen der Schädel. Eine Reihe von Methoden wurden angewandt, unter anderem UV-Licht, Dokumentation von Anomalien, Pathologien beziehungsweise Traumata, morphometrische Analysen und stabile Isotopenanalyse, wobei invasive Methoden auf das absolut notwendige Minimum reduziert wurden. Die Analysen sollten helfen, die geographische Herkunft der analysierten Schädel zu bestimmen.
Unter Berücksichtigung der vorliegenden Ergebnisse kann für 14 Schädel eine signifikante Wahrscheinlichkeit für eine Herkunft auf dem Gebiet des heutigen Namibias angenommen werden. Diese wurden durch die Forscher für eine Restitution empfohlen.
Unter Berücksichtigung der vorliegenden Ergebnisse kann für 14 Schädel eine signifikante Wahrscheinlichkeit für eine Herkunft auf dem Gebiet des heutigen Namibias angenommen werden. Diese wurden durch die Forscher für eine Restitution empfohlen.
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