Auszeichnung für Kölner Doktoranden
5 October 2011 - UNI-KOELN
Verantwortlich: Patrick Honecker
Hans-Henning Kunz erhält den renommierten Strasburger-Preis der Deutschen Botanischen Gesellschaft
Hans-Henning Kunz erhält den renommierten Strasburger-Preis der Deutschen Botanischen Gesellschaft
Der Strasburger-Preis der Deutschen Botanischen Gesellschaft geht dieses Jahr an Hans-Henning Kunz für seine Doktorarbeit über den nächtlichen Abbau von Fettsäuren in Pflanzen. Kunz war bis 2010 Doktorand bei Professor Ulf-Ingo Flügge vom Botanischen Institut der Universität zu Köln. Flügge überreichte in seiner Funktion als Präsident der Deutschen Botanischen Gesellschaft den Preis und hielt die Laudatio auf Kunz. Der Strasburger-Preis ist mit 2.500 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre für eine herausragende Arbeit in den Pflanzenwissenschaften vergeben. Er wird vom Spektrum Akademischer Verlag gestiftet.
Hans-Henning Kunz untersuchte in seiner Doktorarbeit eine bislang unbekannte Stoffwechsel-Strategie von Pflanzen. Dabei stellte sich heraus, dass der nächtliche Abbau von Fettsäuren auch für ausgewachsene Pflanzen überlebensnotwendig ist. Bislang war man davon ausgegangen, dass der Fettsäure-Stoffwechsel vor allem für keimende Pflanzen wichtig sei. Wie Kunz zeigen konnte, ist aber die so genannte â-Oxidation von Fettsäuren eine entscheidende Überlebensstrategie von Pflanzen, um die Dunkelheit zu überstehen, wenn die tagsüber durch Photosynthese erzeugte Energie aufgebraucht ist. Er erlaubt Pflanzen diejenige Energie zu gewinnen, die zuvor in Fetten gespeichert wurde.
Um diese für die Grundlagenforschung wichtige Strategie erstmals zu entschlüsseln, untersuchte Kunz Mutanten der Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana). Diese Mutanten bauen keine Fettsäuren ab, weil sie diese nicht in die dafür zuständigen Zellorganellen, in die sogenannten Peroxisomen, transportieren können. Die Pflanzen starben nach 36 Stunden im Dunklen ab, wobei sich toxisch wirkende á-Linolensäure anhäufte und sich das Gewebe auflöste. Außerdem akkumulierten sie für Zellen giftige Abbauprodukte des Photosynthese-Farbstoffes Chlorophyll. Zur endgültigen Aufklärung der Stoffwechsel-Strategie entwickelte Kunz Doppelmutanten, denen nicht nur Fettsäuren in den Peroxisomen fehlten, sondern auch noch Stärke für die Energiegewinnung im Dunklen. Diese starben bereits nach 16 Stunden ohne Licht ab. So schnell, wie bis dato keine andere Mutante, wie Kunz während seiner nächtlichen Messungen im Labor herausfand.
,,Durch die Stück für Stück aufeinander aufbauenden Versuche zeigte Kunz zweifelsfrei, dass dieser Fettsäure-Abbau für adulte Pflanzen essentiell ist", ordnet Professor Flügge die Bedeutung der Doktorarbeit für die Pflanzenforschung ein. ,,Schließlich hat er aus den beobachteten Ergebnissen ein neues Modell entwickelt, das erklärt, wie die Pflanzen nach dem Abbau der Stärke auf die â-Oxidation der Fettsäuren umschalten".
Professor Ulf-Ingo Flügge,
Tel: 221-470 2484,
ui.fluegge(at)uni-koeln.de
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